Do, 24. Mai 2018

Vier gewinnt

16.12.2013 07:30

BMW 435i: Münchner Coupé-Geschichten

"Ist das der M3 oder der M5?", fragt mich der junge Mann, der an der Autobahntankstelle interessiert und von der Optik begeistert auf mich zukommt. Auf die Idee, dass es einen 4er geben könnte, kommen die meisten im Moment noch nicht. Doch BMW hat quasi aus der Rippe des 3er eine neue Baureihe geschnitzt, deren bisheriges Topmodell der BMW 435i xDrive ist.

Ganz nüchtern betrachtet handelt es sich um ein nomenklatorisch aufgewertetes Dreier-Coupé, jedoch wirkt dieses Fahrzeug eigenständiger als frühere Zweitürer der Baureihe im Verhältnis zu ihrer jeweiligen Standard-Variante. Die Linie ist so kraftvoll, so stimmig, so elegant-sportlich, dass die Finnen-Antenne auf dem Dach richtiggehend deplatziert wirkt. So eigenständig wie der 6er im Vergleich zum 5er ist der 4er zum 3er aber nicht. Alles klar?

Der Testwagen macht mit dem M Sportpaket noch extra auf dicke Hose. Um knapp 3.500 sind da nicht nur einige Insignien der M-Macht samt speziellen 18-Zoll-Alus dabei, sondern auch das ziemlich verbindliche Sportfahrwerk. Um 800 Euro ist es auch noch adaptiv. Die Winkel in den vorderen Kotflügeln sind keine M-Optik-Features sondern sollen als "Air Breather" die Aerodynamik verbessern.

Weil ein Motor tun muss, was ein Motor tun muss
Das Triebwerk ist aus mehreren Baureihen bekannt und ist identisch mit dem im Dreier. Der turbogeladene 306-PS-Sechszylinder hört sich an, wie sich ein BMW-Sechszylinder anhören muss, weil er sich schon immer so angehört hat. Wenn auch in der Intensität zurückhaltend. Und die Kraftentfaltung ist vorbildlich: 400 Nm stehen ab 1.200/min. bereit und sorgen für sportlich-souveräne Fortbewegung. Mit dem optionalen Allradantrieb bringt der 435i die Power auch jederzeit perfekt auf den Boden. So nimmt der 1,6-Tonner dem heckgetriebenen Pendant beim Stammtischsprint trotz 80 kg Mehrgewicht zwei Zehntel ab und durchbricht den Hunderter nach respektablen 4,9 Sekunden. Noch mehr Spaß macht der Allradantrieb auf Schnee, weil er je nach Einstellung des Stabilitätsprogramm herrliche Drifts zulässt. Nur schade, dass ein manuelles Getriebe nur mit Heckantrieb zu haben ist – außer man beschränkt sich auf 420i oder 420d.

Auch wenn das Head-up-Display 250 km/h anzeigt, fährt es sich extrem gelassen im 435i – sofern man sich auf einer deutschen Autobahn ohne Tempolimit bewegt. Mit welchem Fahrzeugcharakter man so dahinrast, lässt sich über den Fahrerlebnisschalter einstellen. Je nachdem sind alle imaginären Muskeln im Auto ständig gespannt und peitschen einen nach vorn, sobald der "lahme" Familienkombi mit 180 km/h die linke Spur geräumt hat (Sport), oder die Achtgangautomatik bleibt in einer hohen Fahrstufe, sodass der Dreiliter-Motor die Kraft mehr aus dem Keller schöpft (EcoPro). Wenn ich von Sport auf EcoPro umschalte (dazwischen gibt es auch noch "Comfort"), habe ich im ersten Moment das Gefühl, das Gas ist ausgehängt.

Der Verbrauch schreckt mich engesichts des Gebotenen ganz und gar nicht. Von München bis zur Passauer Grenze bin ich laut Borcomputer auf einen Durchschnittsverbrauch von 16,3 Liter gekommen - bei extrem hohem Weit-über-200-km/h-Anteil. Bis daheim in der Nähe von Wien hat sich der Gesamtdurchschnitt auf 12 Liter reduziert. Rechnet man die Vollgasfahrt heraus, bleibt ein manierlicher Spritkonsum, der zwar deutlich über den genormten 7,6 l/100 km liegt, einem aber nicht das letzte Haar vom Kopf frisst.

Ein Orden für die Türfächer
Bei allem Sport ist der 435i auch noch praktisch bis hin zum Platz für eine 1,5-Liter-PET-Flasche im Türfach – wohlgemerkt in einem Coupé! Gute Manieren beweist er mit seinem Gurtbringer und gegen Aufpreis mit den ConnectedDrive-Services. Dass er aus gutem Hause stammt und auch von einem solchen adoptiert werden möchte, beweist der Münchner mit den Möglichkeiten der Aufpreisliste. So kommt es, dass auf der Rechnung des Testwagens 80.365 Euro stehen, bei einem Grundpreis von 59.600 Euro (4.000 weniger ohne xDrive). Das Einstiegsmodell 420i ist übrigens ab 38.900 Euro zu haben.

Nächstes Jahr freuen wir uns auf den M4, der dann die echte Speerspitze darstellen wird: Hier wir der Sechszylinder dann 431 PS leisten. Und die Optik wird auch noch weiter verschärft. Damit keine Unklarheiten über das Modell aufkommen.

Warum?

  • Optischer BMW-Leckerbissen
  • Ein Gedicht von einem Motor

Warum nicht?

  • Etwas pummeliger Hintern um den Stoßfänger herum

Oder vielleicht …

… auf den M4 warten, sonst Audi A5, Infiniti G37, Mercedes C-Klasse Coupé

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