Sa, 16. Dezember 2017

Zoff um Zigaretten

23.01.2014 13:11

"Beispiellos": Nichtraucher-Schelte für Politik

"Eine höchstgerichtliche Entscheidung nicht zur Kenntnis zu nehmen, ist beispiellos in Österreich." Mit diesen Worten hat der Bundesleiter der Schutzgemeinschaft für Nichtraucher, Robert Rockenbauer, am Donnerstag Kritik am Verfassungsausschuss des Nationalrats geübt, der am Dienstag die "authentische Interpretation" des Tabakgesetzes beschlossen hatte.

Nach Ansicht des Verfassungsausschusses ist es für Nichtraucher "zumutbar", auf dem Weg zur Toilette oder zum Hauptraum eines Lokals den Raucherbereich zu durchqueren. Er widersprach damit einer Stellungnahme des Verwaltungsgerichtshofs.

Hintergrund ist der Umstand, dass Gastronomen nach der Einführung des Tabakgesetzes 2009 in Umbauten investiert haben, um Raucher- und Nichtraucherbereiche zu trennen. Um den Anforderungen des Verwaltungsgerichtshofs zu genügen, wären in zahlreichen Fällen weitere Veränderungen notwendig.

Rockenbauer: "Kein risikofreies Passivrauchen"
"Es gibt kein risikofreies Passivrauchen", erklärte Rockenbauer bei einer Pressekonferenz in Wien und nannte Folgeerkrankungen wie Tumore sowie Herz- und Lungenleiden. Umwelthygieniker Manfred Neunberger untermauerte die Argumentation mit Studienergebnissen, wonach in Ländern mit absolutem Rauchverbot in der Gastronomie die Herzinfarktrate gesunken ist - laut Rockenbauer um zehn bis 20 Prozent.

Die Zustimmung der Bevölkerung zu der rigorosen Maßnahme habe nach deren Einführung zugenommen, sagte Neunberger. Als positive Beispiele führte der Mediziner unter anderem Irland, Norwegen und Italien an. Er äußerte die Befürchtung, dass Österreich seinen Ruf als "Aschenbecher der EU" nicht so schnell loswerde. Bei heimischen Politikern ortet er nicht nur Gleichgültigkeit gegenüber Passivrauchern. Er vermutet auch Korruption und eine Manipulation der öffentlichen Meinung.

Von "Mutlosigkeit" der Politik sprach Otto Spranger von der österreichischen Lungenunion, nach dessen Angaben es in Österreich 500.000 bis 600.000 Asthmatiker gibt, die besonders unter Passivrauch zu leiden haben. "Auf der einen Seite gibt es das Jammern über steigende Gesundheitskosten. Gleichzeitig sind Rauch-assoziierte Erkrankungen im Steigen", sagte Spranger.

Arbeiterkammerpräsident "legt die Hände in den Schoß"
Reinhard Kürsten, HNO-Facharzt, kritisierte fehlendes Engagement der Arbeitnehmervertreter, namentlich Rudolf Kaske, Arbeiterkammerpräsident und einst in der Gastgewerbe-Gewerkschaft: "Er legt die Hände in den Schoß und lässt die Angestellten in der Gastronomie im Rauch stehen."

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