Fr, 25. Mai 2018

Mit russischer Hilfe

01.12.2013 15:01

Iran plant zweites AKW in Bushehr

Der Iran will kommendes Jahr mit russischer Hilfe ein zweites Atomkraftwerk zur Stromerzeugung in Bushehr bauen. Angesichts der Fortschritte durch das jüngst erzielte Abkommen mit der 5+1-Gruppe würden 2014 die Bauarbeiten für eine weitere Atomanlage in dem Ort an der Golfküste beginnen, wurde der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, am Sonntag auf der Website des Staatsfernsehens zitiert.

Derzeit gebe es Verhandlungen mit Russland über den Bau von Atomkraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 4.000 Megawatt, teilte Salehi demnach mit. In einem zweiten Schritt sollten weitere Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 5.000 Megawatt hinzukommen. Letztlich will der Iran 20.000 Megawatt Strom durch Atomkraft erzeugen. Angesichts dieser Vorhaben müsse der Iran sein Atomprogramm und insbesondere seine Urananreicherung weiter entwickeln, um "den notwendigen Brennstoff an die Anlagen" zu liefern, hob Salehi hervor.

Die Kontrolle über die Atomanlage in Bushehr mit einer Kapazität von tausend Megawatt hatte Russland im September offiziell an die iranischen Behörden übergeben. Das Kraftwerk war 2010 mit gut einem Jahrzehnt Verspätung fertig gebaut worden, in Betrieb ging es angesichts wiederholter technischer Probleme aber erst im folgenden Jahr.

Abkommen nach jahrelangem Streit
Da das Atomkraftwerk in Bushehr der Stromerzeugung dient, erregt es beim Westen keine Kritik. Allerdings befürchten Staaten wie die USA und Israel, dass der Iran unter dem Deckmantel der zivilen Kernkraftnutzung heimlich auch an Atomwaffen arbeitet. Nach jahrelangem Streit hatten Teheran und die sogenannte 5+1-Gruppe aus den fünf UN-Vetomächten und Deutschland vor einer Woche ein Abkommen vereinbart.

Das zunächst für sechs Monate geltende Interimsabkommen sieht vor, dass der Iran im Gegenzug für die Lockerung gewisser Sanktionen zentrale Teile seines Atomprogramms aussetzt. So soll die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent gestoppt, der bestehende Uranvorrat reduziert und der Bau des Schwerwasserreaktors in Arak unterbrochen werden. Außerdem lässt der Iran tägliche Kontrollen seiner Atomanlagen durch die Internationale Atomenergiebehörde zu.

Schwerwasserreaktor Arak für Iran "rote Linie"
Zum von der 5+1-Gruppe geforderten Baustopp für die Anlage in Arak sagte Salehi nun laut Staatsfernsehen, dabei handle es sich für den Iran genauso um eine "rote Linie" wie bei der Urananreicherung. "Sie wollen uns unseres Rechts berauben", sagte Salehi, doch das Land beabsichtige vielmehr noch den Bau weiterer Schwerwasserreaktoren. Zugleich betonte der Behördenchef, dass in Arak "kein für den Bau einer Bombe geeignetes Plutonium" hergestellt werde.

Rohani: "Abbau der Atomanlagen kommt nicht in Frage"
Erst am Freitag hatte Irans Staatspräsident Hassan Rohani in einem Interview mit der "Financial Times" betont, dass für ihn der Abbau von Atomanlagen nicht in Frage komme.

Die nuklearen Aktivitäten der Islamischen Republik Iran dienten ausschließlich friedlichen Zwecken, bekräftigte der Präsident die offizielle Position Teherans. "Der Grund dafür ist, dass alle unsere nuklearen Aktivitäten unter der Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde stattfinden", betonte Rohani. "Alle Atomanlagen" würden ständig von Kameras der IAEO überwacht.

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