Mo, 11. Dezember 2017

Mal was anderes

20.12.2013 09:01

Abenteurer-Shooter "Deadfall Adventures" im Test

Wer heute nach kurzweiliger Shooter-Kost sucht, bekommt meist das ewig Gleiche vorgesetzt: ein dünnes Story-Süppchen mit der immer gleichen Militär-Einlage und einer Garnierung aus Bombast-Action. Hie und da findet man vielleicht auch mal ein Science-Fiction-Häppchen, aber das Gros der Shooter bietet doch recht wenig Abwechslung. Mit "Deadfall Adventures" schickt sich Nordic Games an, endlich wieder etwas Neues in die Shooter-Landschaft zu bringen. Ob das mit dem Abenteurer-Shooter klappt, haben wir getestet.

Warum ist eigentlich vorher noch niemand auf diese Idee gekommen? Ein Shooter im Stile alter Abenteuerfilme à la "Indiana Jones", das löst doch auf Anhieb eine gewisse Neugier aus. Mit Fallen gespickte Gänge voller Russen, Nazis und Fabelwesen, dazwischen das eine oder andere Rätsel und am Ende ein spektakulärer Schatz, den es zu entdecken gilt. Was guten Filmstoff abgeben sollte, müsste doch auch als Game funktionieren – oder?

Indiana Jones aus der Ego-Perspektive
Nordic Games hat es ausprobiert – und liefert mit "Deadfall Adventures" ein Game, ganz im Stil altehrwürdiger Abenteuerfilme. Die Handlung in Kurzform: In der Rolle des Abenteurers James L. Quatermain – frei erfundener Enkel der Romanfigur Allan Quatermain – geht der Spieler als Söldner mit der jungen Abenteurerin Jennifer Goodwin auf die Jagd nach dem geheimnisvollen Herz von Atlantis.

Die Suche beginnt in Ägypten – und gestaltet sich schon bald schwieriger als zunächst angenommen. Der Grund: Neben Quatermain und seiner Begleiterin interessieren sich auch Russen und Nazis für das Artefakt – "Indie" lässt grüßen. Kein Wunder also, dass die Schatzsuche rasch zu einer bleigetränkten Odyssee durch Tempel auf der ganzen Welt mutiert – von Ägypten ins ewige Eis und die Urwald-Ruinen der Maya.

Mit der Bleispritze gegen Nazis, Russen und Zombies
Dabei schickt Nordic Games den Spieler auf einen bunten Mix aus Schießereien mit Nazis und Russen, zwischendurch werden Horden gottloser Untoter mittels Taschenlampe geröstet und zerballert - und Rätsel gelöst, deren Schwierigkeitsgrad stark variiert. Fallen, die es zu umgehen gilt und die auch gegen Feinde verwendet werden können, runden das Abenteuer-Game ab.

Meist ist der Spieler dabei zu Fuß unterwegs und greift auf das übliche Abenteurer-Arsenal zurück: zwei Revolver, Scharfschützen- und Maschinengewehr sowie Notizbuch. Letzteres dient als Almanach, der immer dann besonders nützlich ist, wenn des Rätsels Lösung nicht auf der Hand liegt. Sprengstoff darf selbstverständlich auch immer mal wieder gezündet werden.

Seltene Highlights und Rätsel-Schikanen
Für Auflockerung sorgen gescriptete Ereignisse, etwa eine spektakuläre Fahrt mit dem Grubenhunt durch eine brennende Mine. Solche Passagen sind es dann auch, die richtiges Abenteurer-Feeling aufkommen lassen. Schade, dass sie im Spiel dann doch relativ selten auftauchen.

Nicht optimal gelöst sind manche Rätsel, die es Quatermain unnötig schwer machen. So kommt es durchaus vor, dass Durchgänge gesprengt werden müssen, das Dynamit im Inventar aber nicht den leisesten Effekt hat. Des Rätsels Lösung: Eine Stange Dynamit, die im Level herumliegt, muss gefunden und gezündet werden, damit die Sprengung funktioniert. Probleme gibt es auch bei manch einem Schalterrätsel, das mehr vom Glück als vom Können des Spielers abhängig ist.

Grafisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit
Optisch zeigt "Deadfall Adventures" recht deutlich, dass man es hier mit einer nicht mit Millionenbudget gesegneten Produktion zu tun hat. Während die Landschaften – letztlich gibt's Wüste, Eis und Urwald – recht hübsch gemacht sind, wirken die Animationen der Figuren etwas altbacken und Gesichter hat man in anderen Spielen auch schon in deutlich lebensechterer Ausführung gesehen.

Die Lichteffekte sind wiederum recht hübsch, dafür sieht Wasser nicht wirklich zeitgemäß aus. Letztlich ist die Optik von "Deadfall Adventures" ein Wechselbad der Gefühle. Mal sorgen hübsch gemachte Landschaften für Staunen, kurz darauf fühlt man sich durch den Detailgrad der Charaktere um Jahre zurückversetzt.

Dafür halten sich in der getesteten PC-Version die Hardwareanforderungen in Grenzen. Selbst auf älteren Rechnern mit betagten Grafikkarten vom Schlage einer Radeon HD der Fünferserie läuft das Game in Full-HD-Auflösung angenehm flüssig und mit vernünftigem Detailgrad. Erwähnenswert, weil nicht selbstverständlich: Im Testzeitraum fielen uns keine schwerwiegenden Bugs auf. In einer Zeit, in der Spieler immer wieder den Betatester mimen, eine lobenswerte Leistung. Dafür ist die KI nicht die Hellste.

Soundtrack OK, Sprachausgabe grauenvoll
Nicht auf der Höhe der Zeit ist auch die Vertonung von "Deadfall Adventures". Das Game erfreut die Ohren zwar mit einem eingängigen Abenteuerfilm-Soundtrack, der sehr gut ins Geschehen passt. Dafür ist die Sprachausgabe nicht gut geworden. Nicht nur, dass das Gesagte nur selten zu den Lippenbewegungen der Spielfiguren passt. Auch die deutsche Synchronisierung vermittelt das Flair eines B-Movies.

Die Sprecher wirken desinteressiert, häufig ist die Sprachausgabe zudem schlecht gemischt und die Figuren reden, ohne zwischen den Sätzen Luft zu holen. Sagen wir's, wie es ist: Die Gespräche zwischen den Spielfiguren reißen den Spieler mitunter unsanft aus dem ansonsten stimmigen Ambiente.

Grundsolide Steuerung, kurzweiliger Multiplayer
Dafür lässt sich "Deadfall Adventures" bei der Steuerung nichts zuschulden kommen. Wer schon einmal einen Shooter gespielt hat, findet sich sofort zurecht – und wer gerne aus einer vorteilhaften Position Gegner aufs Korn nimmt, freut sich über eine Zielansicht, wie man sie auch aus den aktuellen Bombast-Produktionen im "Battlefield"- und "Call of Duty"-Universum kennt.

Für mehrere Spieler bietet der Abenteurer-Shooter einen Spielmodus, in dem man gemeinsam anstürmende Zombie-Horden abwehren und sich Stück für Stück vorankämpfen muss. Ist eine Zombiewelle abgewehrt, gibt's bessere Waffen, damit die nächsten Zombies schneller zu Klump geschossen werden können. Das ist für eine Weile kurzweilig, eine allzu große Multiplayer-Fanbasis wird sich um diesen Modus herum aber wohl kaum bilden.

Fazit: Letztlich sieht man "Deadfall Adventures" in vielen Belangen an, dass es sich hierbei nicht um einen High-Budget-Titel handelt. Die Schwächen bei der Optik und vor allem der Vertonung trüben die ansonsten spannende Abenteuer-Atomsphäre immer wieder. Das ändert allerdings nichts daran, dass Nordic Games mit diesem Game einen der wenigen Shooter des Jahres 2013 abgeliefert hat, die sich an einem unverbrauchten Setting versuchen und neue Wege einschlagen. Wir finden, das gehört honoriert, und raten Bombast-gesättigten Spielern, einen Blick auf das nicht perfekte, aber unterhaltsame Abenteuer des James L. Quatermain zu werfen.

Plattform: PC (getestet), Xbox 360
Publisher: Nordic Games
krone.at-Wertung: 7/10

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