Sa, 18. November 2017

Immer noch Kult

14.12.2013 09:00

60 Jahre Enthüllung: Der „Playboy“ hat Geburtstag

Im Internetzeitalter dümpelt es zwar dahin, aber jetzt wird erst einmal gefeiert: Das Männermagazin "Playboy" ist 60. Auf dem Titel der Jubiläumsausgabe ist Kate Moss im Hasenkostüm abgebildet, ein paar Seiten dahinter Autowerbung für Cabrios ("Oben ohne") und Kleinstwagen ("für Körbchengröße A"). Dem Kult um das Magazin konnten dennoch weder Emanzipationsbewegungen, Sittenwächter oder Gratis-Pornos im Web etwas anhaben.

Der "Playboy" besteht aus jeder Menge Anzüglichkeiten, bunten Bildern von ganzen Kerlen und jungen Frauen und natürlich den Interviews, die seit mehr als einem halben Jahrhundert als Ausrede dienen, das Heft mit den Hochglanzbildern zu kaufen. 60 Jahre, das ist auch der Altersunterschied zwischen Heftgründer Hugh Hefner und seiner dritten Ehefrau. Der 87-Jährige hat die Gesellschaft kräftig umgekrempelt und gehört zu den erfolgreichsten, umstrittensten und auf jeden Fall skurrilsten Journalisten des 20. Jahrhunderts.

Sein Leben könnte dem eigenen Magazin entsprungen sein. Im Jubiläumsheft ist er seitenweise mit den Prominenten der vergangenen Jahrzehnte abgebildet, fast immer trägt er dabei nur einen Morgenrock. Hefner und "Playboy" - das war immer auch eine Lebensphilosophie, die in den 1960er-Jahren Millionen bewunderten. Heute scheint der Lebenswandel, sagen wir, nicht mehr ganz zeitgemäß.

Kein "Teufelszeug" für Hefners Ahnen
Dabei kam Hefner aus so gutem Hause: Ein Vorfahr war William Bradford (1590-1657), der Führer der Auswanderer vom Schiff "Mayflower". Auf ihn soll das Erntedankfest zurückgehen und als Puritaner wollte er von "Teufelszeug wie Tanz und Wirtshaus" nichts wissen. Und solch ein Mann bekam einen Nachfahren wie Hugh Hefner.

Hefner war schon immer ein Mann, der die Frauen lieber begreift als versteht. Aber er sah sich immer als Ästhet: Eine nackte Frau sei doch etwas Natürliches und Schönes, na und? Als sein Arbeitgeber, das Herrenmagazin "Esquire", fünf Dollar Lohnerhöhung nicht herausrücken wollte, machte sich Hefner selbstständig. Er verschuldete sich komplett, belieh seinen Hausrat und pumpte sogar seine Mutter an, aber im Dezember 1953 lag die erste Ausgabe des "Playboy" am Kiosk.

Marylin als Starthilfe
Ein Datum war nicht auf dem Heft - vielleicht würde es ja kein zweites geben. Aber ihm half Norma Jeane Baker, das Mädchen vom Titelbild. Die hatte sich vier Jahre zuvor nackt fotografieren lassen und war mittlerweile unter einem Künstlernamen bekannt: Marilyn Monroe. Hefner wurden die damals mit 50 Cent nicht eben billigen Hefte aus der Hand gerissen.

Und wer zog sich nicht später alles für den "Playboy" aus: Jayne Mansfield, Ursula Andress, Kim Basinger, LaToya Jackson, Nancy Sinatra, Farrah Fawcett, Katarina Witt und sogar Zeichentrickmutter Marge Simpson. Auch wenn Nobelpreisträger, Präsidenten und Schriftsteller Interviews gaben, berühmt ist der "Playboy" wegen der Fotos. Und wegen der Witze, die natürlich auch immer eine Ausrichtung hatten. Kostprobe aus dem jüngsten Heft: Warum können Frauen nicht Fußball spielen? Weil elf nie die gleiche Kleidung tragen würden.

"Playboy"-Schiff in stürmischen Zeiten
So ganz zeitgemäß ist das nicht mehr - und das gilt wohl auch für den "Playboy" selbst. Hunderte Anzeigen und gar eine Verhaftung Hefners "wegen Obszönität" konnten dem Heft nichts anhaben. Rechte Tugendbewahrer und linke Feministinnen liefen umsonst Sturm gegen das Blatt. Gefährlich wurde ihm erst das Internet, das nacktes Fleisch schneller, billiger und dezenter liefert. Hefner verkaufte für sein Lebenswerk sein Anwesen, Tochter Christie rackert sich als Herausgeberin ab - aber das Flaggschiff hat Schlagseite. Seit fünf Jahren gibt es nur noch elf Ausgaben im Jahr.

Die Verkäufe brechen weiter ein, obwohl gerade Jahresabonnements um acht Dollar (nicht einmal sechs Euro) verschleudert wurden. 2011 hat der Gründer das Unternehmen wieder von der Börse genommen. Die Aktie stand bei 6,15 Dollar - dafür hätte er in der Trafik nicht einmal ein Heft bekommen.

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