So, 17. Dezember 2017

Terror in Kenia

23.09.2013 08:34

Blutiges Drama in Nairobi noch immer nicht beendet

Zwei Tage nach dem blutigen Überfall von islamistischen Terroristen aus Somalia auf ein Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi ist das Drama noch immer nicht beendet. Zwar erklärte die kenianische Armee am späten Sonntagabend, die meisten Geiseln seien wieder frei und die Sicherheitskräfte hätten den Großteil des Komplexes unter ihre Kontrolle gebracht. Am Montagmorgen waren aber erneut Schüsse aus dem Inneren der Shopping Mall zu hören, zudem drohten die Islamisten mit der Tötung weiterer Geiseln. Bei der Tragödie kamen bereits Dutzende Menschen ums Leben.

Nach Beginn des Terrorüberfalls Samstagmittag, als maskierte und mit Maschinenpistolen und Handgranaten bewaffnete Mitglieder der somalischen Al-Shabaab-Miliz in das Einkaufszentrum - etwa 1.000 Menschen sollen sich zu dem Zeitpunkt in dem Gebäude aufgehalten haben - eingedrungen waren und um sich geschossen hatten, waren am Montagmorgen noch immer Schüsse im Inneren des Gebäudes zu hören.

Außerdem drohten die Terroristen damit, die noch in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln zu töten. Ein Sprecher der Shabaab-Miliz teilte auf einer islamistischen Website mit: "Wir gestatten den Mujaheddin in dem Gebäude, gegen die Gefangenen vorzugehen." In der Erklärung hieß es, die Miliz sei in Kontakt mit den Geiselnehmern.

Die Einsatzkräfte in Nairobi hatten wiederholt versichert, alles Nötige für die festgehaltenen Angestellten und Kunden in der Shopping Mall "Westgate" zu tun und die Geiselnahme zu einem "raschen Ende" zu bringen. Die Behörden gingen von zehn bis 15 Angreifern aus und erklärten, sie hätten sie lokalisieren können. Einige von ihnen seien noch immer bewaffnet. Laut Militärangaben wurden bei der Befreiung von Geiseln am Sonntag mindestens vier Soldaten verletzt.

Israelische Experten und FBI-Spezialisten vor Ort
Die kenianische Regierung bot sogar die Elitetruppe Recce auf, um die Islamisten zu bekämpfen. Die Recce-Kommandos werden von israelischen Experten ausgebildet, nach Informationen der "Welt" waren die israelischen Sicherheitskräfte allerdings nicht aktiv an einem Einsatz der kenianischen Streitkräfte zur Rettung der Geiseln beteiligt.

Sie sollten dem Bericht zufolge "aufgrund ihrer Erfahrung hinter den Kulissen eine strategisch-beratende Funktion wahrnehmen". Viele Geschäfte des Einkaufszentrums gehören israelischen Eigentümern. Auch Spezialisten der US-Bundesbehörde FBI seien vor Ort. Laut "Welt" trugen sie schutzsichere Westen und Gummihandschuhe und sollten ebenfalls helfen, das blutige Geiseldrama zu beenden.

Dutzende Tote und Hunderte Verletzte
Jüngsten Berichten zufolge wurden bisher mindestens 68 Menschen getötet - darunter drei Briten, zwei Französinnen, zwei Kanadier, eine Niederländerin, eine Chinesin und ein Diplomat aus Ghana. Auch der bekannte ghanaische Dichter Kofi Awoonor kam ums Leben. Mehrere US-Bürger wurden verletzt. Ein Angreifer, der verletzt festgenommen worden war, starb im Krankenhaus an den Folgen seiner Schussverletzungen.

Ein Blogger, der mit den Geiseln in Kontakt stand, teilte im Kurznachrichtendienst Twitter mit, die Extremisten hätten am Abend weitere Geiseln ermordet und aus einem Fenster geworfen, nachdem Helikopter der Polizei auf dem Dach des Einkaufszentrums gelandet seien. Mehr als 200 Menschen würden vermisst, hieß es. Für diese Angaben gab es jedoch zunächst keine Bestätigung.

Die Angaben zu den Verletzten schwanken: Laut Kabinettssekretär Francis Kimemia sind es knapp 300, laut Rotem Kreuz 200, und Kenyatta sprach von 150. Der Staatschef kündigte in einer TV-Ansprache an: "Wir werden die Täter jagen, wohin sie auch rennen." Am Nachmittag hatte er Überlebende in einer Klinik besucht. "Lasst uns zusammen als eine Nation trauern", sagte Kenyatta da. Er selbst habe bei der Attacke seinen Neffen und dessen Verlobte verloren.

Al-Shabaab-Miliz: "Zeit, den Krieg in ihr Land zu bringen"
Zu dem Angriff, der schwerste Anschlag in dem Land seit einem Sprengstoffanschlag auf die US-Botschaft vor 15 Jahren, bekannte sich noch am Samstag die islamistische Al-Shabaab-Miliz aus Somalia. Kenia ist seit geraumer Zeit Zielscheibe terroristischer Anschläge somalischer Islamisten. 2011 waren kenianische Truppen in das Nachbarland einmarschiert, um die Al-Shabaab-Miliz zu bekämpfen.

"Lange Zeit haben wir Krieg gegen die Kenianer in unserem Land geführt, jetzt ist es an der Zeit, das Schlachtfeld zu ändern und den Krieg in ihr Land zu bringen", hieß es nach dem Angriff am Twitter-Account der Islamisten. In einem Bekennervideo erklärte die Al-Shabaab, sie wolle Kenia zu einem der unsichersten Orte der Welt machen, weil kenianische Soldaten in Somalia gegen die Miliz gekämpft hätten. "Es wird nie Frieden für euch geben, solange ihr eure Aggression fortsetzt", hieß es.

"Wenn ihr Muslime seid, werden wir euch verschonen"
Laut CNN teilten die Islamisten per Twitter zudem mit, dass es "keine wie auch immer gearteten Verhandlungen" geben werde. In einem weiteren Tweet hieß es, mehrere "Mujahedin" hätten sich in dem Gebäude verschanzt. Die Männer seien "ruhig und preisen Allah, dass sie für diese Aufgabe ausgewählt wurden". Auch gab die Miliz über den Kurznachrichtendienst, der den Account wenig später sperrte, bekannt, dass alle Muslime, die sich in dem Einkaufszentrum befunden hätten, vor Beginn der Gewalt hinauseskortiert worden seien.

Ein Überlebender berichtete einem kenianischen TV-Sender, dass die radikalislamischen Angreifer es gezielt auf Angehörige anderer Glaubensrichtungen abgesehen und gerufen hätten: "Flieht, wenn ihr Muslime seid, wir werden euch verschonen." Ein weiterer Augenzeuge berichtete: "Sie warfen eine Granate. Sie zeigten uns arabische Schriften. Wenn man sie lesen konnte, war man gerettet. Wenn man sie nicht lesen konnte, erschossen sie einen." Er ergänzte: "Ein Täter von ihnen schrie: 'Heute werdet ihr das wahre Gesicht von Al-Shabaab kennenlernen!'"

Al-Shabaab verübt immer wieder Terrorakte in Kenia
Kenia macht Al-Shabaab für Schießereien, Bombenanschläge und Granaten-Angriffe auf Kirchen und Sicherheitskräfte im Land verantwortlich. Schon seit Langem warnen Sicherheitsbehörden vor möglichen Terroranschlägen in Einkaufszentren in Kenia. Auch im "Westgate" werden alle Fahrzeuge vor der Fahrt aufs Parkdeck oder in die Tiefgarage kontrolliert, an den Eingängen werden die Besucher in der Regel mit Metalldetektoren untersucht.

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