Do, 23. November 2017

Studie zum Druck

03.01.2014 09:01

Wie belastet sind Blindenführhunde beim Führen?

Eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt erstmals, welchen Kräften Blindenführhunde ausgesetzt sind, die über den Griff des sogenannten Führgeschirrs Kontakt zu ihrem blinden Menschen halten. Über das Führgeschirr ist der Hund enormen Zugkräften ausgesetzt. Physiotherapeuten und Bewegungsanalytiker der Vetmeduni Vienna untersuchten verschiedene Führgeschirre und zeigen auf, welches am verträglichsten für Hund und Halter ist.

Blindenführhunde leihen blinden Menschen ihre Augen. So können sich Blinde auch in Umgebungen zurechtfinden, die sie nicht kennen. Das sogenannte Führgeschirr ermöglicht die Kommunikation und verbindet Mensch und Hund miteinander. Sitzt das Führgeschirr nicht richtig, leiden sowohl die Gesundheit des Hundes als auch die Kommunikation. Bei vier Jahren Ausbildung des Hundes und Kosten bis zu 32.000 Euro für einen Blindenführhund lohnt es sich, bei der Wahl des Führgeschirrs genauer hinzusehen.

Hundebrustkorb am stärksten belastet
Die Forscher interessierten sich deshalb für die Druckverteilung am Tier und fanden heraus, dass die rechte Unterseite des Hundebrustkorbs besonders belastet ist. "Blindenführhunde gehen ständig unter Zug und meist rechts vor dem blinden Menschen", erklärt Tierphysiotherapeutin Barbara Bockstahler. Drucksensoren unter dem Führgeschirr lieferten Informationen zu den Belastungsschwerpunkten der Vierbeiner.

Die Analysen zeigten, dass ein Blindenführhund bei der Arbeit einer Zugkraft von zehn Prozent seines eigenen Körpergewichts ausgesetzt ist. Am Rücken zeigten sich die geringsten Belastungen. "Viel Bewegung ohne Führgeschirr ist für die Hunde wichtig. So können einseitige Belastungen ausgeglichen werden", meint Bockstahler.

Flexible Führgeschirre belasten am wenigsten
Zu starre Geschirre belasten die Hunde, verbessern jedoch die Kommunikation zwischen Halter und Hund. Hier gilt es, einen guten Mittelweg zu finden. Je steifer der Führbügel am Brustgeschirr verankert ist, desto höher ist die Druckwirkung auf den Brustkorb des Hundes. Am besten schnitt das Führgeschirr mit Klettverschlussverbindung ab. Bei dieser Variante ist die Druckbelastung beim Hund am geringsten.

Für Langhaarhunde bietet sich ein Geschirr mit Plastikklippverschluss an. Steife Metallverbindungen sind für die Tiere am belastendsten. Für Erstautor Christian Peham ist die Wahl des Führgeschirrs, aber auch die Wahl des passenden Hundes essenziell. Er plädiert: "Blindenführhund und Halter sollten gut zusammenpassen. Nicht nur charakterlich, sondern auch in ihrer Körpergröße und Ergonomie. Flexible und verstellbare Führgeschirre, beispielsweise mit größenverstellbaren Teleskopbügeln, wären ideal."

Bewegungsablauf grafisch dargestellt
Das Forscherteam untersuchte acht Blindenführhunde. Die Tiere wurden mit einem Trainer beim Stufensteigen, beim Ausweichen vor Hindernissen, Links- und Rechtskurven und beim Geradeausgehen gefilmt. Um die Bewegungsabläufe an drei unterschiedlichen Führgeschirren auch grafisch darzustellen, trugen Tiere, Trainer und Geschirr reflektierende Marker. Zehn im Raum platzierte Kameras filmten die Bewegung der Marker und sammelten so die Bewegungsdaten. So stellten die Forscher fest, dass ein Geschirr die Wirbelsäulenbewegung wie auch die Bewegung der Vorderextremitäten einschränkte.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).