Mo, 23. Oktober 2017

Blutige Szenen

30.11.2013 15:19

Ukraine: Pro-EU-Protest gewaltsam aufgelöst

Die anhaltenden Proteste in der Ukraine eskalieren immer weiter. In der Nacht auf Samstag ist eine Pro-EU-Kundgebung mit rund 10.000 Teilnehmern von der Polizei gewaltsam aufgelöst worden. Nach Angaben der Opposition und der Medien wurden Dutzende Menschen verletzt. Außerdem seien Samstag früh zahlreiche Demonstranten festgenommen worden, teilte der oppositionelle Abgeordnete Andrej Schewtschenko über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Opposition bereitet sich nun auf einen landesweiten Streik vor.

"Wir haben eine gemeinsame Entscheidung gefällt, eine Aktionsgruppe des nationalen Widerstands zu bilden, und begonnen, einen gesamtukrainischen landesweiten Streik vorzubereiten", sagte Jazenjuk. Außerdem kündigte der Oppositionspolitiker ein Treffen mit allen EU-Botschaftern noch am Samstagnachmittag an. Die ukrainische Opposition rufe "unsere westlichen Partner auf: Die Zeit des Redens ist vorbei", sagte Oppositionsführer Arseni Jazenjuk.

Oppositionspolitiker: "Ukraine hat so etwas noch nie erlebt"
Nach der gewaltsamen Auflösung der Demonstration zeigten sich die Gegner der Regierung entsetzt. "Die Ukraine hat so etwas noch nicht erlebt", kommentierte Oppositionspolitiker Schewtschenko den Polizeieinsatz. Augenzeugenberichten zufolge feuerten die Beamten in den frühen Morgenstunden Rauchgranaten auf den Platz der Unabhängigkeit, wo sich Hunderte von pro-europäischen Demonstranten versammelt hatten. Anschließend wurde die Menge mit Gummiknüppeln vertrieben und der Platz in Teilen abgeriegelt. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete, die Polizei habe sich nach "mehreren Zwischenfällen" zu einer Räumung entschieden.

Augenzeugin: "Polizei schlug alle - auch ein Kind"
Die 17-jährige Studentin Maria Tschalich sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Demonstranten hätten sich friedlich verhalten und getanzt. Dennoch seien die Polizisten mit großer Härte gegen sie vorgegangen und hätten "unterschiedslos jeden" geschlagen. "Sie schlugen alle - alte Menschen, Mädchen, sogar ein Kind. Sein ganzes Gesicht war blutüberströmt", sagte Tschalich. Einige Menschen seien in Ohnmacht gefallen.

Demonstranten fordern Rücktritt Janukowitschs
Die Demonstranten hatten den Rücktritt von Staatschef Viktor Janukowitsch gefordert, weil dieser ein Assoziierungsabkommen mit der EU hatte scheitern lassen. Sie riefen Parolen wie "Revolution". Die Aktivistin Ruslana Lyschischko verlas bei der Kundgebung eine Resolution: "Wir fordern Rücktritt von Janukowitsch", hieß es darin. "Wir erklären, dass wir weiter für eine europäische Ukraine kämpfen." Neben ihr standen die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko. Letzterer versprach, alles zu tun, damit die derzeitige Regierung entmachtet werde.

Oppositionsführer: "Schicksal der Ukraine verkauft"
Trotz der seit Tagen dauernden pro-europäischen Massenproteste hatte Präsident Janukowitsch auf dem EU-Gipfel zur Ostpartnerschaft am Donnerstag und Freitag das geplante Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnet. "Der Präsident hat das Schicksal und die Zukunft der Ukraine verkauft", sagte Jazenjuk, der zu dem Gipfel in die litauische Hauptstadt Vilnius gereist war, vor seiner Rückkehr nach Kiew.

"Njet" zu Freihandelsabkommen mit EU
Unter dem Druck Russlands hatte Janukowitsch bereits vergangene Woche angekündigt, das über mehrere Jahre ausgehandelte Freihandelsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen. Stattdessen strebt er für die frühere Sowjet-Republik engere Bindungen an Russland an.

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