Di, 21. November 2017

Erschreckende Zahlen

06.02.2014 08:51

Beschneidung: 8.000 Frauen in Österreich betroffen

Bis zu 8.000 Frauen, die Opfer von Genitalverstümmelungen geworden sind, leben einer Schätzung zufolge in Österreich. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen ist dabei laut einer 2013 erhobenen Studie des Europäischen Instituts für Geschlechtergerechtigkeit - kurz EIGE - afrikanischer und asiatischer Herkunft. Verlässliche Angaben zur Zahl der tatsächlich Betroffenen gibt es jedoch nicht, die Dunkelziffer könnte weitaus höher liegen.

Am Donnerstag wurde der Internationale Tag gegen die Beschneidung bei Frauen, auch FGM (Female Genital Mutilation) genannt, begangen, doch die Verstümmelung des weiblichen Intimbereichs ist vielerorts nach wie vor ein Tabuthema. Ohne medizinische Begründung müssen vorwiegend junge Mädchen im Alter von bis zu 15 Jahren das Martyrium der Beschneidung über sich ergehen lassen.

Verstümmelungen im Namen der Religion
Oftmals werde Genitalverstümmelung im Namen der Religion gerechtfertigt, auch wenn die religiöse Basis dazu zur Gänze fehle, heißt es in der Studie. Doch auch der Druck des sozialen Umfelds trägt stark dazu bei, dass Mädchen beschnitten werden. Kontrolle der weiblichen Sexualität, Ängste und Überzeugungen spielen bei FGM eine große Rolle.

Auch zählt dazu die Ansicht, dass der Eingriff sogar Vorteile für Frauen und Mädchen mit sich bringt. Dass dies jedoch nicht den Tatsachen entspricht, zeigen die körperlichen Auswirkungen der Verstümmelung. So führt FGM zu furchtbaren Schmerzen, massiven gesundheitlichen Folgen und im schlimmsten Fall auch zum Tod der Betroffenen.

FGM seit 2001 in Österreich per Gesetz verboten
In Österreich gibt es bereits eine Reihe von gesetzlichen Regelungen zur Bekämpfung von weiblicher Beschneidung: FGM oder die Zustimmung dazu ist in Österreich seit 2001 per Gesetz verboten. Auch ist diese Bestimmung extraterritorial anwendbar, um die im Ausland stattgefundene Beschneidung von Mädchen und Frauen strafrechtlich verfolgen zu können.

Für in Gesundheitsberufen Beschäftigte in Österreich ist laut EIGE eine Meldung an die Behörden gesetzlich vorgeschrieben, wenn der Verdacht auf Genitalverstümmelung besteht. Das Nicht-Melden zog allerdings bisher keine strafrechtlichen Folgen nach sich. Auch bei Asylanträgen wird eine potenzielle Bedrohung durch FGM berücksichtigt: Einer von der Österreichischen Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung ("stopFGM") zitierten EU-Studie zufolge wurde bereits rund 20 Frauen wegen der Gefahr, beschnitten zu werden, in Österreich Asyl gewährt. Zudem wurden auch die Anträge von mindestens vier Frauen, die bereits beschnitten sind, angenommen.

Mehr als 125 Millionen Frauen weltweit betroffen
Betrachtet man Europa insgesamt, so wird die Zahl der bereits beschnitten Frauen laut einer Mitteilung der EU-Kommission vom November 2013 auf rund 500.000 geschätzt. Betroffen sind vor allem Migrantinnen, die während eines Besuchs in ihren Heimatländern beschnitten wurden. Wer jedoch glaubt, Genitalverstümmelung werde nur in Drittländern praktiziert, der irrt: Auch in Europa und in EU-Mitgliedsstaaten wird FGM durchgeführt. Detaillierte diesbezügliche Informationen fehlen jedoch, da es in vielen Ländern keine Daten dazu gibt.

Die Zahl der Opfer schockiert dennoch. Erhebungen zufolge lebten allein im Jahr 2007 rund 65.800 beschnittene Frauen in Großbritannien, etwa 61.000 in Frankreich und rund 19.000 in Deutschland. Weltweit betroffen sind laut UNICEF mehr als 125 Millionen Frauen.

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