Mo, 28. Mai 2018

Proteste in Ukraine

26.01.2014 08:35

Verhandlungen gescheitert, neue Ausschreitungen

Nach dem gescheiterten Kompromiss zwischen Staatsführung und Opposition ist es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zu neuen Ausschreitungen gekommen. Regierungsgegner haben in der Nacht zum Sonntag das Kongresszentrum in der Nähe des Unabhängigkeitsplatzes erstürmt. Im Gebäude verschanzte Sicherheitskräfte hätten Tränengas und Blendgranaten eingesetzt, berichteten Augenzeugen. Zuvor hatte die Opposition das Angebot von Präsident Viktor Janukowtisch abgelehnt.

Am Samstagabend hatte Staatspräsident Janukowitsch seinen Kritikern eine Beteiligung an der Regierung angeboten. Der Oppositionspolitiker und frühere Außenminister Arseni Jazenjuk sprach sich angesichts der desolaten Lage seines Landes für weitere Verhandlungen mit der Staatsführung aus. "Wir lehnen den Vorschlag von Janukowitsch nicht ab, aber wir nehmen ihn auch nicht an", sagte Jazenjuk in Kiew (Bild 2).

Jazenjuk betonte, für seine Vaterlandspartei stehe die Annäherung an die Europäische Union im Vordergrund. Außerdem müsse die inhaftierte frühere Regierungschefin Julia Timoschenko freigelassen werden. In den vergangenen Tagen hatten sich Janukowitsch und die Oppositionsführung mehrfach zu Krisengesprächen getroffen.

"Wir geben nicht nach"
In ersten Reaktionen der Regierungsgegner verkündete Boxchampion Vitali Klitschko, der Widerstand gehe bis zum Rücktritt Janukowitschs weiter. Auch Jazenjuk betonte, er glaube der Staatsführung kein Wort. "Wir geben nicht nach. Wir sind friedliche Menschen, die ihre Rechte und Forderungen verteidigen", sagte der frühere Boxweltmeister Klitschko am Samstagabend vor jubelnden Anhängern auf dem Unabhängigkeitsplatz. Die Ukraine müsse noch in diesem Jahr Präsidentenwahlen abhalten, forderte Klitschko.

Nach den schweren Ausschreitungen der vergangenen Tage hatte Janukowitsch der Opposition am Samstag führende Regierungsämter angeboten. Jazenjuk solle neuer Regierungschef und Klitschko dessen Stellvertreter werden, hieß es aus der Präsidialverwaltung. Zuvor war die Staatsführung um Janukowitsch mit Oppositionsführern zu einem weiteren Krisentreffen zusammengekommen.

Janukowitsch bot Gesetzesänderung an
Das Angebot an die Opposition sah auch eine Straffreiheit für Demonstranten vor, die bei den seit Wochen andauernden Protesten festgenommen worden waren. Im Gegenzug sollten alle blockierten Plätze und Gebäude im Zentrum von Kiew geräumt werden. Janukowitsch hatte zudem eine Verfassungsänderung mit gestärkten Rechten für das Parlament in Aussicht gestellt. Bisher hat der Präsident alle zentralen Machtbefugnisse in seiner Hand.

Zudem bot Janukowitsch eine Änderung der zuletzt verabschiedeten Gesetze zur Einschränkung der Demonstrations- und Pressefreiheit an. Dies ist eine zentrale Forderung der Opposition. Diese international scharf kritisierten neuen Gesetze waren Auslöser der gewalttätigen Proteste Mitte Jänner gewesen.

Vier Tote, Hunderte verletzt
Regierung und Opposition liefern sich seit zwei Monaten einen erbitterten Machtkampf, der die frühere Sowjetrepublik in eine tiefe Krise stürzte. Bei den jüngsten Ausschreitungen starben mindestens vier Menschen, Hunderte wurden verletzt. Die Europäische Union rief den Staatschef mehrfach mit Nachdruck zum Einlenken auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden