Mo, 18. Dezember 2017

Mit FBI-Software

19.09.2013 10:38

Spar wirft Kartellbehörde Spionage vor

Der Spar-Konzern erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bundeswettbewerbsbehörde: Diese habe bei einer kürzlich durchgeführten Hausdurchsuchung in der Regionalzentrale in Kärnten eine vom FBI entwickelte Spionage-Software eingesetzt, die in Österreich nicht einmal bei Gewaltverbrechen verwendet werden dürfe, sagte Spar-Vorstandschef Gerhard Drexel gegenüber den "Salzburger Nachrichten". Die BWB ermittelt seit Längerem wegen des Verdachts von Preisabsprachen zwischen Spar und seinen Lieferanten.

Laut Spar-Chef habe die Firmen-Firewall die via USB-Stick eingeschleuste Schadsoftware bemerkt und abgewehrt. In einer Telefonkonferenz mit der Bundeswettbewerbsbehörde, die auch protokolliert worden sei, hätten Beamte des Bundeskriminalamts angegeben, als Hilfsorgan bei der Hausdurchsuchung auf Wunsch der Bundeswettbewerbsbehörde eine ihnen neuartige Software eingesetzt zu haben, die sie über einen "befreundeten Dienst" erhalten hätten. "Das Programm heißt osTriage und ist eine Sammlung von Tools mit vielen Programmen und Inhalten", sagte Drexel.

Die Bundeswettbewerbsbehörde habe eingeräumt, selbst wenig über das Programm zu wissen. "Sie war überrascht, dass unsere Firewall das überhaupt bemerkt hat", so der Spar-Chef. Das Unternehmen habe dann Kontakt zum Entwickler des Programms beim FBI aufgenommen. Die Software sei demnach entwickelt worden, um schnell einen gesamten Zugriff auf ein System zu haben. Dadurch sollen unter anderem Daten mit der FBI-Datenbank abgeglichen werden können, etwa zur Terrorismusbekämpfung.

Spar beziffert Schaden mit mindestens einer Million Euro
Das Programm war nach Drexels Angaben mindestens 30 Minuten lang aktiv. Das reiche laut FBI-Experten, damit das gesamte Programm durchlaufe. Aber solange man den Stick von der Behörde nicht habe, könne nicht gesagt werden, was genau abgelaufen sei. "Wir können nicht sagen, wie groß der Schaden ist, aber der gerichtlich beeidete Sachverständige hat dringend geraten, dass wir bei mehr als 25.000 Endgeräten diverse Informationstechnologie-Komponenten austauschen müssen. Das allein kostet mindestens eine Million Euro. Und das ist eine Minimalsicherungsmaßnahme, die wir auch schon in die Wege geleitet haben", erklärte Drexel.

Spar hat eigenen Angaben zufolge bereits eine Beschwerde bei der Datenschutzkommission eingebracht. Auch eine Schadenersatzklage gegen die Republik wird angedacht.

Laut Behörde "Standard-Software"
Knapp fiel die Stellungnahme der Bundeswettbewerbsbehörde zu den Vorwürfen des Lebensmittelkonzerns aus. "Es hat sich um einen ganz normalen USB-Stick mit Standard-Software gehandelt, den das Bundeskriminalamt bei Hausdurchsuchungen schon Hunderte Male verwendet hat", sagte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag.

Im Übrigen habe die gerichtlich angeordnete Hausdurchsuchung nicht die Bundeswettbewerbsbehörde durchgeführt sondern das Bundeskriminalamt. Nachsatz: "Herr Drexel schaut offenbar zu viel Science-Fiction."

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