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Viel zu lasch?

22.10.2013 09:53

Tierschutz und Politik diskutieren Exoten-Gesetze

Zum wiederholten Mal wurde vergangene Woche eine ausgesetzte Würgeschlange aufgefunden. Tierschützer fordern schon lange strengere Vorschriften für die Haltung exotischer Wildtiere. Nun wird diese Forderung auch von der Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima unterstützt, Schlangenfans protestieren hingegen gegen strengere Gesetze.

Nachdem in einem Wald bei Graz schon wieder eine Würgeschlange aufgefunden wurde (Bericht siehe Infobox), fordert Sima nun ein generelles Verkaufsverbot von Gift-, Riesen- und Würgeschlangen in ganz Österreich. Tierschutzorganisationen begrüßen diesen Vorstoß, während Schlangenfans und -halter wenig begeistert sind.

Tierschützer kritisieren Exotenmessen
Die "Vier Pfoten" wünschen sich schon seit Jahren das Erstellen einer Positivliste mit Tierarten, die für die Privathaltung geeignet sind, eine gesetzlich vorgeschriebene Sachkunde- und Eignungsprüfung für die Halter sowie ein generelles Verbot von Tierbörsen, wo die exotischen Wildtiere oft kaum Bewegungsfreiheit haben und extremem Stress ausgesetzt sind. Auch dem "Verein Gegen Tierfabriken" (VGT) sind Reptilienbörsen ein Dorn im Auge, da dort jede Person ohne Nachweis von Sachkenntnis ein Reptil erwerben könne.

Veranstalter: "Abstruse Forderungen"
Alexander Dobernig, Veranstalter der "Exotica Reptilienbörse", sieht die Dinge freilich ganz anders: "Gerade Reptilienmessen bieten dem Einsteiger wie Profi die Gelegenheit, sich mit einer Vielzahl von erfahrenen Züchtern zu unterhalten und sich über alle Anforderungen der Tierhaltung zu informieren." Wer seine Veranstaltung besucht, erhalte "in wenigen Stunden" alle notwendigen Informationen zur "perfekten" Haltung eines Terrarientieres, so Dobernig in einer Aussendung. Simas Ideen hält er für "abstrus".

Haltung birgt große Risiken
Doch nicht nur der Erwerb, sondern auch die mit der Haltung von von exotischen Schlangen, Reptilien, Amphibien oder Säugetieren verbundenen Risiken machen den Tierschützern Sorgen. "Giftige Tiere können nicht nur für den Halter selbst, sondern auch für unbeteiligte Personen ein großes Sicherheitsrisiko darstellen. Einige Arten können zudem für den Menschen gefährliche Krankheiten übertragen", so Indra Kley von den "Vier Pfoten".

Immer mehr Exoten ausgesetzt
Werden die exotischen Wildtiere ausgesetzt, besteht außerdem die Gefahr, dass die heimische Fauna negativ beeinflusst wird oder einheimische Arten gar verdrängt werden. Kley: "Dass der Fund von exotischen Wildtieren in österreichischen Wäldern bei weitem kein Einzelfall mehr ist, zeigt, dass diese Gefahren durchaus real sind und die Haltungsvorschriften unbedingt überarbeitet werden müssen."

Nationalrat stimmte bereits 2011 ab
Bereits im Jahr 2011 beschloss der Nationalrat, die Haltungs- und Lebensbedingungen von Exoten in Österreich zu verbessern. Damals wurden Anträge auf ein Verbot des Verkaufs exotischer Tiere bei Messen und anderen Veranstaltungen, die Einführung einer Sachkundeverordnung für deren Haltung sowie ein Verbot der Haltung von Gift- und Riesenschlangen einstimmig von den Abgeordneten angenommen. Bisher wurde aber keiner dieser Punkte gesetzlich umgesetzt.

Kley: "Wir begrüßen, dass das Thema durch Stadträtin Ulli Sima wieder einen Weg in die Politik gefunden hat, und hoffen, dass verschärfte Vorschriften zur Haltung exotischer Wildtiere so rasch wie möglich umgesetzt werden."

Weitere Informationen zur "Vier Pfoten"-Kampagne finden Sie hier.

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