Fr, 15. Dezember 2017

Riskantes Spiel

27.11.2013 14:12

USA setzen gegenüber China auf Bomber-Diplomatie

Die Spannungen um eine zwischen China und Japan umstrittene Inselgruppe im Ostchinesischen Meer steigen. Nach dem Überflug von B-52-Bombern geben sich China und die USA betont gelassen. Aber was ist, wenn sich einer verkalkuliert?

Es war eine militärische Machtdemonstration. Auch ein Zeichen der Verärgerung der USA über China. Doch keine der beiden Weltmächte ist an einer Eskalation interessiert. Diplomatisch beschreibt Washington den Überflug zweier B-52-Bomber über die zwischen China und Japan umstrittenen Inseln im Ostchinesischen Meer als "lange geplant". Auch Peking spielt den Zwischenfall herunter. Statt lautstark zu protestieren, teilt das chinesische Militär in Peking nur mit, die Flugzeuge sorgsam im Blick gehabt zu haben.

Derzeitiges Vorgehen birgt große Gefahren
"Beim ersten Mal hat China noch nicht reagiert, weil es vermutlich die Situation nicht verschärfen wollte", sagt Professor Cheng Xiaohe von der Volksuniversität in Peking. "Wenn so etwas aber häufiger vorkommt, wird es sicher zu Spannungen führen." Die Gefahr eines "versehentlichen Schusswechsels" oder einer Kollision sei dann nicht auszuschließen. 2001 war ein chinesischer Kampfjet mit einem US-Spionageflugzeug über Hainan in Südchina zusammengestoßen.

"Die gegenwärtige Situation birgt große Risiken durch Missverständnisse und operationelle Pannen", warnt auch die China-Expertin Stephanie Kleine-Ahlbrandt vom US-Institut of Peace in Washington. "Die Gefahr menschlichen Versagens ist gerade in stressigen und ungewissen Zeiten höher, wenn die Geschwindigkeit moderner Waffensysteme die Entscheidungen beschleunigt."

Riskantes Spiel mit einer Menge Provokation
Kein Zweifel: Es ist ein riskantes Spiel. China versucht, mit der Einrichtung der neuen Luftraumüberwachungszone die chinesisch Diaoyu oder japanisch Senkaku genannten Felseninseln ein weiteres Stück aus dem historischen Griff der Japaner herauszureißen. Die USA wiederum haben mit den strategischen B-52-Bombern demonstriert, dass sie ihrem Bündnispartner Japan zur Seite stehen und keineswegs vorhaben, ihre Militärflüge in dem Gebiet vorher in Peking anzumelden.

Die B-52 sprechen eine deutliche Sprache. "Der Einsatz atomwaffenfähiger Flugzeuge ist besonders wichtig, weil sie die chinesische Seite daran erinnert, ihre Drohungen gegen die USA besser einzustellen", sagt der US-amerikanische China-Experte Gordon Chang. Der Überflug fordere China zwar heraus. "Doch ist es eher ein Versuch, Frieden und Stabilität in der Region zu sichern", findet der bekannte Autor. "Wenn die Japaner die ersten gewesen wären, die die Zone infrage stellen, hätte Peking möglicherweise einen Zwischenfall provoziert." Jetzt wo die USA die Zone offen ignoriert hätten, sei dieses Risiko verringert - "zumindest im Moment".

"China will keinen größeren Krach mit den USA oder Japan"
Gegenüber den USA können Chinas Militärs noch gelassen reagieren, indem sie den Überflug der B-52 als "unbedeutend" betrachten, wie der Militärexperte Gary Li vom Beratungsunternehmen IHS Maritime erklärt. "Die Regeln sind klar und identisch mit denen der Japaner in ihrer eigenen Zone: Nur wenn sich ein Militärflugzeug erkennbar auf dem Weg in den hoheitlichen Luftraum befindet, soll es von Flugzeugen abgefangen und identifiziert werden."

Nach chinesischen Militärangaben flogen die beiden Bomber "am östlichen Rand unserer Zone" und 200 Kilometer von den Inseln entfernt von Süden nach Norden - also nicht in Richtung Festland. So können beide Seiten ihre grundsätzlichen Positionen bekräftigen und eine Eskalation vermeiden. Auch wenn China in seinen Territorialdisputen hart bleibe, wolle es doch als "friedliche, aufstrebende Macht" gesehen werden, sagt Expertin Kleine-Ahlbrandt. "Es will keinen größeren Zusammenstoß mit den USA oder Japan".

Sie warnt aber vor tief sitzendem Misstrauen zwischen Japan und China: "Das Risiko ist nicht so sehr ein beabsichtigter großer Konflikt, sondern vielmehr ein Unfall oder eine Fehlkalkulation, die keine der Seiten in den Griff bekommt." Die USA hätten großes Interesse, einen Konflikt zwischen China und Japan zu verhindern und friedliche Beziehungen zu Peking zu pflegen. Nächste Woche reist US-Vizepräsident Joseph Biden in die Region, wo er außer Peking auch Tokio und Seoul besuchen will.

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