Di, 22. Mai 2018

"Tod nicht geplant"

18.12.2013 12:32

Zweimal lebenslang nach Raubmord an Geschäftsmann

Wegen Raubmordes sind am Mittwoch zwei Rumänen im Alter von 25 und 28 Jahren in Wien zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Männer hatten Anfang November 2012 den 54 Jahre alten Rudolf L. in seiner Wohnung im Bezirk Ottakring überfallen. Die beiden gingen dabei mit äußerster Brutalität vor: So fesselten sie den Geschäftsmann auf eine Weise, dass sich dieser schließlich selbst strangulierte. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Der Erstangeklagte, der 28 Jahre alte Tudorel S., hatte das spätere Opfer Anfang 2012 durch seine Lebensgefährtin in Wien kennengelernt. Rudolf L. und die junge Frau dürften sich sehr gut verstanden haben. So ließ der 54-Jährige nicht nur sie, sondern im September 2012 auch seinen späteren Mörder mehrere Wochen bei sich wohnen. Zudem versprach der Geschäftsmann Tudorel P., diesem bei der Suche nach einer Arbeit zu helfen.

Offenbar dürfte der 28-Jährige den Eindruck gewonnen haben, bei dem Betreiber eines Inkasso-Büros wäre viel Geld zu holen. Gemeinsam mit einem 25-jährigen Freund - Catalin S. -, der mit dem Bus eigens aus Rumänien anreiste, suchte er am 4. November die Wohnung des 54-Jährigen in der Hubergasse auf.

54-Jährigen wie ein Paket verschnürt
Die Männer rissen den Betreiber eines Inkasso-Büros zu Boden und fesselten ihm zunächst die Hände auf den Rücken. Im Anschluss wurde der wehrlose Mann an Füßen und Beinen verschnürt. Danach schlang man ihm ein Seil um den Hals und verband dieses straff mit den Fersen, sodass dem Mann - sooft er sich bewegte und aus seiner Lage zu entkommen versuchte - ein bisschen mehr die Luft abgeschnürt wurde.

Darüber hinaus hatten die Männer ihm ein Leintuch um den Kopf gewickelt, weshalb er weder durch Mund noch Nase richtig atmen konnte. Der 54-Jährige dürfte im Zuge seines Todeskampfes aufs Qualvollste erstickt sein. Zudem hatte man ihn offenbar auch geschlagen - im Gesicht- und Kopfbereich waren Rissquetschwunden und entsprechende Blutungen feststellbar. Seine Leiche wurde erst fünf Tage später, am 9. November, entdeckt.

Täter setzten sich nach Padua ab
Zu diesem Zeitpunkt waren die Angeklagten bereits über alle Berge. Sie hatten sich mit dem Auto des Getöteten nach Padua abgesetzt. Dort teilten sie ihre bescheidene Beute - 100 Euro Bargeld, einen Laptop, ein Netbook, zwei Speicherkarten, ein Mobiltelefon, zwei USB-Sticks und eine Jacke. Tudorel P. konnte Anfang Dezember 2012 in Spanien festgenommen werden. Für seinen Komplizen klickten erst Mitte August 2013 in Rumänien die Handschellen.

Die Angeklagten bestritten vor Gericht jegliche Tötungsabsicht. "Wir wollten das Geld stehlen. Ich habe alles schnell und schlecht gedacht. Ich habe nicht über die Konsequenzen nachgedacht", sagte der Erstangeklagte. "Detailliert haben wir nichts geplant. Das war so plötzlich. Wir haben nicht darüber nachgedacht, dass er sterben wird", meinte Catalin S.

Richter: "Da gibt's keinen Spielraum bei der Strafe mehr"
Die Schuldsprüche wegen Raubmordes fielen nach kurzer Beratung der Geschworenen jedoch einstimmig aus. "Bei einer Gesamtschau konnte hier nur mit der Höchststrafe vorgegangen werden. Für einen geringen Geldbetrag einen Menschen auf eine derart grauenhafte Art zu ermorden, da gibt's keinen Spielraum bei der Strafe mehr", stellte Richter Ulrich Nachtlberger in der Begründung fest.

Tudorel P. und Catalin S. meldeten jeweils Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

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