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24.01.2014 14:05

Echter Bayer: Regisseur Joseph Vilsmaier ist 75

Die Geschichte - für Regisseur Joseph Vilsmaier ein schier unerschöpflicher Hort für Filmideen. Zahlreiche historische Stoffe hat der Münchner schon inszeniert: "Stalingrad", "Comedian Harmonists", "Die Gustloff" oder "Nanga Parbat". Doch seine größte Leidenschaft gilt seiner Heimat. Am Freitag wurde der energische, humorvolle und manchmal auch grantelnde "Bayer mit Leib und Seele" 75 Jahre alt.

Mit Hingabe, aber dennoch auch mit leicht ironischer Distanz zeichnet Vilsmaier sein Bild von Bayern. "Du brauchst nicht nach Spanien, in die Türkei oder nach Italien, das ist alles viel schöner in Bayern", sagte er einmal der Nachrichtenagentur dpa. "Die Menschen sind wortkarg und haben das Herz am rechten Fleck, sie sind manchmal grantig, manchmal nett, die haben alles drauf", begründete Vilsmaier, den alle in der Branche liebevoll "Sepp" nennen, einmal seine Heimatliebe, die in zahlreichen Filmen seinen Ausdruck fand. So etwa in der Dokumentation "Bavaria - eine Traumreise" - einem musikalisch untermalten Helikopterflug über den Freistaat.

Zum Beruf des Regisseurs kam Vilsmaier über Umwege. Nach seiner Kindheit und Jugend in Niederbayern und München studierte er neun Jahre lang Musik, Schwerpunkt Klavier. Er arbeitete als Techniker und musizierte in einer Jazzband. Mit Anfang 20 kam er 1961 zum Film, erst als Materialassistent, später als Kameramann.

Erst mit 50 in den Regiesessel
Erst mit fast 50 Jahren probierte er sich aus als Regisseur: 1988 inszenierte er "Herbstmilch", einen eindrucksvollen Kinofilm über das harte Leben der niederbayerischen Bäuerin Anna Wimschneider. Mit der Literaturverfilmung "Schlafes Bruder" sorgte er international für Aufsehen und ging 1995 sogar ins Rennen um den Oscar. Nicht minder erfolgreich und mit vielen Preisen überhäuft war auch der Streifen "Comedian Harmonists" über das weltberühmte Vokalensemble aus Berlin. Inzwischen hat er seine eigene Filmproduktion in Grünwald - die Perathon Medien GmbH.

Mit "Nanga Parbat" von 2009, ein Film über die dramatische Himalayaexpedition der Brüder Reinhold und Günther Messner, hatte Vilsmaier weniger Glück. Vor wenigen Tagen verurteilte ihn das Oberlandesgericht München, mehr als 150.000 Euro an einen ehemaligen Produzenten zu zahlen. Die beiden hatten um die Finanzierung des Films gestritten.

Tod der Frau traf ihn schwer
Während er an "Nanga Parbat" arbeitete, traf Vilsmaier allerdings ein Schicksalsschlag, der weitaus härter war: Anfang Februar 2009, wenige Tage nach seinem 70. Geburtstag, starb seine Frau Dana Vavrova nach schwerer Krankheit. Bis heute macht ihm der Abschied von ihr zu schaffen. So erklärte er 2012 in einem Interview, er gehe nicht mehr auf Beerdigungen und schreibe stattdessen einen Brief. "Ich leide zu sehr auf dem Friedhof. Das tue ich mir nicht mehr an", sagte er im Sommer 2012 der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Mit seiner Ehefrau war der Filmemacher nicht nur privat, sondern auch beruflich eng verbunden, hatte sie doch nach Vilsmaiers Regiedebüt "Herbstmilch" in vielen seiner Werke mitgespielt.

Doch das Leben geht weiter, nicht zuletzt dank der drei erwachsenen Töchter Theresa, Janina und Josefina - wie ihre Eltern auch im Filmgeschäft aktiv. So spielte Josefina zuletzt unter Regie ihres Vaters in dem im Herbst ausgestrahlten ARD-Heimatfilm "Der Meineidbauer". Vilsmaier als Hahn im Korb, der das Sagen hat? Am Filmset ja, verriet seine Tochter Josefina bei der Vorstellung des Films im vergangenen September dem "Focus": "Zu Hause nicht immer."

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