Fr, 24. November 2017

50 statt 7 Mrd. $

26.12.2013 19:40

Russlands Olympia-Märchen ist glatte Budget-Lüge

Offiziell werden in Russland die Kosten für die Olympischen Winterspiele in Sotschi mit 214 Milliarden Rubel, rund sieben Milliarden Dollar, beziffert. Die Zahl ist aber eklatant geschönt und unglaubwürdig. Allein der Bau der Straßen- und Bahnverbindungen ins Schneegebiet hat 7,4 Milliarden Dollar gekostet. Die russische Wirtschaftszeitung "Wedomosti" rechnet das Budget daher realistisch auf 50 Milliarden Dollar hoch. Und recht offen ist die Rede von Korruption.

Bei allen Olympischen Spielen der Vergangenheit sind die Zahlen für die Ausgaben vermutlich etwas geschönt worden – im Falle der Winterspiele von Sotschi hilft aber auch kein Zurechtbiegen des Budgets mehr. Die in Russland offiziell kolportierten Summen können nicht richtig sein, wie auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" deutlich macht.

Offiziell rund sieben Milliarden Dollar
Noch 2007 – vor der Vergabe von Olympia 2014 – hatte Wladimir Putin gesagt, dass Russland sich die Austragung der Spiele zwölf Milliarden Dollar kosten lassen wolle. Eine gewaltige Summe. Geradezu verrückt ist aber, dass der russische Präsident heuer im September total zurückruderte und die Kosten "seiner" Winterspiele mit 214 Milliarden Rubel, rund sieben Milliarden Dollar, bezifferte. Nein, so billig sind die Spiele an der nördlichen Schwarzmeer-Küste sicher nicht!

Da wird eher schon die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" recht haben, die Anfang dieses Jahres die Kosten auf 1,5 Trillionen Rubel, umgerechnet rund 50 Milliarden Dollar, hochrechnete. Da aber Sotschi und Korruption "zu einem feststehenden Begriffspaar" geworden seien, sei es laut "FAZ" "nicht mehr opportun, mit hohen Kosten für die zwei Wochen Olympische Spiele zu protzen".

Explosion der Kosten
Zumal auch Russland von der Weltwirtschaftskrise äußerst heftig getroffen wurde und im ganzen Reich von Petersburg bis Wladiwostok Schwächen der Infrastruktur und Verwaltung klar offengelegt werden. Allein die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur für Olympia sind höher als das von Putin angegebene Budget. Die neue Straßen- und Bahnverbindung von Adler ins Schneegebiet nach Krasnaja Poljana hat allein schon 7,4 Milliarden Dollar gekostet. Die Kosten seit der Vergabe 2007 sind einfach explodiert.

Was der russischen Bevölkerung auch bewusst geworden sein muss – durch einen unvergesslichen, perfekt initiierten Auftritt Wladimir Putins. Vor laufenden TV-Kameras hatte er den Vizepräsidenten des russischen Nationalen Olympischen Komitees, Achmed Bilalow, gefeuert, weil dieser verantwortlich war für die Verzögerung des Baus der Sprungschanzen und deren Kostenexplosion von 1,2 auf 8 Milliarden Rubel (240 Millionen Dollar). Die Rede war offiziell von Korruption.

60.000 Sicherheitskräfte
Und derweil schnellen die Kosten weiter in die Höhe. Denn in den letzten Tagen wurde bekannt, dass 60.000 Sicherheitskräfte (deutlich mehr als zunächst geplant) die Spiele schützen werden. Die Polizei schickt 37.000 Mann und der Zivilschutz 23.000 Einsatzkräfte. Dazu kommen noch die bisher nicht bekannten Einsatzzahlen des Militärs...

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