Mi, 13. Dezember 2017

Killertruppe in Haft

30.09.2013 16:55

"Rambo" und die "Söldner des Bösen"

Diese Geschichte hat das Zeug zu einem echten Thriller, ist selbst der ermittelnde Staatsanwalt überzeugt: Unter der Führung des früheren Ausbildners der US-Armee Joseph "Rambo" Hunter (Bild links) soll sich eine internationale Gruppe von Ex-Militärs als "Söldner im Namen des Bösen" anheuern haben lassen. Ihr Repertoire beinhaltete dabei neben Security-Aufgaben und Kokain-Schmuggel nicht zuletzt auch Auftragsmorde, wie aus der Anklageschrift der New Yorker Staatsanwaltschaft hervorgeht. Die Männer wurden in der Vorwoche verhaftet.

Der 48-jährige Hunter hatte 2004 die US-Armee verlassen, wie US-Medien übereinstimmend berichteten. Wie viele seiner Kameraden wollte der Ex-Soldat mit seinen militärischen Fertigkeiten in der Privatwirtschaft reüssieren. Er rekrutierte vier ehemalige Militärangehörige aus den USA, Deutschland und Polen.

Die beiden deutschen Teammitglieder, der 27-jährige Dennis Gogel und der 29-jährige Michael Filter, waren ausgebildete Scharfschützen der Bundeswehr. Beide hatten laut Berichten im Jahr 2009 ihre Uniformen abgelegt. Slavomir Soborski war Anti-Terror-Experte bei der polnischen Armee, und der US-Amerikaner Timothy Vamvakias trug zuletzt den Dienstgrad eines Sergeant, bevor er aus dem aktiven Dienst ausschied.

Staatsanwalt: "Wie ein Thriller von Tom Clancy"
"Die Anschuldigungen lesen sich wie in einem Thriller von Tom Clancy", kommentierte der zuständige New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara die Arbeit des Killer-Kommandos bei einer Pressekonferenz vergangenen Freitag. Ein knappes Jahr lang hatte der Ankläger die fünf Beschuldigten über vier Kontinente verfolgen lassen, nachdem er Hunters Fährte in Zusammenhang mit einem anderen Fall aufgenommen hatte.

Unter anderem sollen die Söldner Kokain-Transporte kolumbianischer Drogenkartelle auf dem Luftweg gesichert haben. Zudem arbeitete das Quintett dem Staatsanwalt zufolge als Leibwächter für diverse Drogenbosse. Doch damit hatten die Männer nicht genug, sie wollten "Bonusjobs" - ein Euphemismus für Morde, die extra entlohnt wurden. Bharara zufolge habe "Rambo" in der Vergangenheit mehrere Morde erfolgreich für seine Arbeitgeber "abgewickelt".

"Bonusjob" wurde Söldnertruppe zum Verhängnis
Ein solcher "Bonusjob" war es aber, der die Karriere der Söldner letztlich auch beenden sollte. Sie wurden von Ermittlern in eine Falle gelockt, die als Drogenhändler getarnt die Morde an einem Drogenfahnder der US-Drogenvollzugsbehörde DEA und einem Informanten aus dem Drogenmilieu in Auftrag geben wollten. Den Killern seien für die beiden Morde insgesamt rund 800.000 US-Dollar in Aussicht gestellt worden, heißt es in der Anklageschrift. Die Verhandlungen zwischen den Auftragsmördern und den getarnten Lockvögeln wurden demnach aufgezeichnet.

Für die Vorbereitungsarbeiten zur Beseitigung des US-Drogenfahnders und dessen Informanten reisten die Söldner dann nach Angaben von Bharara um die halbe Welt. Sie besorgten Maschinenpistolen - "MAC-10, MP5, P90, MP7, irgendetwas Kleines". Auf der "Einkaufsliste" waren neben zwei kleinkalibrigen Pistolen mit Schalldämpfer - "diese sind ein Muss!" - auch zwei Schutzwesten und ein MR308-Gewehr inklusive Zielfernrohr und Transportbehälter vermerkt.

Auftragsmorde akribisch vorbereitet
Ihre Opfer kundschafteten die Ex-Militärs monatelang aus. Thailand, Mauritius, die Bahamas und New York waren dabei die Zwischenstationen der Killer, die sich sogar spezielle Gesichtsmasken beschafften, um aus den beiden US-Amerikanern und einem der Deutschen drei Afrikaner zu machen. So sollten sie im westafrikanischem Liberia, wo sie zuschlagen wollten, unerkannt bleiben.

Doch trotz der professionellen Vorbereitung gingen die Söldner den Ermittlern schließlich in die Falle. Sie wurden in der Vorwoche festgenommen. Für Joseph "Rambo" Hunter klickten in Thailand die Handschellen, der zweite US-Amerikaner des Teams und einer der Deutschen wurden in Liberia dingfest gemacht. Für den Polen und den zweiten Mann aus Deutschland war in Estland Endstation, wo sie derzeit auf ihre Auslieferung an die USA warten.

Die Ex-Soldaten wurden wegen Verschwörung zu Auftragsmorden und weiteren Verbrechen in Zusammenhang mit Drogengeschäften angeklagt. "Die Anklageschrift zeigt eine internationale Truppe gut ausgebildeter Scharfschützen, die sich als militärisch ausgebildete 'Hired Guns' im Namen des Bösen anheuern lassen", erklärte der Staatsanwalt.

Deutscher Scharfschütze: "Ich liebe diese Arbeit"
Um die Kaltblütigkeit der Männer zu verdeutlichen, nannte Bharara weitere Details aus den Ermittlungsakten. Demnach sagte etwa der deutsche Scharfschütze, der die Morde in Liberia ausführen sollte, bei einem Treffen: "Das macht Spaß. Also mir macht das Spaß. Ich liebe diese Arbeit." Die drei Hauptverdächtigen, Hunter, Vamvakias und Gogel, bekannten sich mittlerweile nicht schuldig.

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