Di, 21. November 2017

Klingenthal-Springen

24.11.2013 17:36

Biegun gewinnt Wind-Farce, „Schlieri“ verweigerte

Die beiden Top-Leute des vergangenen Skisprung-Weltcup-Winters, Gregor Schlierenzauer und der Norweger Anders Bardal, haben am Sonntagabend nach schier endlosem Zuwarten beim Auftakt zur neuen Saison in Klingenthal ein Zeichen gesetzt und sind im ersten Durchgang nicht mehr angetreten. Der Sieg in der Wind-Lotterie ging nach nur einem Durchgang an den Polen Krzysztof Biegun. Bester ÖSV-Adler wurde Manuel Fettner als Elfter.

Nach zweistündiger Verzögerung wegen Windes begann die erste Einzelkonkurrenz der Saison unter sehr widrigen Bedingungen. Nach extrem langem Zuwarten auf der Schanze sorgten die letzten beiden Starter im ersten Durchgang, Weltcup-Titelverteidiger Schlierenzauer und sein "Vize" Bardal, für einen Eklat und traten zum ersten Sprung nicht mehr an.

Mutiges Zeichen Richtung Jury
Sie setzten damit ein mutiges Zeichen in Richtung Jury, die in der Folge aber sogar erklärte, dass es trotz gleich gebliebenen Wetters noch einen zweiten Durchgang geben werde. Die Verantwortlichen mussten dann aber zumindest in dieser Hinsicht der höheren Gewalt klein beigeben. Wind und Wetter machten endgültig einen Schlussstrich unter eine Veranstaltung, die wegen ihrer Widrigkeiten noch für viele Diskussionen sorgen dürfte.

"Wir haben das gemeinsam besprochen, wir sind schon lange im Geschäft. Wir hatten Wind mit teilweise acht Metern pro Sekunde von der Seite, das ist gefährlich", sagte Schlierenzauer, und dies müsse man sich in einer Olympia-Saison schon gar nicht antun. "Jeder kann das einschätzen, dass das von der sportlichen Wertigkeit nicht erste Sahne war. Deshalb haben wir entschieden, dass wir runtergehen", erklärte Schlierenzauer, der dies nach Rücksprache mit Cheftrainer Alexander Pointner auch tat. "Die Coaches sind auch lange im Geschäft und wissen das einzuschätzen."

Pointner kritisiert Vorgangsweise
Pointner stellte sich voll hinter Schlierenzauer und verurteilte die Vorgangsweise der Jury. "Solchen Athleten wie Bardal und Schlierenzauer so in den Rücken zu springen, ist einfach respektlos", ärgerte sich Pointner im Gespräch. "Lässt man sich so zum Spielball des Spitzensports machen oder nicht?", stellte Pointner in den Raum und unterstützte den 50-fachen Weltcupsieger Schlierenzauer. "Der Gregor macht alles mit. Er trägt diesen Zirkus, ist auf vielen Bühnen tätig."

Doch nach insgesamt rund fünfstündiger Abrufbereitschaft sei dieser Bewerb von Beginn an eine Gratwanderung gewesen und habe sich dann zu einer sportlichen Wertlosigkeit entwickelt. Pointner: "Wenn jemand länger am Balken gesessen ist, war er einen Stundenkilometer langsamer, weil auch Schneefall war, und es waren die unterschiedlichsten Winde. Und dann ist es gefährlich geworden. Der Grat zwischen sportlicher Wertlosigkeit und Gefahr ist schleichend."

Unterstützung für "Schlieris" Entscheidung
In einem Telefonat mit Schlierenzauer hatte Pointner erklärt, er werde jede Entscheidung unterstützen, Schlierenzauer traf dann die Entscheidung selbst. "Die zwei Athleten haben den Gesamtweltcup gewonnen und haben sich oben zusammengeredet. Ich habe ihnen die Information gegeben, wie es momentan ausschaut, und sie wollten sich der Gefahr nicht aussetzen", konstatierte Pointner.

Die größte Farce aus Pointners Sicht sei gewesen, dass man die Ampel gar nicht eingeschaltet habe. "Meines Erachtens war es willkürlich, was sie gemacht haben. Die Ampel ist nie gelaufen, weil es nie gegangen wäre." Der Durchgang ist aus Pointners Sicht also nie korrekt beendet worden. "Und dann diese Frechheit zu besitzen, einfach die Resultate und die Beginnzeit des nächste Durchgangs einzublenden! Springen wir den nächsten Durchgang auch noch, weil es gerade so lustig ist..."

Erfolgloser ÖSV-Protest
Darum protestierte Pointner auch gegen die Wertung der Konkurrenz, der Protest wurde aber rasch von der FIS abgewiesen. Die österreichische Mannschaft wäre übrigens in einem zweiten Durchgang nicht mehr gesprungen.

Andreas Kofler stürzte nach dem Aufsprung in die Bande des Auslaufs. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus gab es aber Entwarnung: Der Tiroler hat sich zum Glück nicht mehr zugezogen als ein paar Prellungen.

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