So, 19. November 2017

Kanzleramtsminister

14.12.2013 16:50

Ostermayer ist künftig der Regisseur der Macht

Dompteur, Vermittler und Stratege: Josef Ostermayer ist mit weitreichenden Befugnissen der mächtigste Mann in der rot-schwarzen Koalition. So tickt der neue Kanzleramtsminister.

Zum Friseur müsse er längst, und zum Rasieren sei er heute auch noch nicht gekommen. Aber Äußerlichkeiten sind nicht die Sache von Josef Ostermayer. Der künftig mächtigste Minister der Regierung wirkt wie einer, der täglich eiskalt duscht und nur einmal mit den Händen durch die Haare fährt, um keine Zeit zu verlieren. Er ist stets der Erste im Büro und der Letzte, der das Haus verlässt. Dabei ist der neue Kanzleramtsminister tolerant genug, zu akzeptieren, dass nicht jeder so viel arbeiten kann. Doch an Achtung gewinnt man bei Ostermayer nur mit Fachwissen, Loyalität, Disziplin und Diskretion.

Geld interessiert den SPÖ-Politiker nicht. Als einer der wenigen in der Regierung bekommt Ostermayer regelmäßig hochdotierte Angebote aus der Privatwirtschaft. Aber: "Mein Vater war Maurer. Mit dem, was ich habe, bin ich immer gut ausgekommen. Ich brauche keine Luxusuhren oder ein großes Auto. Ich will nur angemessen wohnen, Bücher lesen und eben so viel verdienen, damit auch die Familie zufrieden ist."

Ostermayers Bescheidenheit ist nicht aufgesetzt. Er lebt für die Arbeit und Werner Faymann. "Es ist schön, an der Seite eines Menschen zu arbeiten, der ein Freund ist", sagt der designierte Kanzleramtsminister, der den Bundeskanzler als juristisch-strategischer Berater seit dessen Zeit als Wiener Wohnbaustadtrat begleitet.

Bisher immer hinter den Kulissen
Bisher hat es der 52-jährige Burgenländer vorgezogen, eher hinter den Kulissen die Fäden zu ziehen. Es gibt keinen Bereich, in dem er nicht selbst verhandelt oder im Hintergrund die Regie geführt hat. Ob Beamtenpoker oder Gesundheitspolitik, Bildungsgespräche und Budgetberechnungen, Bildungsreform oder Medienzirkus: Stets ist Ostermayer dabei – als Dompteur oder als Vermittler.

Respekt genießt Ostermayer schon seit Langem beim Koalitionspartner ÖVP, aber auch in den Reihen der Opposition. Allerdings wäre es ein Fehler, sich von der Freundlichkeit des kunstsinnigen Familienmenschen täuschen zu lassen. Er kann auch anders. Aber wenn man es bemerkt, ist es meistens schon zu spät.

Künftig weitreichende Befugnisse
Und als künftig erster Kanzleramtsminister in der Geschichte der Zweiten Republik hat Josef Ostermayer weitreichende Befugnisse.
Seine Zuständigkeiten umfassen die Beamten, denen er helfen will, wieder ein besseres Image zu bekommen, nachdem – vor allem die Lehrergewerkschaft – hier einiges kaputt gemacht hat. Ebenfalls in seinen Bereich fallen die Medien. Da muss Ostermayer der ORF-Führung erklären, dass es künftig keine Extra-Millionen wie die Gebührenrefundierung gibt. Und bei der Presseförderung wird er einige Verleger enttäuschen müssen und den Geldhahn eher zu- statt aufdrehen. Die Lobbyisten runtergewirtschafteter Parteiblätter stehen bei ihm ebenso schon Schlange wie die Eigentümer gewinnbringender Blätter, die sich auch noch gerne ein paar Subventionen abholen wollen. Doch Ostermayer ist ein Großmeister, wenn es darum geht, jemanden charmant ins Leere laufen zu lassen.

Leid tut dem Kanzleramtsminister, dass die Budgetlage es ihm kaum erlaubt, den Goldregen über Theater und Museen auszuschütten. Zumal ihm aus der leicht zu beleidigenden Künstlerszene bereits Vorschuss-Lorbeerkränze geflochten werden. Die Kulturschaffenden erwarten sich nach der schwer zugänglichen Ministerin Claudia Schmied wieder mehr Zuwendung. Aber Ostermayer hat seine Strategie: "Viel zuhören, viel reden." Doch sollte Druck auf ihn ausgeübt werden, kann Ostermayer auch anders.

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