Di, 21. November 2017

Tragbare Revolution

20.09.2013 14:58

Als das Handy läuten lernte: 30 Jahre Mobiltelefon

Es sah aus wie ein dicker Knochen, wog fast ein Kilogramm und der Akku reichte gerade einmal für eine halbe Stunde. Dennoch war das DynaTAC 8000x von Motorola eine Revolution: Das erste handliche und kommerziell vertriebene Mobiltelefon der Welt läutete vor 30 Jahren die Handy-Ära ein – und veränderte damit nachhaltig die Art und Weise, wie wir kommunizieren.

Am 21. September 1983 bekam Motorola die Zulassung für ein Gerät mit dem Namen DynaTAC 8000x. Es dauerte allerdings noch ein weiteres Jahr, ehe die ersten Kunden das Mobiltelefon in der Hand halten konnten. Mit einem Gewicht von knapp 800 Gramm und einer Höhe von 25 Zentimetern - ohne die schwarze Antenne – fand es allerdings im Gegensatz zu heutigen Modellen in keiner Hosentasche Platz.

Und auch der stolze Preis von 3.995 Dollar (rund 2.950 Euro) schloss eine Ausbreitung im Massenmarkt aus. Für das Geld bekam man etwa eine halbe Stunde Gesprächszeit und einen Speicher für 30 Telefonnummern. War der Akku leer, musste er zehn Stunden lang aufgeladen werden. Im schmalen Display leuchteten nur rot die gewählten Ziffern auf.

DynaTAC läutete Mobiltelefon-Revolution ein
Dennoch war es eine Revolution: Bisherige "Mobiltelefone" waren entweder fest in Autos verbaut oder mussten wie ein Koffer getragen werden. Dass sich dies mit dem DynaTAC änderte, war vor allem das Werk eines Mannes: Martin Cooper. Der Sohn ukrainischer Einwanderer wuchs zu Zeiten der Großen Depression in Chicago auf und sprengte im Korea-Krieg Eisenbahngleise, bevor er 1954 zu Motorola kam, wo er die Technik für das DynaTAC entwickelte.

Das erste Handy war keineswegs eine leichte Geburt: Die "Erbsenzähler" bei Motorola hätten ihm ein Jahrzehnt lang im Nacken gesessen, beschwerte sich Cooper einst in einem Interview mit dem "Economist". Sie hätten gefragt, wann er endlich damit aufhören würde, so viel Geld in sein Lieblingsprojekt zu stecken, und es endlich mal Geld abwerfen würde. "Es kostete so viel und dauerte so lange", räumte Cooper ein.

Markt im Wandel
Coopers Weitsicht wurde belohnt: Motorola wurde auf Jahre zum weltgrößten Handyhersteller. Erst 1998 stieß der finnische Aufsteiger Nokia die Amerikaner vom Thron, nachdem der weltweite Vormarsch des GSM-Funkstandards europäischen Rivalen Rückenwind gab. Doch zuletzt verpassten beide Handy-Schwergewichte den Anschluss an die Smartphone-Ära.

Nokia verkauft sein Mobiltelefon-Geschäft gerade an Microsoft und Motorola gehört mittlerweile zu Google. Der Suchmaschinengigant versucht dem Handy-Pionier gerade mit dem Modell Moto X neues Leben einzuhauchen. Das in Texas statt Asien montierte Smartphone soll unter anderem mit einer Vielfalt an Design-Varianten punkten.

"Handy-Vater" vom Erfolg seiner Erfindung überrascht
Inzwischen gibt es weltweit mehr als sechs Milliarden Mobilfunkanschlüsse. Der heute 84-jährige "Handy-Vater" Cooper wurde selbst vom Siegeszug seiner Erfindung überrascht. "Wir wussten, dass eines Tages jeder ein Telefon haben würde, aber es war schwer, sich vorzustellen, dass es zu meinen Lebzeiten passieren würde."

Die Bedienung heutiger Mobiltelefone findet Cooper übrigens zu kompliziert, wie er 2010 dem Nachrichtensender CNN verriet. Gemeinsam mit seiner Frau entwarf er deshalb das "Jitterbug" – ein Handy nur zum Telefonieren.

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