Mo, 20. November 2017

Lehrplan entworfen

24.09.2013 13:17

USA: Urheberrechts-Propaganda in der Volksschule

Geht es nach den Interessensvertretungen der US-amerikanischen Film- und Musikindustrie, sollen künftig schon Volksschüler lernen, dass es gegen das Gesetz verstößt, Musik und Videos zu kopieren. Bald soll in kalifornischen Schulen in einem Pilotprojekt nach einem von der Content-Industrie entwickelten Lehrplan Urheberrecht unterrichtet werden. Gegnern des Vorstoßes geht das zu weit. Sie orten plumpe Propaganda.

Wie das US-Technikmagazin "Wired" berichtet, hat die Organisation iKeepSafe gemeinsam mit Interessensvertretungen der Content-Industrie Lehrpläne für Kinder verschiedenster Altersgruppen entwickelt – vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse. Geht es nach den Copyright-Schützern, sollen jeder Altersgruppe mit Diskussionen und Videos jene urheberrechtsbezogenen Infos vermittelt werden, die sie am besten verstehen kann.

Anwalt ortet plumpe "Unternehmenspropaganda"
"Diese schlecht verschleierte Unternehmenspropaganda ist falsch und unangemessen", kommentiert der auf Urheberrecht spezialisierte Anwalt Mitch Stoltz die dem Magazin vorliegenden Lehrpläne. Den Kindern werde von der Content-Industrie fälschlicherweise vermittelt, dass es sich bei Ideen um geistiges Eigentum handle und man die Erlaubnis brauche, um auf Basis der Ideen anderer etwas zu erschaffen.

"Die entscheidende Botschaft in diesem Lehrplan ist, dass der Schüler seine Zeit nicht für schöpferische Tätigkeiten verwenden, sondern über die Auswirkungen seines Tuns auf die Unternehmensprofite nachdenken soll", kritisiert Stoltz die Pläne der Rechteverwerter.

iKeepSafe kündigt Feinschliff am Lehrplan an
Die Unterhaltungsindustrie sieht das naturgemäß anders. Der Lehrplan sei gemeinsam mit Bildungsexperten entwickelt worden und optimal an das Alter der zu unterrichtenden Kinder angepasst, heißt es von iKeepSafe-Chefin Marsali Hancock.

Mit dem Vorwurf konfrontiert, es handle sich bei den Arbeitsaufgaben und Videos für den Unterricht um Propaganda, gibt sie zu, die Lehrpläne würden noch etwas Feinschliff benötigen. Grundsätzlich sei es aber eine gute Sache.

"Auf Basis unserer Forschung glauben wir, junge Menschen sind eine der wichtigsten Zielgruppen für unsere Erziehungsversuche", sagt auch die US-Abgeordnete Jill Lesser, die die Lehrpläne unterstützt. Geht es nach der Politikerin, soll der Copyright-Lehrplan nach seiner Testphase in Kalifornien im ganzen Land unterrichtet werden.

Lehrplan nicht objektiv, Schulen wollen nachbessern
Kritiker stören sich unterdessen nicht nur daran, dass überhaupt Unternehmensinteressen in der Schule gelehrt werden, sondern auch an den Inhalten der Lehrpläne. Während Verbote ins Detail abgehandelt werden, fehlen etwa Informationen zum Thema "Fair Use", also der eingeschränkt erlaubten Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte.

Kritikern der Copyright-Lehrpläne zufolge kann es sich dabei nicht um Zufall handeln. Das haben mittlerweile auch Kaliforniens Schulen eingesehen, wo man die Urheberrechtslehrpläne noch einmal überprüfen will, bevor man sie tatsächlich unterrichtet.

Man wolle die Inhalte etwas vernünftiger gestalten, verspricht man dort. Wie der Urheberrechtsunterricht in US-Volksschulen letztlich tatsächlich aussehen wird, dürfte sich schon bald zeigen. Das Pilotprojekt in Kalifornien soll noch heuer starten.

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