Do, 14. Dezember 2017

Vorwürfe gegen Katar

27.09.2013 10:12

WM-Baustellen: Todesfälle bei "Sklaven"-Arbeitern

Zwangsarbeit und menschenunwürdige Bedingungen: Die negativen Schlagzeilen rund um das umstrittene Fußball-WM-Turnier in Katar 2022 reißen nicht ab. Bereits im März schlug der Internationale Gewerkschaftsbund (ITUC) wegen der extremen Arbeitsbedingungen, unter denen die Bauarbeiter aus Nepal, Indien und Sri Lanka enorm leiden, Alarm. Ein Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" über Dutzende Todesfälle unter den Handwerkern hat nun die Weltöffentlichkeit erneut erschüttert.

Wie das Blatt vor wenigen Tagen berichtete, sind zwischen dem 4. Juni und dem 8. August insgesamt 44 nepalesische Gastarbeiter auf den WM-Baustellen wegen Herzversagens oder Arbeitsunfällen gestorben.

Der "Guardian" beruft sich in seinem Bericht auf Unterlagen der nepalesischen Botschaft in Katar. Aus Nepal kommen die meisten der ausländischen Arbeiter für die WM-Projekte in dem Golfstaat. Der Zeitung zufolge kamen im vergangenen Jahr mehr als hunderttausend Arbeiter aus Nepal in das reiche Emirat, um sich in einem Leben in überfüllten Unterkünften bei den Bauprojekten für die WM zu verdingen.

Enorme Hitze und kein Wasser für die Arbeiter
Die vielen Todesfälle gehen vor allem auf die katastrophalen Bedingungen mit Zwangsarbeit bei Temperaturen von 50 Grad zurück. Viele Arbeiter würden seit Monaten nicht bezahlt. Auch sei ihnen der Pass weggenommen worden, damit sie nicht abreisen können. Es gebe trotz der Hitze kein kostenloses Wasser für die Arbeiter. Auch Verpflegung ist oft Mangelware.

Gastarbeiter: "Waren 24 Stunden lang ohne Essen"
"Wir haben 24 Stunden lang mit einem leeren Magen arbeiten müssen. Als ich mich beschwerte, attackierte mich mein Vorgesetzter und schmiss mich aus dem Arbeiterlager hinaus. Bezahlt wurde ich nicht", zitierte die britische Zeitung einen 27-jährigen Gastarbeiter. Ähnliche Berichte liegen auch von anderen Kollegen vor.

Nepalesische Gastarbeiter in Botschaft geflüchtet
Rund 30 nepalesische Gastarbeiter waren jüngst in die Botschaft ihres Heimatlandes geflüchtet und hatten von den Zuständen auf den WM-Baustellen berichtet. Dabei handelt es sich offenbar nicht um Einzelfälle. Die indische Botschaft in Katar vermeldete 82 getötete indische Gastarbeiter in den ersten fünf Monaten dieses Jahres und 1.460 Beschwerden über unwürdige Arbeitsbedingungen.

Prognose: Mehr tote Gastarbeiter als Fußballspieler bei WM
Der ITUC hat ausgerechnet, dass mindestens 4.000 Gastarbeiter ihr Leben gelassen haben werden, ehe das erste WM-Spiel angepfiffen wird. ITUC-Generalsekretär Sharan Burrow erhob auch schwere Vorwürfe gegen den Weltfußballverband FIFA. Anstatt die Not der asiatischen Migranten zu lindern, gebe es eine "Verschwörung" zwischen der FIFA und den katarischen Verantwortlichen.

"Wenn es die FIFA wirklich ernst meint, würde sie mit ihrer Macht für menschenwürdige Arbeitsverhältnisse sorgen oder den Gastgebern die WM entziehen", sagte Burrow der Nachrichtenagentur AP. Die FIFA habe in einer Sitzung im November 2011 versprochen, sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. "Sie hat versagt", urteilte Burrow.

FIFA will Vorwürfe prüfen
Die FIFA zeigte sich über die Berichte besorgt und kündigte an, die Verantwortlichen aus dem Wüstenstaat zu kontaktieren. "Diese Berichte werden beim Treffen des Exekutivkomitees am 3. bzw. 4. Oktober diskutiert", teilte der Verband auf Twitter mit.

Regierung in Doha ist "entsetzt" über Medienbericht
Auch die Regierung Katars hat inzwischen nach Angaben des WM-Organisationskomitees angekündigt, die Anschuldigungen prüfen zu wollen. "Wie jeder sind wir entsetzt über den 'Guardian'-Bericht", ließ das Komitee verlauten. "Die Gesundheit, die Sicherheit, das Wohlergehen und die Menschenwürde jedes einzelnen Arbeiters an den WM-Vorbereitungen ist für unser Komitee von äußerster Wichtigkeit."

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