Sa, 16. Dezember 2017

Sozialbericht

17.12.2013 09:19

Armut und Ausgrenzung in Ö: 18,5% sind gefährdet

Rund 1,5 Millionen Österreicher (18,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) sind im Jahr 2012 armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gewesen. Das geht aus den Zahlen einer aktuellen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen hervor, die am Dienstag von der Statistik Austria veröffentlicht wurden. Aufgrund noch genauerer Daten ging die Zahl der Betroffenen etwas nach oben. Im EU-Vergleich ergibt sich für Österreich allerdings ein recht positives Bild.

Als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gilt ein Haushalt dann, wenn er von mindestens einer von drei definierten Gefährdungslagen betroffen ist: Dies ist zum einen der finanzielle Schwellenwert für die Armutsgefährdung. Dieser lag im Jahr 2012 bei 1.090 Euro pro Monat für Alleinlebende, plus 327 Euro pro Monat für jedes Kind unter 14 Jahren und 545 Euro für jeden zusätzlichen Erwachsenen.

Ein weiteres Kriterium ist die "erhebliche materielle Deprivation", wovon 4 Prozent oder 335.000 Personen betroffen waren. Darunter versteht man all jene Personen, die sich gewisse Ausgaben nicht leisten können, wie etwa jeden zweiten Tag Fleisch oder Fisch zu essen (22 Prozent der Gesamtbevölkerung), unerwartete Ausgaben zu tätigen (22 Prozent) oder Urlaub zu machen (20 Prozent). Aber auch Heizen (3 Prozent), der Besitz eines TV-Gerätes (1 Prozent), eines Telefons oder einer Waschmaschine (beides unter 1 Prozent) fällt darunter.

Als dritte Kategorie definiert die EU Personen in - nahezu - erwerbslosen Haushalten. Als solche gelten jene, die maximal 20 Prozent ihres Erwerbspotenzials ausschöpfen. 2012 fielen in diese Gruppe 490.000 Personen bzw. 7,6 Prozent. Besonders betroffen sind laut der Erhebung Personen in Ein-Eltern-Haushalten (39 Prozent armuts- oder ausgrenzungsgefährdet). Ebenso tragen auch alleine lebende Frauen ohne Pensionsbezug sowie Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft (je ein Drittel) ein erhöhtes Risiko.

Österreich deutlich unter EU-Schnitt
Im EU-Vergleich zeigt sich ein für Österreich positives Bild. 2012 waren laut der Erhebung innerhalb der EU 124,5 Millionen Menschen bzw. 24,8 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Mit jenen 18,5 Prozent liegt Österreich somit deutlich unter dem EU-Schnitt. Die niedrigste Quote für Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung weisen die Niederlande mit 15 Prozent und Tschechien mit 15,4 Prozent auf, die höchste Bulgarien mit 49,3 Prozent.

Verwaltungsdaten in Erhebung eingeflossen
Zur Erhebung wurden aufgrund einer EU-Verordnung erstmals Verwaltungsdaten zur (Teil-)Berechnung des Haushaltseinkommens herangezogen. Dies ermöglichte eine detailliertere Datenerfassung. Der Grund: Bei Befragungen - wie bisher als Erhebungsinstrument im Einsatz - tendieren Personen mit geringerem Einkommen zum Aufrunden, Personen mit höheren Einkommen geben hingegen tendenziell eher weniger an als sie tatsächlich einnehmen, erklärte Statistik-Austria-Generaldirektor Konrad Pesendorfer. Resultat dieser Neu-Berechnungen ist, dass die Zahl der Armutsgefährdeten etwas nach oben korrigiert werden musste.

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