Sa, 16. Dezember 2017

Raich im Interview

23.09.2013 16:51

"Ich spüre, dass es das noch nicht gewesen ist"

In einem Monat, am 26. Oktober, fällt in Sölden der Startschuss zur neuen Ski-Saison. Für Benni Raich könnte es die letzte seiner so glanzvollen Karriere sein. "In meinem Alter", lächelt der Tiroler, der im Laufe des Winters schon 36 wird, "kann man zumindest sagen, dass es sicher nicht mehr ewig weitergeht!" Um im ausführlichen Interview mit der "Krone" zu erklären, warum er trotzdem nie ernsthaft ans Aufgeben dachte – und immer noch fest an sich selbst glaubt.

"Krone": Nach dem Trial-Unfall im Sommer und dem dabei erlittenen Muskelriss im Oberschenkel musstest du wieder mehr oder weniger bei null beginnen. Fragt man sich da mit 35 nicht manchmal selbst: Warum tu ich mir das alles noch an?
Benni Raich: Als das passiert ist, war ich vom Gefühl her in absoluter Top-Form. Danach zählte für mich nur noch, dass ich möglichst rasch wieder gesund werde. Ich habe mich richtig in dieses Ziel versteift. So sehr, dass Aufhören nicht einmal eine Sekunde ein Thema war!

"Krone": Und während der letzten Saison, als es meist nicht nach Wunsch gelaufen ist, auch nicht?
Raich: Da werden schon Leute gesagt haben: "Der Alte soll besser aufhören!" Ich selbst habe mir im Frühjahr viel Zeit gegeben, und dabei wurde rasch klar: Ich will nochmals richtig Gas geben. Alt genug wäre ich, erreicht habe ich auch genug – von dem her könnte ich es bleiben lassen. Aber ich spüre, dass es das noch nicht gewesen ist.

"Krone": Welche Rolle spielte dabei die Tatsache, dass im Februar in Sotschi wieder Olympische Winterspiele auf dem Programm stehen – es wären immerhin schon deine vierten?
Raich: Eine gar nicht so große, wie man vielleicht glaubt. Aber natürlich ist es ein großes Ziel, mich dafür zu qualifizieren. Und wenn man dort startet, zählt sowieso nur eine Medaille.

"Krone": Du hast schon vier von Winterspielen daheim, davon zwei Goldene – mit einer dritten wärst du der erste dreifache österreichische Olympiasieger in Einzeldisziplinen nach Toni Sailer.
Raich: Als ich 1988 während der Spiele in Calgary als damals zehnjähriger Bub vor dem Fernseher saß, merkte ich schon, dass Olympia etwas ganz Besonderes ist. Wahrscheinlich waren auch deshalb 2006 nach der ersten Goldenen im Riesentorlauf meine Emotionen nach außen hin so groß, wie man sie nie davor oder danach gesehen hat. Es gehört sicher nicht gezwungenermaßen zu einer großen Karriere, Olympiasieger zu sein. Aber es ist sehr schön, auch das auf seiner Visitenkarte stehen zu haben. Doch selbst an mögliche historische Dinge wie vielleicht eine dritte Goldene denkt man als Sportler nicht ständig. Für mich stand wie erwähnt weit mehr im Mittelpunkt, dass klar war: So wie es letzte Saison war, kann und will ich nicht aufhören!

"Krone": 2006 erlebte man mit den beiden Goldenen in Turin und dem Sieg im Gesamtweltcup danach den wahrscheinlich besten Raich aller Zeiten – wie weit bist du davon jetzt entfernt?
Raich: Hätt ich nicht gemerkt, dass da letzte Saison schon ein Stück gefehlt hat, wäre ich blind. Aber rein körperlich war ich damals sicher auch nicht besser drauf als jetzt!

"Krone": Heißt das also, dass die kommende Saison gar nicht deine letzte sein muss?
Raich: Ich werde das sicher nicht jetzt entscheiden. Aber man kann sagen, dass es die letzte Olympia-Saison wird: Bei den nächsten Spielen 2018 wäre ich fast 40 – in diesem Alter tu ich mir das sicher nicht mehr an. Nicht einmal ich.

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