Sa, 18. November 2017

Alle Jahre wieder

29.11.2013 17:13

Post und Zoll verhindern „gefälschte Weihnacht“

Potenzpillen, die mit Farbe für Straßenmarkierungen versetzt sind, ein iPhone 6 (!) mit ausziehbarer Antenne oder Glitzerschuhe, die im Original 4.195 Euro kosten würden: Das Internet bringt allen eine Fälschung - die Post jedoch nicht. Denn in der Zentrale wartet schon die Zollbehörde. Die "Krone" war beim Lokalaugenschein.

Für eine modebewusste Tirolerin wird das bevorstehende Weihnachtsfest ein Reinfall. Denn das Christkind bringt heuer leider kein Packerl für sie. Das hat nämlich der Zoll. Kristallbesetzte Velourslederpumps von Christian Louboutin standen auf dem Wunschzettel - Originalpreis: 4.195 Euro. Die Tirolerin hätte die Fälschung um 120 Euro bekommen sollen.

"40 Prozent der jährlichen Aufgriffe in Vorweihnachtszeit"
Das Phänomen der Produktpiraterie ufert immer weiter aus. 76.960 gefälschte Markenwaren im Originalwert von 3 Millionen Euro hat der Zoll in diesem Jahr bereits beschlagnahmt. Konzerne beschäftigen mittlerweile ganze Abteilungen damit, kriminelle Fälscherbanden auszuforschen und die eigenen, meist hochpreisigen Produkte fälschungssicher zu machen.

"In der Vorweihnachtszeit machen wir 40 Prozent unserer jährlichen Aufgriffe", erklärt Finanzbeamter Gerhard Marosi. Dank Aufklärungskampagnen und sensibilisierten Konsumenten werde diese Zahl zwar kleiner, "die Delikte werden aber sicher nicht weniger", stellt Marosi klar. Denn: "Fälscher verschicken ihre Waren immer öfter per Kurierdiensten statt mit der Post", weiß Zollamtsdirektor Andreas Gassmann (Bild).

Produktpiraterie als Online-Industrie
In der Postzentrale im Wiener Bezirk Liesing sind Gassmann schon die kuriosesten Dinge untergekommen. Über die neuesten Mode- und Lifestyletrends ist er bestens informiert. Denn oft ist die Fälschung schon vor dem Original da. Gassmanns Lieblingsbeispiel: ein iPhone 6 mit ausziehbarer Antenne.

Der Ablauf ist dabei immer gleich: Kunden bestellen im Internet vermeintliche Schnäppchen. Wer beispielsweise "Louis Vuitton" und "billig" bei Google eingibt, erhält als erstes Suchergebnis die Website einer Firma, die die begehrten Taschen zu unschlagbar günstigen Preisen anbietet. "Alles gefälscht. Die Firmen sitzen in China, Singapur, Indien oder Thailand", erklärt Gassmann. Pakete aus diesen Ländern sortieren Postmitarbeiter mit sicherem Blick aus, speziell geschulte Zollbeamte entlarven die Fälschungen. Dann wird die Firma, die die Rechte hält, z.B. Louis Vuitton, informiert, dass eine Fälschung ihres Produkts sichergestellt wurde.

Auch der Empfänger erhält Post von der Zollbehörde. "Die Person kann binnen zehn Tagen Einspruch gegen die Beschlagnahmung erheben oder das Einverständnis zur Vernichtung der Ware geben", so Gassmann.

Gefälschte Medikamente weiter auf dem Vormarsch
Meistens geht es dabei um gefälschte Medikamente. Sie bilden nach wie vor die größte Gruppe im Bereich der Produktpiraterie. Mehr als 25 Prozent aller vom österreichischen Zoll gefundenen Sendungen mit Fälschungen beinhalten Medikamente. "Das stellt oftmals eine ernste Bedrohung für die Gesundheit der Verbraucher dar", heißt es aus dem Finanzministerium.

Beim "Krone"-Lokalaugenschein wurde angebliches Viagra zutage gefördert. Die blauen Pillen waren mit Farbe, die eigentlich bei Straßenmarkierungen in Bangkok verwendet wird, versetzt und mit Kerzenwachs versiegelt, um den originalen Glanz nachzuahmen. Nach dem Genuss dieser Giftpille bleiben die erwünschten Höchstleistungen mit großer Wahrscheinlichkeit aus - und es bleibt eine stille Nacht.

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