Di, 21. November 2017

Rockpaket in Wien

27.11.2013 01:40

Skid Row und Ugly Kid Joe boten Nostalgie-Reise

Die ersten richtigen Schneeflocken vermittelten Weihnachtsstimmung und Besinnlichkeit, doch damit war Dienstagabend beim Betreten der Ottakringer Brauerei Schluss. Mit Ugly Kid Joe und Skid Row haben zwei echte Rock-Legenden der frühen 90er-Jahre den Weg in die Bundeshauptstadt gefunden. Sie feierten passenderweise auch den Tour-Abschluss, bevor es in die weihnachtliche Ruhepause ging.

Beide US-Combos haben die letzten Jahre nicht ohne Schrammen überstanden. Ugly Kid Joe reformierten sich erst 2010 und haben mit der digital veröffentlichten EP "Stairway To Hell" einen veritablen Bauchfleck gelandet. Die New-Jersey-Band Skid Row hat sich mit der aktuellen Veröffentlichung "United World Rebellion – Chapter One" wieder in alter Stärke zurückgemeldet, muss aber immer noch damit leben, dass Sänger Johnny Solinger (mittlerweile schon 14 Jahre in der Band) niemals den Kultfaktor von Gründungsmitglied Sebastian Bach erreichen wird.

Mit Stimme, Charme und Witz
Rein qualitativ gibt es an diesem Abend aber absolut nichts an den Fertigkeiten des Frontmannes auszusetzen, denn Solinger singt sich von Beginn an gekonnt durch All-Time-Klassiker wie "Big Guns", "Piece Of Me" oder die einstige Teenager-Disco-Ballade "18 And Life" und lässt Bach vergessen. Nur bei den ganz hohen Tönen stößt der 48-Jährige an seine Grenzen. Solinger zeigt sich nicht nur stimmlich in Topform, sondern lässt auch Witz und Charme walten. So begrüßt er die Fans mit "Wir sind die Drecksäcke aus den USA und spielen heute hier in eurem wunderschönen Land" oder fordert das Publikum zum Twittern auf, da man "in den Staaten nicht einmal mehr essen oder miteinander schlafen kann, ohne einen Tweet abzuschicken".

Obwohl der Sound im Dachgeschoß der Ottakringer Brauerei nicht anstandslos perfekt aus den Boxen dröhnt, sorgen Bassist Rachel Bolan und der neue Drummer Rob Hammersmith für die perfekt akzentuierte Rhythmusunterlage, ohne die keine so starke Stimmung in der Halle aufkommen würde. Das eröffnende "Let's Go" und "Kings Of Demolition" beweisen auch live, dass das ganz neue Material hervorragend in die Vergangenheitsretrospektive eingewoben werden kann.

Ironie ohne Peinlichkeit
Nachdem Bolan beim Ramones-Cover "Psycho Therapy" ans Mikro durfte, feuern Skid Row ein Hitfeuerwerk ab. "Monkey Business" und "Slave To The Grind" haben mehr als 20 Jahre nach der Entstehung nichts von ihrer Intensität verloren, das programmatische "Youth Gone Wild" wirkt angesichts des fortschreitenden Alters der Band und der treuen Fans zwar etwas ironisch, aber zu keinem Zeitpunkt schwach. Obwohl als Double-Headliner-Show angekündigt, sollten Skid Row bereits der Höhepunkt für viele Anwesende gewesen sein.

Verstecken müssen sich auch Ugly Kid Joe nicht, da sie schon im Vorjahr für viel Begeisterung in der Szene sorgten. Der ewig juvenile Sänger Whitfield Crane und seine Kollegen gehen im Vergleich zu Skid Row wesentlich handzahmer und Pop-lastiger ans Werk, können die Fans aber schon mit "V.I.P." und "Neighbor" zum ekstatischen Kreischen und Klatschen bringen. Härtere Stücke wie "Jesus Rode A Harley" funktionieren zwar ausgezeichnet, um für richtig viel Lärm im Publikum zu sorgen braucht es aber schon den ewigen Erfolgshit "Cat's In The Cradle".

Zusammenspiel beim Finale
Crane merkt während der Show an, dass Wien die 29. und letzte Tour-Station in Europa ist, er sich angesichts des Publikumszuspruchs aber nirgendwo anders wohler fühlen würde als hier. Als besonderes Gimmick darf die Supportband Dead City Ruins den AC/DC-Klassiker "Rock'n'Roll Damnation" mit Ugly Kid Joe spielen – Liebesbekundungen und gegenseitige Dankensworte inklusive.

"Everything About You" wird als letztes Highlight angespielt, bevor die Amerikaner mit dem Motörhead-Cover "Ace Of Spades" einen gefeierten, aber wenig kreativen Schlusspunkt wählen. An einem Abend voller Nostalgie ist der Song aber die perfekte Abrundung eines Pakets, das die Rock-Vergangenheit würdig und ohne Peinlichkeiten widerspiegelte. Ein schaler Beigeschmack bleibt nur bei der Logistik, denn nach Abklingen der letzten Töne waren auch die Öffis in die Nachtruhe entschwunden.

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