So, 19. November 2017

Fall verfilmt

06.02.2014 10:33

Dutzende Tote: Macht die Arbeit bei Samsung krank?

Der südkoreanische Elektronikriese Samsung wird in der asiatischen Heimat aktuell von einer Welle des Misstrauens heimgesucht. Die Arbeit in Fabriken des IT-Giganten führe zu Krankheiten und in weiterer Folge zum Tod, klagen unter anderem Eltern ehemaliger Samsung-Arbeiter, deren Kinder wenige Jahre nach Dienstantritt in einer Samsung-Fabrik erkrankten und starben. Ein südkoreanischer Filmemacher hat den aussichtslosen juristischen Kampf der Hinterbliebenen gegen den Mega-Konzern jetzt verfilmt.

Im Film "Another Promise" geht es um den juristischen Kampf eines Vaters gegen den Elektronik-Riesenkonzern Jinsung. Gemeint ist Samsung, Regisseur Kim Tae-yun wählte wegen zu erwartender juristischer Probleme jedoch einen Phantasienamen, um die tragische Geschichte zu verfilmen.

Auf das Thema gestoßen war er durch einen Zeitungsbericht über den Taxifahrer Hwang Sang-ki, dessen Tochter Yu-mi 2007 nach fünf Jahren bei Samsung an einer seltenen Form von Blutkrebs starb. Hwang war überzeugt davon, dass die Chemikalien, mit denen seine Tochter bei der Arbeit in einer Halbleiterfabrik in Berührung gekommen war, die Krankheit und den Tod der Tochter ausgelöst hatten.

Yu-mi starb mit nur 23 Jahren
Die erst 23-jährige Frau hatte nur wenige Monate zwischen der Blutkrebs-Diagnose und ihrem Tod. Fünf Jahre zuvor hatte die finanziell nicht sonderlich gut dastehende Familie den Job bei Samsung noch gefeiert: Yu-mis kleiner Bruder sollte auf die Uni geschickt werden, wobei ihn auch Yu-mi finanziell unterstützen wollte. Es kam anders: Die junge Frau starb, der Vater begann seinen zähen juristischen Streit mit Samsung.

"Ich glaubte Samsung nicht, als sie mir sagten, Yu-mis Krankheit könnte nicht durch den täglichen Kontakt mit Chemikalien ausgelöst worden sein", erzählt Hwang. Vor allem, weil er bei seinen Nachforschungen immer wieder auf ehemalige Samsung-Mitarbeiter in den besten Jahren stieß, die ein ähnliches Schicksal wie seine Tochter erlitten hatten. Eine Kollegin seiner Tochter sei an der gleichen Krankheit gestorben, berichtet der britische "Guardian". Und eine weitere junge Frau habe einige Jahre nach ihrer Kündigung bei Samsung ebenfalls Krebs bekommen – Diagnose Hirntumor.

Hunderte klagen über Krankheit nach Job
Hwangs nun verfilmte Suche nach Gerechtigkeit ist nur ein Mosaikstein eines ernsten Problems in Südkorea. Junge Menschen, die in Elektronikfabriken gearbeitet haben, sterben im besten Alter. Rund 200 Menschen zwischen 20 und 30 Jahren haben sich in den vergangenen Jahren an einen eigens gegründeten Verein für die Gesundheit und Rechte von Arbeitern in der Halbleiterindustrie gewandt und schwere Vorwürfe gegen Samsung und andere IT-Konzerne erhoben. Mehr als 50 dieser Betroffenen sind bereits gestorben, heißt es in dem Bericht.

"Wenn man eine so hohe Zahl von Fällen hat, ist klar, dass die Fälle von Yu-mi und anderen Arbeitern keine Zufälle waren", sagt der auf Arbeiter in der Elektronikbranche spezialisierte Anwalt Lee Jong-ran. "Den Arbeitern wurde niemals gesagt, mit was für einer Art von Materialien sie da hantierten. Sogar als Anwälte Samsung nach Details fragten, hieß es, das sei ein Unternehmensgeheimnis", so der Anwalt. Recht bekam er trotzdem. Vor zwei Jahren bestätigte das Verwaltungsgericht in Seoul, dass Chemikalien im Samsung-Werk bei zwei Arbeitern – darunter Yu-mi – Krebs "verursacht oder zumindest gefördert" hätten.

Samsung weist Vorwürfe zurück
Samsung selbst widerspricht dieser Erkenntnis naturgemäß. "Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter zu gewährleisten, ist und war immer unsere oberste Priorität", heißt es vom IT-Konzern. Die eigenen Fabriken würden sich darüber hinaus an die weltweit strengsten Gesetze zum Schutz von Arbeitern und der Umwelt halten.

Ob und wann "Another Promise" außerhalb Südkoreas erscheint, ist noch unbekannt. Der Film über das Schicksal der Familie Hwang wurde zu einem großen Teil von privaten Investoren finanziert, entstand also im Grunde durch Crowdfunding. Rund 7.000 Menschen waren an der Finanzierung beteiligt.

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