Sa, 16. Dezember 2017

"Sind verzweifelt"

21.09.2013 17:25

Rund 400 Menschen demonstrierten gegen "Mahü Neu"

Menschen mit Transparenten, eine Mauer aus Papierschachteln, ein Großaufgebot an Polizei, erboste Betroffene am Mikrofon, tosender Applaus, Pfeiftiraden. Es war nur ein ganz kleiner Teil der Wiener Mariahilfer Straße, der Samstagmittag für Anrainer und Unternehmer gesperrt wurde, damit diese ihrem Ärger über das Projekt Fußgängerzone Luft machen konnten. Etwa 400 taten das auch.

"Ich bin seit 30 Jahren in meinem Herzen ein Grüner, aber ich würde mir jetzt lieber einen Finger abschneiden, als noch einmal diese Partei zu wählen", erklärt Geschäftsmann und Anrainer Günther Attarpour, der sich unter die Demonstranten gemischt hat. "Wir Trafikanten kämpfen bis aufs Blut. Wir sind verzweifelt. Seit dieses Mariahilfer-Straße-Projekt gestartet wurde, haben wir Einbußen bis zu 30 Prozent und mehr", klagt Trafikantin Verena Haller ihr Leid. Gemeinsam mit knapp 400 anderen machte sie am Samstag ihrem Ärger über die Mariahilfer Straße Luft.

Was schlussendlich aus dem Versuch "Mahü Neu" wird, steht am Montag auf der Tagesordnung in einer eigens einberufenen Sondergemeinderatssitzung. Und die könnte für Unterhaltungswert sorgen. Denn schon der von den Koalitionspartnern Rot-Grün eingebrachte Resolutionsantrag zu "etwaigen Adaptierungen" des Mahü-Projektes wird bereits im Vorfeld von den Sozialdemokraten selbst inhaltlich zerpflückt.

SP-Verkehrssprecher: "Es darf keine Art von Befahrung geben"
"Wir wollten genauere Formulierungen", sagt SP-Verkehrssprecher Gerhard Kubik. Warum sie nicht eingefordert wurden? "Eine Koalition ist wie eine Partnerschaft, man muss Kompromisse eingehen."

Und so wird bereits Punkt 1 im Antrag zerpflückt: "Der Gemeinderat ersucht die Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Stadtwerke, alternative Streckenführungen der Buslinie 13A prüfen zu lassen." Kubik: "Der Bus darf die Mariahilfer Straße nur queren - es darf keine Art von Befahrung geben."

"Echte Fußgängerzone" auf Mariahilfer Straße gefordert
Auch das Thema Radfahren scheint ihm zu schwammig formuliert zu sein. Radler weg also. Ein alternativer Radweg in der Lindengasse ist angedacht, aber offiziell am Montag kein Thema. Fix ist - darüber sind sich Rot-Grün einig -, es soll eine Fußgängerzone geben. "Aber eine echte", sagt Kubik. Sogar an einer Verlängerung der bisherigen Variante wird gefeilt.

FPÖ und ÖVP wird das gar nicht gefallen. "Wir fordern eine Wiederherstellung des Zustandes der Mariahilfer Straße vor den Umbaumaßnahmen", sagt FP-Politiker Toni Mahdalik. VP-Chef Manfred Juracka will umgehend eine Befragung zum Projekt: "Worauf bitte noch warten? Es ist keine Schande, Fehler einzugestehen."

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