Do, 24. Mai 2018

"Staat muss handeln"

29.12.2013 20:38

Terror schockt Russen vor Olympia in Sotschi

Erst eine Autobombe, dann ein Selbstmordattentat: Zwei Anschläge an einem Wochenende schüren bei vielen Russen die Angst vor einer Terrorserie - sechs Wochen vor Olympia in Sotschi. "In der Provinz können Extremisten leichter agieren als in Moskau, die Hauptstadt wird auch wegen der Winterspiele schärfer bewacht", räumt Sprecher Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde ein. "Der Staat muss handeln", fordert Kasbek Farnijew, der Berater des Gebietsgouverneurs von Wolgograd.

Radikale Islamisten aus dem russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus drohen seit Monaten, den Terror vor den Wettkämpfen ins Kernland zu tragen. Am Sonntag traf es nach einem ersten Anschlag im Oktober - damals hatte eine Selbstmordattentäterin in einem Linienbus sechs Passagiere mit in den Tod gerissen - erneut die Millionenstadt Wolgograd. Das frühere Stalingrad, Ort einer der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, gilt als wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ist rund 700 Kilometer von Sotschi entfernt.

Im Bahnhof von Wolgograd hätten die Menschen dicht gedrängt vor einer Sicherheitsschleuse gestanden, berichten Augenzeugen dem Fernsehsender Rossija-24. "Wegen der Neujahrsferien waren es viel mehr Reisende als sonst, und sie hatten auch mehr Gepäck dabei als üblich", sagt Kioskbesitzerin Irina Kirillowa, die unverletzt blieb.

16 Tote, Dutzende Verletzte
Sie erzählt von einem ohrenbetäubenden Knall, von splitterndem Fensterglas und schreienden Menschen. Mit einer Bombe von rund zehn Kilogramm Sprengkraft hat ein Selbstmordattentäter mindestens 16 Menschen mit in den Tod gerissen. Zudem wurden Dutzende Menschen schwer verletzt, weil der Sprengsatz auch Nägel enthalten hat.

Ein am Tatort gefundener Finger gehöre dem bei der Explosion getöteten Attentäter, sagte ein namentlich nicht genannter Ermittler der Agentur Interfax. In ersten Berichten war von einer Attentäterin die Rede gewesen.

"Die Stadt ist in Panik"
Die Stadt sei "in Panik", sagt Kasbek Farnijew, der Berater des Gebietsgouverneurs. "Zwei Anschläge in zwei Monaten - das ist zu viel für die einfache Bevölkerung." Es gehe nicht nur um Sotschi: Wolgograd sei eine der Spielstätten der Fußball-Weltmeisterschaft 2018, die in Russland stattfindet.

Den Anschlag im Oktober verübte eine Islamistin aus der Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus. In der bergigen Vielvölkerregion kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen Kreml-Einheiten und Extremisten. Diesen "Krieg" in zentrale Teile Russlands zu tragen, dies hat der tschetschenische Islamistenführer Doku Umarow angedroht.

Der Terrorchef wirft Präsident Wladimir Putin eine "blutige Besatzungspolitik" im Nordkaukasus vor. Umarows Ziel ist ein von Moskau unabhängiger islamischer Gottesstaat, ein "Kaukasus-Emirat". Zwar pumpt der Kreml Milliarden in die verarmte Region, um der für radikale Ideen anfälligen Jugend mit Jobs eine Perspektive zu verschaffen. Doch die Behörden werfen auch internationalen Terrornetzwerken wie Al-Kaida vor, die Islamisten zu finanzieren.

Autobombe riss drei Menschen in den Tod
Am Freitagabend hatte bereits die Explosion einer mächtigen Autobombe in der Stadt Pjatigorsk im Nordkaukasus für Aufsehen gesorgt. Bei dem Anschlag vor einer Polizeistation starben drei Menschen. Die Behörden vermuten auch hier einen terroristischen Hintergrund. Von Pjatigorsk nach Sotschi sind es rund 250 Kilometer.

Das Nationale Anti-Terror-Komitee in Moskau hat dem Internationalen Olympischen Komitee wiederholt versichert, Athleten und Gästen der Winterspiele drohe keine Gefahr. Russische Politiker lehnen in einer ersten Reaktion auf die jüngsten Anschläge eine weitere Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen ab. Schon jetzt gelten die Maßnahmen in dem Schwarzmeer-Kurort als extrem hoch.

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