Mo, 21. Mai 2018

"Würzig-nussig"

30.12.2013 10:23

Franzose züchtet Grillen, Würmer - als Delikatesse

Jeans, weißes Hemd, Sakko mit Einstecktuch: Ein charmanter 31-Jähriger mit verschmitztem Lächeln empfängt Besucher in seinem Reich nahe der südfranzösischen Stadt Toulouse. In einer unscheinbaren Halle züchtet er mit einem kleinen Team Grillen und Mehlwürmer - allerdings nicht als Angelköder oder Haustierfutter.

Jungunternehmer Cedric Auriol (Bild) produziert ausschließlich für den menschliches Verzehr - nach eigenen Angaben als erster in Europa. "Ich bin überzeugt, das wird ein Teil der Ernährung der Zukunft sein", sagt er und verweist auf gute Nährstoffwerte und klimafreundliche Produktion. Die Ekelgefühle vieler Europäer? "Vollkommen unbegründet." Ein bisschen nussig, ein bisschen würzig, so schmecken die getrockneten Tierchen. Neben "Insekten pur" hat Auriol Pralinen und Kekse mit Insekten im Angebot.

Antwort auf den Welthunger?
Auf die Idee gekommen ist der Franzose durch die Welternährungsorganisation FAO, wonach ohnehin rund zwei Milliarden Menschen weltweit Insekten als Nahrungsmittel sehen. Durch Zufall fiel Auriol, der bis dahin vor allem mit Verpackungsmaterial gehandelt hatte, eine Studie zu Problemen durch den globalen Bevölkerungszuwachs in die Hände. Eine der Lösungen lautete Entomophagie - der Verzehr von Insekten durch den Menschen. "Bis dahin hatte ich noch nie eine Grille oder einen Mehlwurm gegessen", erinnert sich Auriol, "aber ich war neugierig."

Aus Interesse wurde schnell ein Projekt. Auriol probierte sein erstes Insekt, sah sich in Asien bei Kleinproduzenten um und legte los. Mit Mehlwürmern und Grillen, weil diese verhältnismäßig leicht zu züchten sind. Heute hüpfen, kriechen und krabbeln in seiner Halle rund zwei Tonnen Insekten. Wie viele Tiere das sind? "Noch wird es eine Zahl im Millionenbereich sein", sagt Auriol. "Ende nächsten Jahres aber wohl mehr als eine Milliarde..."

Im Vergleich zu einer Legebatterie ist Auriols Halle ein angenehmer Ort. Die Grillen wachsen in luftigen Boxen auf, als Rückzugsraum dienen zu kleinen Hochhäusern gestapelte Eierkartons. Die Mehlwürmer sind in etwas tristeren schwarzen Plastikboxen mit Streu untergebracht - immerhin in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit. Als Futter gibt es Weizenmehl, Gerste, Gemüse und Obst - alles aus biologischem Anbau. "Das macht es für viele Verbraucher leichter, so etwas zu probieren", meint Auriol. Derzeit seien viele seiner Kunden noch Insekten-Freaks oder abenteuerlustige Esser.

Insekten-Menü im Sterne-Restaurant
Das Dschungelcamp-Image soll aber möglichst schnell weg. Einen Partner dafür hat Auriol in David Faure gefunden. Der experimentierfreudige junge Mann betreibt in Nizza das Feinschmecker-Restaurant "Aphrodite" und hat als wohl erster Sterne-Koch ein Insekten-Menü im Programm. Faure steckt Mehlwürmer in Erbsenpüree-Würfel an Karottenschaum und garniert eine Maiscreme an gebratener Foie gras mit knusprigen Grillen. Für die weiteren Gänge kommen die Tiere als Puder auf Kabeljau oder in Whisky-Gelee-Kugeln auf den Tisch.

"Es war schon immer mein großes Anliegen, mit neuen Nahrungsmitteln und neuen Techniken zu überraschen, zu verblüffen, zu bewegen", kommentiert der Koch. Es gehe bei der Verwendung der "lustigen kleinen Biester" allerdings keineswegs darum, Schlagzeilen zu machen, sondern um neue Geschmackswelten. Kostenpunkt fürs "Alternative Food"-Menü: 59 Euro - und es verkaufe sich blendend.

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