Mi, 22. November 2017

Fall Kremsmünster

13.10.2013 12:29

Opfer: „Kann nichts anderes einklagen als Geld“

Nachdem ein Ex-Pater des Stiftes Kremsmünster in Oberösterreich wegen Missbrauchs nicht rechtskräftig zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, fordern ehemalige Schüler Schadenersatz. Rechtsanwalt Johannes Öhlböck, der an die 50 Opfer u.a. aus der Causa Wilhelminenberg vertreten hat, hält es für nicht akzeptabel, dass die Soforthilfe der Klasnic-Kommission auf Schadenersatzzahlungen angerechnet werden soll. Sein Mandant Benedikt P. (Name geändert) schilderte im Gespräch mit der APA, was ihn zum Gang vor Gericht bewogen hat.

Sie waren zum Zeitpunkt der Übergriffe im Internat untergebracht. Können Sie beschreiben, wie Sie sich damals gefühlt haben?
Benedikt P.: Am Anfang habe ich die Quälerei der Prälaten weggesteckt, weil ich gut integriert war. Aber man verliert allmählich den Anschluss an die Gleichaltrigen.

Haben Sie sich gewehrt?
Benedikt P.: Ich habe mich gewehrt. Ich habe mich auch an die Polizei gewandt. Damals war ich 14. Ich erklärte dem Beamten in einem Hinterzimmer, dass ich missbraucht wurde. Er sagte, ich solle wieder zurück ins Stift gehen, er werde sich darum kümmern. Passiert ist nichts. Im Stift gab es keinen Ansprechpartner. Man kann nicht weg und man will auch nicht daheim über das Geschehene reden. Glücklicherweise hat mich mein Vater wenig später wegen anderer Gründe von der Schule genommen.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie die Übergriffe so sehr verdrängt haben, dass Sie später Erinnerungslücken hatten?
Benedikt P.: Ich habe eine Psychotherapie gemacht. Dadurch und durch einige Äußerungen meiner Mutter zu Ereignissen in der Vergangenheit bin ich draufgekommen, dass mir ein Jahr fehlt. Ich habe zum Beispiel keine Ahnung, welche Noten ich damals hatte. Erst in den vergangenen Monaten haben sich Erinnerungen aus dieser Zeitspanne dazugesellt. Ich grabe aber nur so weit, wie es nötig ist. Ich glaube, es tut mir nicht gut, das alles aufzuarbeiten.

Wie haben Sie den Strafprozess gegen den ehemaligen Konviktsdirektor erlebt?
Benedikt P.: Ich habe die Vorbereitung erlebt, dann habe ich mich zum Selbstschutz ferngehalten. Die Schuld sehe ich nicht bei ihm allein. Wir hatten einen Pädophilen, zwei Prügler, einen, der im Suff mitgemacht hat, und zwei hormongeschwängerte Jungpfarrer. Es war ein Ausliefern von Kindern an diese Leute. Dass Schüler für vogelfrei erklärt und dann von allen geprügelt werden, das muss man sich erst erarbeiten. Es war ein geschlossenes System.

Würden Sie Ihre eigenen Kinder in eine Klosterschule schicken?
Benedikt P: Ich würde meine Kinder nicht nach Kremsmünster schicken und auch nicht auf ein Internat. Mit einer guten, kirchlich geführten, öffentlich-rechtlichen Schule hätte ich kein Problem.

Sie fordern 30.000 Euro Schadensersatz. Man könnte auch sagen, Sie wollen jetzt Kapital aus der Sache schlagen.
Benedikt P.: Man kann nichts anderes einklagen als Geld. Aber ich will es nicht haben. Alles, was erstritten wird, geht an eine Institution, die Opfer sexuellen Missbrauchs in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen unterstützt.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden