Bei Rädertierchen

02.01.2014 10:18

Sex kostet Energie und verhindert Überpopulation

Sex ist für Pflanzen und Tiere kostspielig. Sie müssen männliche Nachkommen produzieren, die oft nicht mehr tun, als die Weibchen zu befruchten. Auch die Partnersuche und die Paarung fordern Energie. Doch langfristig bringt die sexuelle Fortpflanzung gegenüber der Jungfernzeugung Vorteile, wie Innsbrucker Forscher herausfanden.

In dem vom Wissenschaftsfond geförderten Projekt wurden Rädertierchen (Brachionus calyciflorus) untersucht. Das sind millimeterkleine Vielzeller (Bild), die in Österreich weitverbreitet sind und in beinahe jedem Tümpel vorkommen. Die Weibchen dieser Tierchen können sich bei niedrigen Populationsdichten ungeschlechtlich vermehren - erst wenn es im Tümpel eng wird, produzieren sie auch Männchen, um sich geschlechtlich fortzupflanzen, erklärt Claus-Peter Stelzer vom Forschungsinstitut für Limnologie der Universität Innsbruck.

Allerdings gäbe es auch immer wieder Rädertierchen, die ihre sexuellen Fähigkeiten verloren haben und sich nur mehr mittels Jungfernzeugung vermehren können, so der Forscher. "Dies wird durch eine Veränderung an einem einzelnen Genort bewirkt", erklärte Stelzer. Die Forscher tauften dieses Gen "OP" (obligate Parthenogenese). Um sich geschlechtlich fortpflanzen zu können, brauchen die Tierchen mindestens eine "gesunde" OP-Variante.

OP-Mutanten können manchmal innerhalb von wenigen Tagen ganze Populationen ihrer sexuellen Verwandten verdrängen, so die Forscher. Dies hätten Laborexperimente und mathematische Modelle gezeigt. "Die Kosten für die sexuelle Reproduktion scheinen bei Brachionus-Rädertierchen demnach sehr hoch zu sein", folgerten sie.

"OP-Mutanten" werden schnell mehr, aber schwächer
Doch die ungehemmte Vermehrung dieser Mutanten führte oft dazu, dass extrem große Populationen entstanden, die ihre Ressourcen überstrapazierten. Über einen längeren Zeitraum waren jene Rädertierchen-Gesellschaften stabiler, die sich auch geschlechtlich fortpflanzen konnten, und sie brachen bei einer "Überweidung" der Nahrungsquellen weniger stark zusammen als die sich strikt ungeschlechtlich vermehrenden Populationen, so die Forscher.

Zu allem Übel verlieren die OP-Mutanten auch die Fähigkeit "Dauereier" zu bilden, die im Boden der Gewässer mitunter zig Jahre überstehen. Sie können also nach einem Zusammenbruch der Population nicht auf bessere Zeiten warten und dann wie Phönix aus der Asche wiederauferstehen. "Die Ergebnisse bestätigen, dass asexuelle Reproduktion zwar durchaus kurzfristige Vorteile bieten kann, jedoch langfristig in eine Sackgasse führt."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden