Fr, 15. Dezember 2017

Nicht zum Lachen

12.12.2013 13:51

"Breiviks Erklärung" wurde in Wien vorgetragen

Es handelt sich wohl um das derzeit meistdiskutierte Bühnenstück der Welt. Am Mittwochabend ist die provokante Inszenierung des Schweizer Regisseurs Milo Rau mit dem Titel "Breiviks Erklärung" in der Akademie der bildenden Künste in Wien aufgeführt worden. Im Vorfeld hatte das Stück, das die Rede des Norwegers vor Gericht zum Inhalt hat, für Wirbel gesorgt - in Brüssel sowie in Weimar wurden Aufführungen untersagt. In Wien selbst sorgte die Inszenierung für tiefe Betroffenheit unter den Zusehern - Zwischenfälle blieben aber aus.

Die deutsch-türkische Schauspielerin Sascha Ö. Soydan verlas hoch konzentriert und emotionslos, allerdings durch eine schlecht funktionierende Tonanlage immer wieder beeinträchtigt, die einstündige Rede. Es sei ihm bei der Wahl der Darstellerin auf eine möglichst große Distanz zur realen Figur des Verbrechers gegangen, der im Juli 2011 in Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet und danach in einem Jugendlager der Arbeiterpartei auf der Insel Utöya 69 Menschen erschossen hatte, erläuterte der Regisseur im anschließenden Publikumsgespräch.

"Norwegisches Urvolk" vom "Aussterben" bedroht
Breiviks Rede kreist um das ethnisch reine "norwegische Urvolk", das durch die ihm von "Multikulturalisten und Neoliberalen" aufgezwungene Politik unter Druck geraten, ja gar vom Aussterben bedroht sei. Dass in Wien das Publikum "Breiviks Erklärung" konzentriert und sichtbar betroffen folgte, erstaunte Rau. An bisherigen Spielorten sei immer wieder Gelächter aufgekommen, sogar im Gerichtssaal habe Lachen und Gähnen der anwesenden Prozessbeobachter die Verlesung begleitet.

Diskussion: Argumente erschreckend bekannt
Die Rede sei einerseits höchst banal, andererseits so erschreckend, weil die Inhalte über weite Strecken sehr bekannt wirkten, hieß es bei der abschließenden Diskussion. "Wenn man 30 bis 40 Sätze wegstreicht, kann das der Fraktionsvorsitzende der FPÖ im Wiener Landtag auch halten", sagte der Publizist Robert Misik.

Eine andere Frage sei, ob man diesen Inhalten überhaupt ein Forum geben müsse. Aufführungen von "Breiviks Erklärung", die in jeder Stadt nur ein einziges Mal gezeigt werden soll, sollen unter anderem noch in Brüssel und Oslo stattfinden. Dort wird dann auch ein Satz zu hören sein, der neben der ideologischen Rechtfertigung eines Massenmordes am meisten erschreckt: "Ja, ich würde es wieder tun!"

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