Mo, 11. Dezember 2017

Ausland zur Wahl

30.09.2013 11:47

"Der Wind der Rechten weht über die Donau"

Ein "schauriger Triumph" des rechten Lagers, "Haiders Erbe auf Erfolgskurs" oder "Der Wind der Rechten weht über die Donau": Mit teils sehr theatralischen Wortspenden ist das Ergebnis der Nationalratswahl in den Zeitungen unserer Nachbarländer kommentiert worden. "Der wahre Sieger der Wahlen war Haiders Nachfolger an der Spitze der FPÖ, Heinz-Christian Strache", bringt die renommierte italienische Tageszeitung "La Stampa" die ausländische Sichtweise des Wahlausgangs am Montag auf den Punkt. Prognose für die nächsten fünf Jahre: "Weiterwursteln".

Nicht nur die heimischen Zeitungskommentatoren sehen im Ausgang der Nationalratswahl eine Schlappe für die Regierungsparteien - und rechnen alles andere als euphorisch mit einer sehr wahrscheinlichen Neuauflage der rot-schwarzen Koalition. Von Italien über Deutschland und die Schweiz bewerten auch unsere Nachbarn das Ergebnis des Urnengangs als Warnung für Rot-Schwarz und Sieg der Blauen.

FPÖ-Zugewinne als "schauriger Triumph"
"Das ist also die Nachricht dieses Wahltages: Das rechte Lager in der Zweiten Republik hat mehr als 30 Prozent der Stimmen ergattert. Was für ein schauriger Triumph", fröstelt es die "Süddeutsche Zeitung". "Der Wind der Rechten weht über die Donau", schreibt die "Repubblica" theatralisch. Die italienische Tageszeitung sieht Heinz-Christian Strache, "charismatischer Leader der radikalen Rechten", als "wahren Sieger".

"Haiders Erbe auf Erfolgskurs. Heinz-Christian Strache ist der wahre Sieger der Wahlen in Österreich", schreibt auch der "Corriere della Sera". Das Wahlergebnis bezeuge demnach den "klaren Erfolg der extremen Rechten in einem zersplitterten politischen Spektrum". Einen "unbremsbaren Erfolg der extremen Rechten in Europa", beschwört auch "La Stampa" angesichts des Wahlausgangs herauf. "Enttäuscht vom Regierungsbündnis haben Hunderttausende österreichische Wähler für die rechtsorientierte Oppositionspartei gestimmt", heißt es im serbischen "Blic". Und für die slowakische "Hospodarske noviny" ist "gerade das Wahlergebnis der Freiheitlichen eine Warnung für Europa".

Team Stronach: "Euro-Hasser" und "Bunteres Neues"
Auch das Team Stronach bekommt in den ausländischen Medien sein Fett ab. "Knapp, aber drin: Im österreichischen Parlament sitzen künftig neue Euro-Hasser und Anhänger eines Todesstrafen-Befürworters", heißt es etwa bei Bild.de. Fast schon als Lob für die Truppe des Milliardärs mutet demgegenüber die Bewertung im italienischen "Il Messaggero" an: "Auch Österreich sucht mit neuen Parteien wie dem Team Stronach, oder der liberalen NEOS eine mögliche Erneuerung und flüchtet nicht nur zu den weniger toleranten Rechten. Es belohnt das buntere Neue, wie die Partei, die den Namen des Milliardärs Stronach trägt."

Österreicher als veränderungsunwillige Jammerer
Wenig rosig indes die Zukunftsperspektiven für Österreich. So fragt etwa die "Neue Zürcher Zeitung" am Montag, "ob sich Österreich eine weitere fünfjährige Periode des Weiterwurstelns leisten kann". "Die Wähler haben der großen Koalition einen Denkzettel verpasst. Und wie so oft bei österreichischen Wahlen profitieren vom Protest die Rechtspopulisten", heißt es im "Tagesanzeiger". Österreichs Wähler würden zwar gerne über den Stillstand in der Politik jammern. "Aber Veränderung? Die wollen sie dann doch nicht", spart die Züricher Zeitung zudem nicht mit Kritik an den heimischen Wahlberechtigten.

Von einer "Gelben Karte" für die große Koaltion ist in der "Passauer Neue Presse" die Rede. Ob SPÖ/ÖVP diese Warnung verstanden habe, wird allerdings angezweifelt. "Mit den gezählten Stimmen können die Parteichefs nicht gerade zufrieden sein. Die Sozialdemokraten und die ÖVP haben nämlich das schlechteste Wahlergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg verbucht", geht auch die slowakische "Pravda" mit den Regierungsparteien hart ins Gericht.

Kein freundliches Wort verliert die Prager Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" über die Lage in der Alpenrepublik: "Nichts Umwälzendes ist im wohlhabenden Österreich passiert. In dem langweiligen Land, wo zwar ab und zu ein Korruptionsskandal ausbricht oder ein Wilderer die Polizisten massakriert, kann es weiterhin Langweile geben."

Österreich, der chronisch kranke Patient
Auch nicht besser der Befund der "Mittelbayerischen Zeitung", die Österreich gleich als chronisch kranken Patienten sieht. "Die wichtigsten Symptome der Krankheit sind Gleichgültigkeit, Stillstand und dauernde Versteifung", schreibt das Regensburger Blatt. "Große Koalitionen stärken die Extreme, heißt es. So war es auch in Österreich in einem ersten Stadium der Krankheit, als die rechte FPÖ mit ihrem Jörg Haider von Wahl zu Wahl immer rechter und immer stärker wurde. Aber als die große Koalition in Österreich chronisch wurde, ließ die Partei jede Hoffnung auf Verwirklichung ihres Programms fahren und verlegte sich ganz darauf, die Wähler in ihren Affekten zu bestätigen. Eine Heilungschance ist nicht in Sicht."

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