Do, 14. Dezember 2017

Wettskandal

28.11.2013 19:36

Diese 17 Spiele sollen manipuliert worden sein

Nachdem am Mittwoch der Ex-Grödig-Spieler Dominique Taboga festgenommen und in die Justizanstalt Salzburg eingeliefert worden war, hat die Staatsanwaltschaft Salzburg am Donnerstag in einer Pressekonferenz weitere Details zum Wettskandal genannt: Insgesamt stehen 17 Spiele aus Bundesliga und Erster Liga unter Manipulationsverdacht. Großteils sind Partien von Grödig und Kapfenberg betroffen. Die Polizei hat bislang 20 Fußballer verhört sowie Hausdurchsuchungen in Wien, Niederösterreich, Salzburg und Kärnten durchgeführt.

Die bisher einvernommenen Personen spielen oder spielten in der Bundesliga, der Ersten Liga sowie in Regional- oder Landesligen. Darunter sind auch drei aktuelle Spieler von Grödig. Die genaue Zahl an Hausdurchsuchungen wurde nicht genannt, in Salzburg waren die Fahnder aber offenbar in der Unterkunft Tabogas, gegen den auch wegen Veruntreuung ermittelt wird - er soll 5.000 Euro aus der Grödiger Mannschaftskasse entwendet haben. Der wohl nie mehr als Fußballer auftretende Taboga wurde am Donnerstagabend in Untersuchungshaft genommen - wegen Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr.

Diese Spiele stehen unter Manipulationsverdacht
5. November 2004 - das 3:3 zwischen Altach und Leoben
26. April 2005 - das 1:3 zwischen Leoben und Ried
13. Mai 2005 - das 3:0 zwischen Ried und Leoben
31. Oktober 2008 - das 0:2 zwischen Kapfenberg und Rapid
23. Oktober 2010 - das 0:4 zwischen Kapfenberg und Sturm Graz
3. Dezember 2012 - das 0:0 zwischen Kapfenberg und Rapid
17. Dezember 2012 - das 0:1 zwischen Kapfenberg und Innsbruck
17. März 2012 - das 0:1 zwischen Kapfenberg und Salzburg
31. März 2012 - das 2:0 zwischen Wacker Innsbruck und Kapfenberg
10. August 2012 - das 2:2 zwischen Austria Lustenau und Grödig
31. August 2012 - das 0:1 zwischen Grödig und Kapfenberg
26. Oktober 2012 - das 1:0 zwischen Grödig und Austria Lustenau
5. April 2013 - das 0:1 zwischen Grödig und Kapfenberg
21. Mai 2013 - das 1:1 zwischen Kapfenberg und Grödig
27. Oktober 2013 - das 0:3 zwischen Grödig und Salzburg
2. November 2013 - das 1:1 zwischen Grödig und Wolfsberg
10. November 2013 - das 2:2 zwischen Grödig und Rapid

Austria-Klagenfurt-Teammanager verhaftet
Bereits am vergangenen Freitag waren drei weitere Personen wegen des Verdachts der Spielmanipulation und des Wettbetrugs festgenommen worden. Sie befinden sich in U-Haft. Es handelt sich dabei um den (seit zwei Monaten ehemaligen) Teammanager des Regionalligavereins Austria Klagenfurt, Johannes Lamprecht, der früher selbst Fußballprofi war, sowie um zwei Albaner, die mutmaßlichen Drahtzieher.

Bei den Albanern wurde in einer Klagenfurter Wohnung eine Liste mit insgesamt 26 Spielernamen gefunden. Lamprecht wird von der Polizei als "Mittelsmann" betrachtet. Sein Leidensdruck dürfte so groß geworden sein, dass er ein umfassendes Geständnis zu den Wettbetrügereien abgegeben hat, so Staatsanwalt Marcus Neher.

Wettgewinne bis zu einer Million Euro
Bei den vermuteten Spielmanipulationen geht es um Millionensummen. Dazu der Ermittlungsleiter des Bundeskriminalamtes, Andreas Holzer: "Gewettet wurde auf verschiedene Ereignisse wie Halbzeitstand oder Elfmeter." Man könne heutzutage auf insgesamt 200 Ereignisse eines Spieles wetten. "Für die Täter waren Handicap-Wetten interessant, weil die Quoten besser sind", ergänzte BKA-Ermittler Major Dieter Csefan. Die Gewinne pro Einsatz lagen zwischen 700.000 und einer Million Euro, schätzt ein Insider.

Taboga brachte mit Anzeige Lawine ins Rollen
Taboga hatte am 11. November gegenüber der Polizei in einer Anzeige angegeben, dass er erpresst werde, und damit den Fall ins Rollen gebracht. Tags darauf wurden als Verdächtige der Ex-Teamspieler Sanel Kuljic sowie Sulim D. in Anif festgenommen. Über die beiden wurde am 15. November in Salzburg die Untersuchungshaft verhängt. Sie bestreiten aber vehement, Taboga erpresst und bedroht zu haben.

Zunächst blieb Taboga noch auf freiem Fuß. Anfangs wurde er von der Polizei in einer Pressekonferenz noch als Opfer bezeichnet, doch sehr bald stellte sich heraus, dass der 31-Jährige offenbar tiefer in die Affäre involviert ist, als gedacht. Er gestand schließlich, dass er mehrere Fußballer unterschiedlicher Vereine zu Manipulationen anstiften hatte wollen. Sie hätten aber alle abgelehnt.

Taboga hatte der Polizei geschildert, dass er wegen entgangener Wettgewinne unter Androhung von Gewalt gegen sich und seine Familie erpresst worden sei. Er habe schließlich "etwas unter 30.000 Euro" an seine Erpresser bezahlt, erklärte er. Kuljic rechtfertigte sich damit, dass Taboga bei ihm private Schulden in der Höhe von rund 65.000 Euro habe.

U-Haft für Kuljic verlängert
Eine Haftprüfungsverhandlung am Donnerstag ergab indes, dass Kuljic und Sulim D. wegen Verdunkelungsgefahr ein weiteres Monat in U-Haft bleiben müssen. Kuljic wird des schweren gewerbsmäßigen Betrugs und der schweren Erpressung beschuldigt. Der Verteidiger von Kuljic, der Salzburger Rechtsanwalt Franz Essl, erklärte dazu: "Mein Mandant hat mit Wettbetrug nichts zu tun."

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