Sa, 26. Mai 2018

1,7 Milliarden Euro

04.12.2013 11:59

Zinsmanipulation: EU-Rekordstrafe für 6 Großbanken

Die EU-Kommission bestraft sechs Finanzinstitute wegen der Manipulation von Zinssätzen wie dem Libor mit Rekordbußen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Darunter ist auch die Deutsche Bank mit einer Strafe von 725 Millionen Euro, wie die Kommission am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Wenige Stunden zuvor war ein neuer, womöglich noch weit größerer Finanzskandal bekannt geworden: Mehrere internationale Großbanken sollen Währungskurse massiv manipuliert haben.

Zu den in den Zinsskandal involvierten Instituten zählen neben der Deutschen Bank die Royal Bank of Scotland, die französische Societe Generale sowie die US-Banken Citigroup, JPMorgan und RP Martin. Die britische Barclays und die Schweizer UBS kommen um Strafen herum, weil sie die Kartellwächter über die Manipulation informiert hatten. Jene in Summe 1,7 Milliarden Euro, die die EU nun verhängt hat, sind die größte Kartellstrafe in der Geschichte der Union.

Die Banken aus Europa und den USA hätten sich laut EU-Kommission bei der Festlegung von Referenzzinssätzen für den globalen Finanzmarkt abgesprochen und diese dadurch manipuliert - etwa um Handelsgewinne einzustreichen. Diese Praktiken betrafen nach EU-Angaben den in London festgestellten Libor, sein Euro-Pendant Euribor und den japanischen Tibor. Die Referenzzinsen gelten als Basis für Finanzgeschäfte von Hunderten Billionen Dollar, zahlreiche Kredite sind daran gekoppelt. Nach dem Willen der Aufseher soll das System wegen der Manipulationen nun geändert werden.

Nach Zins- droht nun noch größerer Währungsskandal
Mittwoch früh hatte bereits ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung" für Aufsehen gesorgt. Demnach sollen internationale Institute Geschäfte mit fremden Währungen in der Absicht getätigt haben, den Kurs zu einer bestimmten Uhrzeit zu beeinflussen und so mittels Kurswetten Gewinne einzustreifen. Finanzbehörden in Europa, den USA und Asien gehen derzeit den schweren Vorwürfen nach.

Anhaltspunkte für einen solchen Verdacht hatten sich bereits im Oktober ergeben, als die Schweizer Finanzaufsicht mitgeteilt hatte, gegen mehrere Schweizer Institute zu ermitteln. Allerdings war die Dimension unklar geblieben. Der Chef der deutschen Bankenaufsicht, Raimund Röseler, sagte der "Süddeutschen": "Wir haben bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass Händler einer deutschen Bank in Manipulationen involviert waren." Die Untersuchungen seien aber noch nicht beendet.

Regeln für Devisenmarkt könnten geändert werden
Die Deutsche Bank hat nach Informationen der Zeitung umfangreiche interne Ermittlungen aufgenommen. Ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin sagte dem Blatt, es könne nötig werden, die Regeln für den Devisenmarkt zu ändern, wenn sich die ersten Vermutungen bestätigen. Wenn sich der Verdacht erhärtet, könne die Affäre größere Ausmaße annehmen als der Libor-Skandal, in dem nun die drakonischen Strafen ausgesprochen wurden.

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