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20.01.2014 09:23

Provokateur und Neo-Politiker: Kim Dotcom wird 40

Bescheiden war Kim Dotcom nie. Schon vor zehn Jahren wollte der deutsche Internetunternehmer zu den zehn reichsten Männern der Welt gehören, mit dem Online-Speicherdienst MegaUpload wurde er zumindest zu einem der bekanntesten Internet-Millionäre. Am Dienstag feiert er seinen 40. Geburtstag.

Kim Dotcom bewohnt eine Art moderne Neverland-Ranch. In seiner "Dotcom Mansion" nahe der neuseeländischen Metropole Auckland hat er sein privates Tonstudio, einen Videospielraum und eine lebensgroße Plastik-Giraffe.

Manchmal fährt der schwergewichtige Unternehmer mit einem elektrischen Golfauto oder einem überdimensionierten Segway die grünen Hügel des Anwesens ab. "Ich bin einfach ein Typ, der es liebt, neue Dinge auszuprobieren", sagt er über sich selbst.

Jänner 2012: Razzia in der Dotcom-Villa
Im Jänner 2012 stürmten Spezialeinheiten seine Villa. US-Behörden werfen ihm sowie drei seiner Vertrauten Beihilfe zu Urheberrechtsverletzungen in großem Stil vor und drängen auf seine Auslieferung. Auf der von ihm gegründeten Datenplattform MegaUpload sei geschütztes Material verbreitet worden, ohne dass Copyright-Gebühren bezahlt worden seien.

Der Schaden für die Urheber liege bei 500 Millionen Dollar. Dotcom bestreitet, für die Urheberrechtsverletzungen auf seiner Plattform verantwortlich zu sein. Ein großer Teil seines Millionen-Vermögens ist eingefroren, Neuseeland darf er derzeit nicht verlassen, seinen 40. Geburtstag wird er in seiner Wahlheimat verbringen. In den USA droht Dotcom jahrelange Haft.

Erste Hacker-Gehversuche in Deutschland
Angefangen hat alles in Kiel. Hier erlebte Kim - damals war sein Nachname noch Schmitz - eine harte Kindheit, wie er in seiner Biografie berichtet. "Mein Vater ist Alkoholiker und er hat mich und meine Mutter manchmal krankenhausreif geschlagen", wird Dotcom in dem Buch zitiert. Als er sechs Jahre alt war, zog er mit seiner finnischen Mutter aus. Kim besuchte die Hauptschule, interessierte sich aber vor allem für Computer.

Mit seinen Hacker-Erfolgen wurde er in der Szene bekannt. Der Jungunternehmer gründete verschiedene Computerfirmen und hinterließ - wie in vielen anderen Fällen in dieser Zeit - einige unglückliche Investoren. Wegen seiner Geschäfte geriet er ins Visier deutscher Fahnder. Die folgende Berichterstattung kränkte ihn. Er sei fertig mit Deutschland, sagte er damals öffentlich.

MegaUpload-Gründung in Neuseeland
Schließlich zog Dotcom ein neues Projekt in Hongkong und Neuseeland hoch. Das Flaggschiff war MegaUpload. Nutzer konnten dort Daten, unter anderem Musik und Filme, für andere zum Download zur Verfügung stellen. Auch von der inzwischen geschlossenen Streaming-Plattform kino.to aus wurde nach Erkenntnissen der Ermittler häufig zu Dotcoms Servern verlinkt.

Während der Internet-Millionär in Neuseeland zum Teil als Star hofiert wird, hat er in der deutschen Internet-Szene einen schlechteren Ruf. Der Netzaktivist Stephan Urbach kennt ihn noch aus der Anfangszeit der Datenkommunikation. "Kim präsentiert sich heute als Freiheitskämpfer, aber ihm ging es immer nur um die Kohle", sagt Urbach.

Exzentrisches Lotterleben mit Luxusautos
Bei MegaUpload verdiente Dotcom Geld mit Werbung und dem Verkauf von Premium-Paketen für schnellere Downloads. US-Ermittlern zufolge hatte er 2010 ein Einkommen von 48 Millionen Dollar.

Mit dem Geld finanzierte er sich sein Leben als exzentrisches Spielkind. Er sammelte Luxusautos, eine Zeit lang führte er die Weltrangliste in dem Ego-Shooter "Call of Duty" an. Er benannte sich von Schmitz in Dotcom um. Der Name stehe tatsächlich so in seinem Pass, sagt sein Sprecher.

Inzwischen seien die wilden Zeiten aber vorbei. "Meine Prioritäten haben sich geändert", sagte er kürzlich einem Reporter des Szene-Magazins "Vice". Autorennen, Luxusyachten, Privatjets - das bedeute ihm heute nicht mehr viel. "Alles, worauf ich mich freue, ist, meine Kinder zu sehen, mit ihnen zu spielen, Spaß mit ihnen zu haben."

Jetzt will Dotcom in die Politik
Nebenbei hat er sein erstes Musikalbum aufgenommen, einen Vorgeschmack zu seinem Ende des Jahres startenden Musikdienst "Baboom" ins Netz gestellt und gründet derzeit die "Internet Party", die bei der neuseeländischen Parlamentswahl im November antreten soll (siehe Infobox). Selbst wählen lassen kann er sich zwar nicht, aber zur Gründung wollte er es mal wieder richtig krachen lassen. Da traf es sich gut, dass Dotcom am Dienstag auch noch 40 Jahre alt wird.

25.000 Menschen hatten sich bereits für seine "Party Party" angemeldet, doch die Wahlbehörde machte ihm einen Strich durch die Rechnung. In Neuseeland ist es illegal, Essen, Getränke oder Unterhaltung anzubieten, um Wählerstimmen zu gewinnen. Deshalb blies der Neu-Politiker die Feier ab.

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