Fr, 25. Mai 2018

Alpen-Abenteuer

22.01.2014 15:44

"Belle & Sebastian": Navigator auf vier Pfoten

Quoten mit Pfoten: Dass die titelgebende, tierisch beliebte Fernsehserie aus den 60ern nun als bildgewaltiges Abenteuer in unsere Kinos kommt, ist wie ein verspätetes Weihnachtsgeschenk. Kinostart von "Belle & Sebastian": 24. Jänner.

Senkrechte Felsabstürze, dass einem der Atem stockt. Dazwischen sattgrüne Almen. Und Steinhäuser, in denen archaische Kargheit wohnt und die sich an die Flanken mächtiger Bergriesen ducken - der Unbill der Natur und der Geißel harter Kriegszeiten ausgesetzt. Deutsche Besatzer jagen jüdische Flüchtlinge, und couragierte Franzosen setzen als Fluchthelfer ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Wir schreiben das Jahr 1943. Die Bewohner des abgeschiedenen Dorfes in den französischen Alpen, nahe der Schweizer Grenze, sind in heller Aufregung. Schafe wurden gerissen. Ein großer Hund, den keiner noch so recht zu Gesicht bekam, soll hier wildern. Bald rotten sich die Männer zusammen, um Jagd auf die Bestie zu machen. Nur einer weiß es besser: Sebastian, ein achtjähriger Waisenjunge, der hier oben unter der Obhut eines knorrigen Alten und einer hübschen Bäckerin aufwächst...

Der Kleine mit dem wirren Haar und dem trotzigen Blick, der die Kraft jener widerspiegelt, die in schroffer Bergwelt leben, hat bei seinen einsamen Streifzügen über blühende Hochebenen und steile Geröllhalden längst die Bekanntschaft des ominösen Untiers gemacht, das sich in der Tat als riesiger, aber zutraulicher Hund entpuppt. Es ist dies eine Annäherung zwischen Scheu, Instinkt und gegenseitiger Neugier.

Eindrucksvolle Naturkulisse
"Belle & Sebastian", eine Ode an den Hund als treuesten Begleiter des Menschen, und das vor kolossal eindrucksvoller Naturkulisse, basiert auf den Büchern der "Belle & Sebastien"-Reihe, verfasst von Cecile Aubry (1928 - 2010), und deren Adaption fürs Fernsehen in den späten 60er-Jahren - ein Publikumshit, der erst in Frankreich lief, dann aber auch von der ARD, dem DDR-Fernsehen und der britischen BBC übernommen wurde.

Damals spielte Mehdi, der Sohn der Autorin und Schauspielerin Aubry, die einst an der Seite von Tyrone Power in "The Black Rose" brilliert hatte, den in freier Natur aufwachsenden Knaben. Grund genug für Regisseur Vanier ("Der letzte Trapper", "Der Junge und der Wolf"), der den Stoff nun zum mitreißenden Kinoerlebnis wandelte, dem einstigen Kinderstar und mittlerweile 57-Jährigen einen Part zu geben.

Im Mittelpunkt stehen jedoch erneut ein entzückender Bengel, diesmal gespielt von Felix Bossuet - er wurde aus 2.400 Buben auserwählt -, und ein weißer Pyrenäen-Berghund plus zwei weitere Herdenschutzhunde der gleichen Rasse, die als gelehrige Zweitbesetzung dienten und von vier Tiertrainern instruiert wurden.

Bewegendes Drama über innige Freundschaft
Ein erstes "Beschnuppern" zwischen dem zähen Knirps und dem rund 60 Kilo schweren Tier beginnt mit den ehrlich-kindlichen Worten "Tu pues - du stinkst!" Erst nach einem Bad in einer mit klarem Gebirgswasser gefüllten Mulde wird aus dem schiefergrauen Zotteltier eine blütenweiße Schönheit, die den Namen "Belle" zu Recht trägt. Dass die Leinwandadaption auf mehreren Ebenen funktioniert, ist das eigentliche Atout dieses großartigen Streifens: Sie ist anspruchsvoller Kinderfilm, zutiefst bewegendes Drama über eine innige Freundschaft zwischen Mensch und Tier - und auch Antikriegsfilm, der aber nicht in die üblichen Nazi-Klischees im Kino verfällt, sondern gerade einem jungen Publikum die Schrecken dieser Zeit behutsam und doch packend nahebringt...

In einer klirrend kalten Christnacht wird die Hündin "Belle" zum rettenden Navigator auf vier Pfoten - durch Schnee und Eis, über gähnende Gletscherspalten hinweg, die tückisch im Mondlicht glänzen... Seit "Lassie" haben wir nicht mehr so gezittert um einen klugen Hund und seinen herzigen Gefährten!

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