Fr, 20. Oktober 2017

"Tu felix Austria"

18.12.2013 22:51

Schäuble-Spott bringt Spindelegger in Verlegenheit

Keine zwei Tage im Amt, und schon hat Neo-Finanzminister Michael Spindelegger Spott von Deutschlands gerade erst wieder eingesetztem Amtskollegen Wolfgang Schäuble kassiert. Grund: Spindelegger glänzte bei seinem ersten planmäßigen Treffen mit den Finanzchefs der EU-Länder mit Abwesenheit. In der "ZiB2" meinte der Vizekanzler und ÖVP-Chef am Mittwochabend lapidar: "Man kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein."

Die EU will Spareinlagen von Privatleuten bei Bankenpleiten besser schützen, die Finanzminister saßen zu diesem Zweck am Dienstag in Brüssel bis in die Nachtstunden zu Beratungen beisammen. Nur einer fehlte in der illustren Runde: Österreichs Neo-Finanzminister Michael Spindelegger.

Einem, dem dies sauer aufgestoßen sein dürfte, ist sein deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble. Der 71-Jährige vermerkte am frühen Mittwochmorgen nach Beendigung der Sitzung mit Verwunderung, dass sein österreichischer Amtskollege nicht zum Finanzministertreffen gekommen ist, sondern sich von einem Beamten vertreten hat lassen.

Schäuble: "Tu felix Austria"
In Anspielung auf die Abwesenheit Spindeleggers sagte Schäuble dann, er habe gehört, der neue österreichische Finanzminister sei gerade erst eingeschworen worden. "Da habe ich gedacht, ich bin ja auch gerade erst eingeschworen worden. Aber gut. Das ist 'Tu felix Austria' (Du glückliches Österreich; Anm.)", spottete der deutsche Minister, der am Dienstagabend extra nach Brüssel geflogen war - nachdem er erst Stunden zuvor selbst angelobt worden war.

Schäubles Bemerkung machte daraufhin schnell die Runde, sind doch solch lästernde Worte auf dem internationalen Polit-Parkett eher unüblich. Spindelegger selbst begründete seine Abwesenheit am Mittwoch im ORF-Radio zunächst damit, erst am Montag angelobt worden zu sein. Am Abend erklärte er dann, von ORF-Anchorman Armin Wolf in der "ZiB2" auf Schäubles Seitenhieb angesprochen, mit Hinweis auf dei Regierungserklärung im Nationalrat: "Man kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein".

Spindelegger: "Keine Irritation"
Mit seinem deutschen Amtskollegen habe er zudem mittlerweile ein klärendes Telefonat geführt, so der Vizekanzler. Schäuble habe sich demnach "entsetzt" darüber geäußert, was aus seiner Bemerkung "geworden ist" und habe ihm, Spindelegger, zur Angelobung gratuliert. Es gebe "keine Irritation" zwischen den beiden, betonte er.

Zweifel an seiner bzw. der Qualifikation von Neo-Außenminister Sebastian Kurz wies Spindelegger unterdessen zurück. Für sich führte der neue Finanzminister fünf Jahre in der Regierung, zwei Jahre an der Spitze der ÖVP, seine Verhandlungen mit dem Bundeskanzler über den Regierungskurs, der "uns das Triple-A zurückgebracht" hat ins Treffen - und dass er sich "sorgfältigst vorbereitet habe". So seien die Finanzen und das für 2016 angestrebte Nulldefizit auch Wahlkampfthema gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).