Mo, 28. Mai 2018

Jump'n'Run-Remake

03.01.2014 10:32

Früher war doch nicht alles besser: "Putty Squad"

In einer weit, weit entfernten Galaxie geht es, wie könnte es auch anders sein, wieder einmal mächtig rund. Ein böser Zauberer namens Scatterflash bringt Unheil und Verderben über das Volk der Puttys. Einige Puttys fristen hernach in Gefangenschaft ein schreckliches Dasein. Eine Rettungsmission muss also schleunigst her!

So beginnt "Putty Squad", das Remake des gleichnamigen Spiels aus dem Jahr 1994, welches der britische Publisher System 3 anlässlich des 20-jährigen Jubiläums auf die geneigte Kundschaft loslässt und dabei selbst vor einer NextGen-Version für Sonys PS4 nicht scheut.

"Mail Online" bejubelt "Putty Squad" gar als "Blast from the past" und bescheinigt dem herzig aufgemachten Retro-Spiel Suchtpotential. Doch ob die scheinbar simple Erfolgsformel "Was früher gut war, muss es jetzt auch wieder sein" tatsächlich zutrifft? Bei "Putty Squad" wirft sie jedenfalls mehr Fragen auf, als beantwortet werden.

Napalm-Katzen, Frosch-Götter und Karotten-Pistoleros
Konventionell, dieser Begriff scheint "Putty Squad" jedenfalls fremd zu sein. Dass es in der Fantasiewelt eine UN gibt, ist noch die einzige reale Gegebenheiten. Ansonsten wurde scheinbar jede noch so wilde Idee in dieses Spiel verpflanzt. Das beginnt schon bei der Einleitung, die sich auszugsweise wie folgt liest: "Napalm the Cat und sein G.I. Hündchen wurden ausgesandt [Anmerkung: um die Puttys zu befreien], doch Napalm bekam an der Front Wahnvorstellungen und ernannte sich selbst zum Gott der dort lebenden Frösche."

Selbstredend, dass im Spiel dann rabiate Geschütz-Bieber, Karotten-Pistoleros mit Sonnenbrillen oder schlechte gelaunte, Gemüse werfende Yogis als Gegner herhalten. Ebenso schräg präsentieren sich die Levelumgebungen: Wüstenareale, Chemielabore, Wälder und noch vieles mehr dienen als zusammenhangslose Klammer.

Auf der Suche nach den verlorenen Puttys
Putty, der blaue Gummiheld, landet in diesen psychedelischen Welten, um seine Kameraden zu befreien. In jedem Level sind mehrere davon verteilt und harren ihres hüpfenden, mampfenden, sich ausdehnenden und fliegenden Retters. Dank seiner Fähigkeiten kann er die verschiedenen Plattformen erklimmen.

Den Gegnern setzt er vielfältigste Waffen entgegen. So entschwebt er mit einem kleinen gelben Raumschiff, wirft Bomben oder verteilt Elektroschocks. Wenn gar nichts mehr hilft, muss sein sehr menschlich wirkender Onkel eine Jam-Session abhalten, die alle Gegner in heillose Verwirrung stürzt.

Als Hilfestellung, an welchen Stellen sich die zu rettenden Puttys befinden, darf noch eine Karte eingeblendet werden. Sobald alle eingesammelt wurden, muss nur mehr der dann erscheinende Levelausgang erreicht werden.

Jump'n'Run alter Prägung
"Putty Squad" ist also im Prinzip ein Jump'n'Run alter Prägung. An sich wäre das ja nichts Schlechtes, auch die scheinbar wirre, kunterbunte Aufmachung nicht. Im Gegenteil: Zu sehen, auf welch verrückte Ideen die Entwickler gekommen sind, wirkt anfangs sogar motivierend. Doch leider nimmt diese Motivation schneller ab, als es dem hüpfenden Putty lieb sein kann.

Dazu trägt weniger die auf Dauer nervige Musik bei, die in ihrer Machart an die Ende der 80er gängige Spieluntermalung erinnert, als vielmehr der Umstand, dass bei den Fähigkeiten des Helden maßlos übertrieben wurde: Warum sollte man mühevoll von Plattform zu Plattform hüpfen, wenn sich durch das Aufblasen von Putty fast jede Stelle ebenso, und zwar mühelos, erreichen lässt?

Die Grafik kann ebenfalls nicht glänzen, muss doch ein Spiel von Anfang der 90er-Jahre als Grundlage für das Remake herhalten. Dass an manchen Stellen ruckelnde Scrolling kann ja wohl nur an der PS4 liegen, die es aufgrund ihrer Unterforderung immer wieder beutelt.

Den als Teleporter dienenden grünen Käse – was auch sonst? - würde man sich spätestens dann sehnlichst als Notausgang aus diesem endlosen Fiebertraum wünschen. Auch wenn sich der arme Putty diese Fahnenflucht so nicht verdient hat.

Fazit: "Putty Squad" mag bei seinem ersten Erscheinen ein gutes Spiel gewesen sein. Seine Fähigkeiten zu unterhalten lässt es auch im Jahr 2013 hie und da aufblitzen. Doch was früher einmal funktioniert hat, geht fast ohne Änderungen nicht mehr auf. Zumal die Umsetzung nicht einmal technisch optimal ist. Als Spiel für zwischendurch oder als Erinnerung an die gute (?) alte Zeit der Videospiele darf der gute Putty seinen Nischenplatz aber getrost einnehmen.

Plattform: PS4 (getestet), PS3, PS Vita, Xbox 360, PC, 3DS
Publisher: System 3/Koch Media
krone.at-Wertung: 6/10

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