Mi, 18. Oktober 2017

Morgi im Interview

08.02.2014 19:29

Schmerzen! „Mein größter Sieg ist, hier zu sein“

Es ist das Wahnsinns-Comeback bei den Olympischen Spielen: Nur vier Wochen nach seinem Horrorsturz kämpft "Adler" Thomas Morgenstern am Sonntagabend um Gold - mit Schmerzen, die nach einer "Rumpel"-Landung in der Qualifikation nicht besser wurden.

Vor vier Wochen lag Thomas Morgenstern nach einem Horrorsturz mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus, am Sonntagabend greift der Kärntner Skispringer nach seinem vierten Olympiasieg. Im Interview mit "Krone"-Redakteur Norbert Niederacher in Sotschi spricht er über die Fitness, die Angst vor dem Springen, die Bedeutung von Medaillen und über Rücktrittsgedanken. Aber auch über seine Schmerzen bei der Qualifikation am Samstag, in der er Neunter wurde.

"Krone": Horrorsturz, Intensivstation, Rehab – wie fit fühlst du dich wirklich?
Thomas Morgenstern: Natürlich sind Schmerzen da, vor allem im Nacken. Das Springen ist am Abend, da ist der morgendliche Kater weg. Da geht es mir um Welten besser. Bei der Qualifikation bin ich halt blöd gelandet. Nix Schlimmes. Aber weh tut's trotzdem."

"Krone": Du hast den Crash am Kulm auch mental verarbeitet. Ist da keine Angst mehr?
Morgenstern: Es wäre gelogen, wenn ich Nein sagen würde. Eine gewisse Angst ist da, das ist klar. Nicht auf der 90er, auf der Großen wird es eine andere Nummer werden.

"Krone": Du erzählst, dass du auch Positives aus dem Horror-Sturz mitgenommen hast...
Morgenstern: Es gibt in so einer Phase immer Faktoren, wo man Positives herausziehen kann. Vor allem in der Rehab-Phase. Allein als ich in der Intensivstation gelegen bin und der Mama in die Augen geschaut hab, das werde ich nie vergessen.

"Krone": Leute, die dir beim ersten Sprung in Oberstdorf zugeschaut haben, sagen: Er ist noch immer der Alte.
Morgenstern: Es war ein eigenes Gefühl. Ich bin ewig auf dem Balken gesessen. Ich habe gewusst, jetzt ist es so weit, jetzt sitze ich da oben, jetzt gibt es kein Zurück, wenn ich das Ziel leben und realisieren will, dann fahre ich jetzt weg. Da sind mir 100.000 Gedanken durch den Schädel gegangen. In der Spur hatte ich ein Gefühl, als wäre ich nie im Krankenhaus gelegen.

"Krone": Du hast schon drei Goldene daheim. Wie wichtig ist dir hier eine Medaille?
Morgenstern: Das tritt in den Hintergrund. Es wäre ein Traum. Dafür bestreite ich Wettkämpfe. Es ist mein größter Sieg, hier in Sotschi wieder dabei zu sein. Dass ich wieder von einer Schanze springe, nach dem, was alles war. Ich weiß aber, dass das Potenzial für eine Medaille in mir drinnen schlummert.

"Krone": Hast du im Krankenhaus ans Karriere-Ende gedacht?
Morgenstern:
Natürlich sind auch Gedanken über mein Karriere-Ende durch den Kopf getanzt. Jetzt ist es noch nicht so weit, jetzt bin ich in Sotschi. Es fällt keine Entscheidung, bevor ich daheim bin. Ich bin mir bewusst, wie viel Fett'n ich gehabt habe. Nicht nur am Kulm, auch in Titisee oder vor zehn Jahren in Kuusamo. Ich bin mir dessen echt bewusst.

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