Do, 19. Oktober 2017

Salzburger atmen auf

20.12.2013 08:58

Experten besiegeln Ende für Cassco-Bauprojekt

Betonklötze mit Riesenfenstern, ein hundert Meter langer Riegel, alles fünf Meter höher als die umgebenden Bauten am Kai. So wollten die Cassco-Architekten den Rehrlplatz in Salzburg verbauen. Nun haben drei Bau-Experten der Uni Krems das Vorhaben gestoppt. Ein Erfolg für 25.000 Bürger, die protestiert hatten - und eine Ohrfeige für die Stadt.

Kein anderes Bauprojekt der letzten Jahrzehnte hat die Salzburger so aufgeregt wie die geplante Cassco-Betonburg am Rehrlplatz. Vor einem Jahr im letzten Moment von Bürgermeister Schaden gestoppt, sollte der Gebäudekomplex in der "abgespeckten" Version vom Herbst dieses Jahres immer noch bis zu 17,6 Meter hoch und 100 Meter lang sein.

"Gestaltung nicht vereinbar mit dem Welterbe-Charakter"
Ein Gutachten der Uni Krems im Auftrag des Ministeriums ist wohl das Ende des Projekts in der bisherigen Form. "Es geht nicht um Architektur-Kritik", so Peter Strasser, Spezialist für das UNESCO-Welterbe und Leiter des Teams: "Unsere Aufgabe war sozusagen eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Weltkulturerbe zu erstellen." Das Ergebnis der Uni-Experten zum Cassco-Projekt fiel eindeutig aus: Die bisherigen Überarbeitungen sind nicht ausreichend. Die Experten kamen letztlich zu dem Schluss "dass die gebäudetypologische Gestaltung nicht vereinbar mit dem Welterbe-Charakter ist."

Viele Fragen zur Stadtentwicklung blieben offen
Empfohlen wird auch, das Wettbewerbsverfahren neu aufzunehmen. Man bescheinigt der Stadt zwar ein "korrektes Verfahren", kritisiert aber die Vorgangsweise heftig: Der nur einstufige Wettbewerb sei "nicht angemessen und nicht verantwortbar" gewesen, es fehle generell am städtebaulichen Konzept. Rund um das Cassco-Vorhaben blieben nämlich viele Fragen zur Stadtentwicklung in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht offen. Ausdrücklich kritisiert wurde von den Experten auch der mangelnde Dialog mit der Bevölkerung.

"Ergebnis ist desaströs"
"Das Ergebnis ist für alle verantwortlichen Salzburger Stellen desaströs", so sieht VP-Klubobmann Christoph Fuchs das Gutachten: "Sowohl die Altstadt-Sachverständigen-Kommission als auch die Stadtplanung haben es nun amtlich, dass sie mit ihren Expertisen völlig falsch liegen."

Anrainer Christoph Ferch ist erleichtert: "Mir fällt ein Stein vom Herzen. Damit ist klar, dass dieses Projekt keine Chance auf Verwirklichung hat." Doch die externen Experten sagen auch: "Zeitgemäßes Bauen in historischer Umgebung geht schon. Nur sollte man die Umgebung beachten."

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