Mo, 20. November 2017

Nischenprodukt

04.01.2014 09:00

„Music Video Recorder“: HD-Clips mit Studiosound

Kaum hatte das Paket von Sony mit der vielsagenden Bezeichnung "Music Video Recorder" den Weg in die krone.at-Redaktion gefunden, landete es wenig später auf meinem Tisch. "Das hat man nun davon", dachte ich, "wenn man Kollegen von den Versuchen erzählt, seine musikalischen Ergüsse mittels Webcam, Smartphone und Co. aufzuzeichnen". Eines gleich vorweg: Der Audio-/Video-Hybrid ist zwar ein Nischenprodukt, füllte diese Lücke im Praxistest aber beinahe perfekt aus.

In dem Gerät mit der Bezeichnung HDR-MV1 stecken 165 Gramm erlesene Technik. An der Vorderseite befindet sich ein X-Y-Stereomikrofonsystem mit 120 Grad Neigungswinkel, das den umgebenden Klangraum bestmöglich einfangen soll. Knapp darüber prangt ein Carl-Zeiss-Weitwinkelobjektiv mit integriertem Exmor-R-CMOS-Sensor, der tatsächlich auch bei schwachen Lichtverhältnissen ab neun Lux überzeugende Full-HD-Aufnahmen (im Format MP4 mit 30 fps) ermöglicht. Als drittes Hauptelement wurde gegenüber der Akkuabdeckung ein 2,7 Zoll großes LCD-Display im 16:9 Format verbaut, das sowohl als Sucher als auch als Menü-Screen dient und mittels Steuerkreuz bedient wird. Positives Detail: Das Gerät "schluckt" auch MicroSD-Speichermedien abseits von Sonys "Memory Stick"-Hausmarke.

Schnell ist ein kleines Stativ aufgestellt, der Hocker zurechtgerückt, die Gitarre ausgepackt - und los geht's. Die Einstellung des korrekten Bildausschnitts fällt nicht ganz leicht, da dem Gerät kein schwenkbares Display spendiert wurde. Es klappt dann aber doch schneller als erwartet, da das Weitwinkelobjektiv mit fixem Fokus ein Sichtfeld von 120 Grad abdeckt und so auch noch aus geringer Distanz umfassende Übersicht bietet.

Smartphone und Co. als externer Sucher
Für noch mehr Bedienfreundlichkeit auch aus größerer Entfernung sorgt Sonys kostenlose Fernbedienungssoftware "PlayMemories Mobile", die auf allen iOS- und Android-Geräten läuft. Das Smartphone oder Tablet lässt sich sodann mit der Kamera koppeln, das Handydisplay wird zum portablen Sucher. Zudem können Fotoaufnahmen ausgelöst sowie die Videoaufnahme gestartet bzw. gestoppt werden. Im Praxistest lief das System höchst ruckelfrei und mit minimaler Latenz bis zu einer Distanz von etwa 15 bis 20 Metern. Zudem unterstützt das Gerät die NFC-Technologie zur bequemen One-Touch-Datenübertragung.

In der Folge konfrontierte ich den "Music Video Recorder" mit möglichst unterschiedlichen Aufnahmesituationen. Mal aus der Distanz, mal aus der Nähe, montiert am Gitarrenhals und in Bewegung, unplugged mit Akustikgitarre oder mit anständiger Lautstärke mittels Marshall-Amp und verzerrter E-Gitarre, dazu kam fallweise Gesang. Ebenso stellte ich die Tonaufzeichnung ohne Bild, die ebenfalls möglich ist, auf die Probe. Das Ergebnis überzeugte durchwegs. Mittels automatischer oder manueller Pegelkorrektur konnte einem Übersteuern auch bei massiver Schalleinwirkung wirkungsvoll entgegengesteuert werden.

Tiefpass-Filter gegen Umgebungsrauschen
Neben dem hochauflösenden Bild - wahlweise in 1080p oder 720p - ist insbesondere die Tonaufzeichnung kristallklar und vermittelt ein räumliches Klangbild, das sich bei Umgebungsgeräuschen durch die Aktivierung eines eingebauten Tiefpass-Filters noch weiter verbessern lässt. Zur raschen Überprüfung der Audio-Aufnahme, die wahlweise im AAC- oder unkomprimierten WAV-Format möglich ist, empfiehlt sich allerdings, stets einen Kopfhörer bei der Hand zu haben. Der eingebaute Lautsprecher ist dafür erwartungsgemäß ungeeignet. Im Idealfall lassen sich aber schnell und unkompliziert Musikvideos erstellen, die auch ohne weitere Bearbeitung etwa auf YouTube veröffentlicht werden können.

Einziges Manko, das trotz Eingewöhnungsphase auch nach mehreren Tagen noch Kopfschütteln verursacht, ist die umständliche Menüführung. So steht etwa im Wiedergabemodus keine Löschen-Funktion zur Verfügung, sie findet sich im separaten Bearbeiten-Modus. Gerade am Anfang ist die Navigation per Steuerkreuz verwirrend und hakt immer wieder.

Fazit: Der Name "Music Video Recorder" ist Programm. Sowohl Bildaufzeichnung als auch Tonqualität überzeugen bei Sonys HDR-MV1 auf ganzer Linie. Gerade jene Nutzer, die eine qualitativ hochwertige Möglichkeit suchen, um rasch und unkompliziert Video- und Tonaufnahmen zu gestalten - sei es auf Konzerten oder im Selfie-Style -, werden nicht mehr darauf verzichten wollen. Trotzdem: Angesichts nerviger Mängel in der Menüführung ist der Preis von 300 Euro wohl nur durch die ausgezeichnete Optik und akustische Vielseitigkeit des Geräts zu rechtfertigen.

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