Fr, 20. Oktober 2017

"Wie ein Wunder"

27.01.2014 11:36

Bim-Fahrer nach Messerattacke außer Lebensgefahr

Nach der Messerattacke auf einen Wiener Straßenbahnfahrer (23) ist dieser nun definitiv außer Lebensgefahr. Die Ärzte sprechen von "unfassbarem Glück" und einem "Wunder", da die Stiche wichtige Blutgefäße nur um Haaresbreite verfehlten. Der 52-jährige Verdächtige verweigerte bisher jede Aussage und will sich zuerst mit einem Anwalt besprechen.

Zu der Bluttat war es am Sonntag gegen 11.30 Uhr am Franz-Jonas-Platz in Floridsdorf gekommen. Der 23-jährige Straßenbahnfahrer hatte an der Endstelle der Linie 31 seine Garnitur gestoppt. Zu Fuß wollte er zu den Diensträumlichkeiten der Verkehrsbetriebe gehen, um eine Pause anzutreten.

Wie er in einer ersten Einvernahme schilderte, ging der 52-Jährige nach etwa 25 Metern völlig grundlos von hinten auf ihn los. Den ersten Messerstich habe er im Schock gar nicht als solchen realisiert. Bei dem folgenden Gerangel versuchte der 23-Jährige, sich auf den Angreifer zu legen, um ihn so zu fixieren.

Psychische Erkrankung als Auslöser?
Als das fehlschlug und beide wieder auf die Beine kamen, flüchtete der mutmaßliche Täter, während sein Opfer an die Scheibe des Aufenthaltsraums klopfte, um seine Kollegen zu alarmieren. Zeugen folgten dem Angreifer und konnten ihn überwältigen. Der Verdächtige setzte sich dann vor einer Bankfiliale auf den Boden und ließ sich widerstandslos festnehmen.

Der mutmaßliche Täter soll wegen psychischer Probleme behandelt worden sein. Ein Gutachten soll nun erstellt werden. Vorstrafen habe der 52-Jährige keine, allerdings sei er polizeibekannt, weil gegen ihn ermittelt wurde - allerdings handelte es sich dabei um nichts "Dramatisches".

Zehnmal mit zweischneidiger Klinge zugestochen
Das Opfer wurde ins Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus eingeliefert und notoperiert. Dass der Mann überlebte und es ihm relativ gut gehe, sei "wie ein Wunder", zitierte Polizeisprecher Thomas Keiblinger die Aussagen der Ärzte. Die zehn Stiche mit dem zweischneidigen Messer ziehen sich vom Kopf über den Nacken- und Halsbereich bis zu Schulter und Oberarm. Arterien wurden von der rund zwölf Zentimeter langen Klinge oft nur um Millimeter verfehlt. Bei den Wiener Linien zeigte man sich am Montag sehr erleichtert, dass es dem 23-Jährigen besser geht.

Im ersten Halbjahr 2013 wurden 59 tätliche Angriffe auf Wiener-Linien-Mitarbeiter registriert, 37 davon richteten sich gegen Fahrer, 22 gegen Kontrolleure. Im entsprechenden Zeitraum 2012 waren es insgesamt 97 Angriffe gewesen. Diesen Rückgang führt man auf das durchgeführte Deeskalationstraining, abgeschlossene Fahrerkabinen in neueren Garnituren sowie den abschreckenden Effekt der Videoüberwachung zurück. Derart unvorhersehbare Attacken, wie jene am Sonntag, würden sich dadurch jedoch nicht verhindern lassen, hieß es.

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