Di, 22. Mai 2018

"Es ist ein Wunder"

05.12.2013 11:21

Amerikaner glücklich dank Gesichtstransplantation

Bei Dallas Wiens wurde 2011 die erste komplette Gesichtstransplantation der Welt durchgeführt. Nun hat er sich bei einer Medizinerkonferenz in Chicago erneut der Öffentlichkeit präsentiert und beschrieben, wie sehr das Transplantat sein Leben zum Positiven verändert hat. "Meine ganze Geschichte ist ein Wunder", bedankte sich Wiens. Er möchte damit mehr Menschen motivieren, Gesichter von Familienangehörigen zur Transplantation freizugeben.

Es war eine 15-stündige Operation im Brigham and Women's Hospital in Boston, bei der ein 30-köpfiges Ärzteteam Dallas Wiens im März 2011 ein neues Gesicht gab. Der Techniker war 2008 bei Arbeiten an einer Kirche mit seinem Hubwagen in eine Hochspannungsleitung geraten, sein Gesicht war dabei regelrecht ausradiert worden - weder Augen noch Nase oder Lippen waren noch zu sehen, nur ein Teil seines Kinns überstand den Unfall, vom Mund war nur noch ein Schlitz übrig.

Wiens neues Gesicht kam von einem anonymen Spender, dessen Familie in die Prozedur eingewilligt hatte. Die Operation wurde als Meilenstein der Transplantationsmedizin gefeiert - und brachte Wiens ein ganz neues Lebensgefühl.

Wiens kann endlich wieder lächeln
"Die ästhetischen Vorzüge sind natürlich toll, aber die physischen und funktionalen haben meine Lebensqualität auf Arten gesteigert, bei denen ich nicht einmal anfangen könnte, sie in Worte zu fassen", sagte Wiens laut CBS bei der Konferenz der Radiological Society of North America in Chicago am Mittwoch. Er könne nun durch die Nase atmen sowie essen und vor allem lächeln.

Warum das Transplantat so erfolgreich war, wurde auf der Konferenz gezeigt. Bei Transplantationen gilt die Entwicklung neuer Blutgefäße in den betroffenen Regionen als wichtiger Hinweis auf die Erfolgschancen. Aufnahmen von Wiens' Gewebe zeigen nun erstmals, wie sich bestehende Blutgefäße mit einem transplantierten Gesicht verbunden haben.

Die Operation förderte zudem neue Erkenntnisse zutage, die bei künftigen Gesichtstransplantationen hilfreich sein könnten. So etwa, dass es ausreichen könnte, zwei Gesichts- oder Nacken-Arterien mit dem Gesicht zu verbinden. Bisher wurde dies meist mit viel mehr, zum Teil extrem dünnen Blutgefäßen getan.

Hoffen auf Familien von Spendern
Wiens jedenfalls ist mit dem Ergebnis glücklich. "Meine ganze Geschichte ist ein Wunder", so das Strom-Opfer auf der Konferenz. "Es ist ein Wunder, aber es ist mehr als das", ergänzte Radiologe Frank Rybicki vom Brigham-Spital. "Es ist viel Wissenschaft, die über die Jahre aufgebaut wurde." Nötig sind dazu aber auch Familien, die das Gesicht eines toten Angehörigen zur Transplantation freigeben - ein Spenderausweis allein reicht hierfür nicht aus. Wiens hofft, mit seiner Geschichte zu mehr Freigaben zu motivieren.

Schließlich ist er dankbar für die Operation, auch wenn er wohl für immer blind bleiben wird und bis zum Lebensende Medikamente gegen eine Abstoßung des fremden Gewebes nehmen muss. "Es gibt Leben nach einer Tragödie, so lange man es will", sagte Wiens in Chicago. Er hat sein neues Leben übrigens gefunden: Er ist seit März mit Jamie Nash (Bild unten) verheiratet - einem Verbrennungsopfer.

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