So, 17. Dezember 2017

Klimamodelle zeigen:

31.12.2013 09:29

Gletscherschwund erhöht Risiko für Naturgefahren

Das zunehmende Schwinden der Gletscher wird im 21. Jahrhundert weltweit zu massiven Veränderungen führen und das Risiko von Naturgefahren, wie Erdrutschen und Überschwemmungen, erhöhen. Zu diesem Ergebnis ist ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung gekommen, das die Gletscherentwicklung im Tian-Shan-Hochgebirge in Kirgisien bis zum Jahr 2050 modelliert hat.

Das Problem dabei war, dass in Kirgisien nur sehr eingeschränkt Zeitreihen von Niederschlags- und Lufttemperaturdaten zur Verfügung stehen. Auf Basis von globalen Analysedaten aus den Jahren 1948 bis 2012 und globalen Modelldaten (2001-2050) wurden statistische Methoden angewendet, um lokale Klimainformationen an ausgewählten meteorologischen Stationen zu berechnen.

Georisiken werden zunehmen
Mit den so gewonnenen Klimadaten wurde ein glazial-hydrologisches Modell erstellt. "Mit dieser Datenbasis gelang es uns, die zukünftige Gletscherentwicklung anhand mehrerer Szenarien bis zum Jahr 2050 zu modellieren", erklärt Hermann Häusler vom Department für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien und Leiter des zweijährigen Forschungsprojekts. Mit den Erkenntnissen ließ sich das zukünftige Gletscherverhalten und die damit verbundenen Prozesse und Risiken beurteilen.

Durch das zunehmende Schwinden der Gletscher im 21. Jahrhundert wird nach und nach Fläche eisfrei, was zu erheblichen Umgestaltungen des Gletschervorfeldes führen wird. In übertieften Gletschersenken werden sich neue Gebirgsseen bilden, was das potentielle Risiko von Naturgefahren (Georisiken) erheblich erhöhen wird. Eisabschmelzung werden Bergflanken, aber auch Hangfußlagen destabilisieren. Wenn riesige Geröll- und Gesteinsmassen in die nach dem Abschmelzen gebildeten Seen stürzen, können Flutwellen ausgelöst werden, die im darunterliegenden Tal zu enormen Zerstörungen führen können, so die Forscher.

Galoppierende Gletscher ein Rätsel
In Zentralasien überwiegt generell ein Abschmelzen der Gletscher, eine Ausnahme bildet aber das zentrale Tian-Shan-Gebirge in Kirgisien. Dort stoßen seit Jahrzehnten Gletscher immer wieder kilometerweit vor. Warum das so ist, bleibt nach wie vor ein ungelöstes Rätsel. Im bis 7.000 Meter hoch gelegenen Projektgebiet im Grenzbereich Kirgisien - China - Kasachstan sind mehrfach "glacial surges", also ganz rasche Gletschervorstöße aufgetreten, die in der Literatur auch als "galoppierende Gletscher" beschrieben werden. Der jüngste "surge" erfolgte 1996 im nördlichen Inylchek-Tal.

Zeitreihenanalysen von Stereo-Luftbildern seit den 1940er-Jahren und Satellitenbilder bis zur Millenniumswende belegen zuerst ein Abschmelzen des nördlichen Inylchek-Gletschers, wodurch sich ein Gletschersee bis zu einer Länge von vier Kilometern ausbildete. Im Spätherbst des Jahres 1996 kam es zu einem über drei Kilometer weiten Vorstoß des Gletschers mit Geschwindigkeiten von bis zu 40 Metern pro Tag. Das vom Gletscher verdrängte Wasser hat schließlich einen tiefer gelegenen Talbereich überflutet.

"Es wäre interessant, die Ursachen derartiger rascher Gletschervorstöße weiter zu untersuchen, da sie in Zeiten der globalen Klimaerwärmung einen regional gegenläufigen Trend des Gletscherverhaltens anzeigen und die damit verbundenen Gletscherseeausbrüche ein erhöhtes Gefährdungspotential darstellen", erklärt Hermann Häusler.

Frühwarnsystem in Kirgisien eingerichtet
Die europäischen Wissenschafter sind in ständigem Informationsaustausch mit ihren KollegInnen vor Ort. Dort wird ein Frühwarnsystem eingerichtet, und es werden Folgestudien gemäß den Anforderungen des kirgisischen Katastrophenschutzministeriums implementiert.

Das Bild zeigt den Ala-Artscha-Nationalpark, der im Kirgisischen Alatau, einem Teil des Tian-Shan-Gebirges, rund 40 Kilometer südlich der kirigisischen Hauptstadt Bischkek liegt. Dort bilden sich in abschmelzenden Gletschern zahlreiche Seen.

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