Fr, 24. November 2017

Nach Wind-Farce

25.11.2013 13:46

„Schlieri“ kritisiert Jury: „Das ist respektlos“

Weltcup-Titelverteidiger Gregor Schlierenzauer steht nach dem turbulenten Saisonauftakt ohne Punkte da. Als moralischer Sieger kann sich der Skisprungstar nach seiner gemeinsam mit Anders Bardal vollzogenen "Verweigerung" wegen zu gefährlicher Windverhältnisse aber dennoch sehen. Der Jury richtete er aus, ihre Vorgangsweise sei den Athleten gegenüber "schon ein bisschen respektlos".

"Ich respektiere diese Entscheidung im höchsten Maße, und es ist in dieser Situation möglicherweise mutiger, Nein als Ja zu sagen", brachte es Bardals österreichischer Trainer Alexander Stöckl auf den Punkt.

"Wir haben das nicht nötig"
Die beiden besten Springer der vergangenen beiden Jahre hatten im windbedingt zur Hängepartie gewordenen Einzelbewerb den Schanzenturm verlassen, ohne gesprungen zu sein. Es sei vor allem in Hinblick auf Olympia zu gefährlich gewesen, betonte Schlierenzauer. "Neun Meter Wind sind einfach gefährlich, da ist die Sicherheit des Athleten nicht mehr im Vordergrund. Deshalb war die Entscheidung für uns klar, dass wir das nicht nötig haben und dass wir sozusagen die Zelte abgebrochen haben."

Zu wenig Herzblut bei den Verantwortlichen?
Die später revidierte Ansetzung eines zweiten Durchgangs komme einem Affront gleich. "Ich habe mich eigentlich schon ein bisschen gewundert, muss ich sagen", meinte Schlierenzauer. Die Entscheidung, nach fünfstündigem Herumtun und dem Abtreten wegen zu großer Gefährdung auch noch einen zweiten Durchgang ins Visier zu nehmen, sei auch "ein bisschen respektlos". Er stelle sich die Frage, ob das notwendig gewesen sei und die Verantwortlichen "mit dem richtigen Herzblut" dabei seien.

Der Entschluss, nicht zu springen, sei auch im Nachhinein betrachtet vor allem wegen des großen Gefahrenpotenzials richtig gewesen. "Die Sicherheit jedes Athleten ist im Vordergrund. Wenn acht bis neun Meter Wind von allen Richtungen herrschen, dann ist von einem fairen Wettkampf sowieso nicht zu reden, und sicher ist es dann halt auch nicht mehr. Und es geht schlussendlich auch um Olympiamedaillen in diesem Jahr, und da muss man nichts Sinnloses riskieren - und speziell nicht am Saisonanfang", meinte der Weltcup-Rekordsieger.

Pointner: "Man wird Spielball einer Show"
ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner, mit dem er sich vor der Entscheidung beraten hatte, ärgerte sich über die seiner Meinung nach unrühmlichen Jury-Entscheidungen. Vor allem das Andenken eines zweiten Durchganges sei lachhaft und respektlos gewesen. "Man hat zur Belustigung aller Athleten einen zweiten Durchgang angesetzt. Ich muss sagen, das zeugt von Respektlosigkeit gegenüber den Athleten. Man hat fast den Anschein, man wird zum Spielball einer Show, die da aufgezogen wird."

Der Weltcup-Auftakt sei jedenfalls kein Ruhmesblatt für die Verantwortlichen. "Ich bin enttäuscht und muss mich fast ein bisschen schämen, was da momentan abgeht", betonte Poitner. Er gab aber auch zu, dass die Leistungen der meisten seiner Springer am ersten Wochenende nicht zufriedenstellend gewesen seien.

Die nächsten Chancen bekommen Schlierenzauer und Co. am kommenden Wochenende in Kuusamo. Auf der windanfälligen Anlage von Ruka gehen zwei Einzelbewerbe in Szene. Ob der in Klingenthal gestürzte Andreas Kofler nach Finnland reisen kann, entscheidet sich am Montag.

Der Tiroler erlitt eine Rippenprellung, eine kleine Fleischwunde und Abschürfungen an der Schulter. Weitere Untersuchungen in Innsbruck sollen Gewissheit bringen, ob der Olympiazweite von Turin 2006 die Reise nach Skandinavien mitmachen kann.

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