Di, 12. Dezember 2017

"Ein schönes Gefühl"

18.09.2013 20:57

Iran ließ Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh frei

Die prominente iranische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotoudeh (Bild) ist von der iranischen Justiz freigelassen worden. "Das ist ein schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein und die Menschen zu umarmen, die mir in all den Jahren so gefehlt haben", sagte sie am Mittwoch in Teheran. Die 48-Jährige gehört nach Angaben der iranischen Grünen-Oppositionsbewegung Kalame zu einer Gruppe von mehr als 15 politischen Gefangenen, die seit Dienstag freigelassen worden seien.

Aus der Haft entlassen worden seien demnach auch der ehemalige Vize-Außenminister Mohsen Aminsadeh, Fejsollah AranSorchim, der während der Amtszeit des früheren Präsidenten Mohammed Khatami von 1997 bis 2005 Vize-Handelsminister war, und die Journalistin Mahsa Amirabadi. Sie waren nach den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Ex-Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Jahr 2009 hinter Gittern gekommen.

Die seit 2010 inhaftierte Sotoudeh ist eigenen Angaben zufolge in "guter körperlicher und psychischer Verfassung". Die Zeit im Gefängnis sei ein Albtraum gewesen - psychisch mehr als physisch. Das alles sei aber nun Vergangenheit, denn sie habe ihre Familie wieder. "Mein Sohn Nima kommt in die erste Klasse und ich werde den kleinen Mann höchstpersönlich in die Schule bringen", kündigte sie an. Das alleine mache all das Leid der vergangenen Jahre vergessen, so die Anwältin.

"Werde erneut für Gerechtigkeit kämpfen"
Sie kündigte zugleich an, sich weiter für die Verteidigung der Menschenrechte zu engagieren. "Ich kehre bald zu meinem Job als Anwältin zurück und werde erneut für Gerechtigkeit kämpfen." Die 48-Jährige hatte sich vor ihrer Inhaftierung vor allem für die Rechte der Frauen und gegen die Todesstrafe eingesetzt. Zudem verteidigte sie politische Häftlinge. Anfang 2011 war sie zu elf Jahren Haft verurteilt sowie mit einem 20-jährigen Berufsverbot belegt worden - unter anderem wegen "Angriffs auf die nationale Sicherheit" und "Propaganda gegen die Staatsführung".

Auch ihre Mitgliedschaft im Zentrum der Verfechter der Menschenrechte, einer Menschenrechtsgruppe der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, wurde Sotoudeh zur Last gelegt. Die UNO, die EU und zahlreiche Menschenrechtsgruppen betrachteten Sotoudeh als politische Gefangene und hatten sich für ihre Freilassung eingesetzt. Im Oktober des Vorjahres war sie für 49 Tage in einen Hungerstreik getreten, um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren.

EU-Parlamentspräsident: "Wichtiges positives Signal"
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz begrüßte am Mittwoch die Nachricht von der Freilassung Sotoudehs und weiterer politischer Gefangener als "wichtiges positives Signal" der iranischen Führung. "Nasrin Sotoudeh hat sich für die Achtung der individuellen Freiheitsrechte und einen demokratischeren Iran eingesetzt", so Schulz.

Die Haftentlassungen wurden im Iran als großer innenpolitischer Erfolg für den neuen Präsidenten Hassan Rohani gewertet. Er hatte sich bereits im Wahlkampf für die Freilassung aller politischen Gefangenen und für Meinungsfreiheit starkgemacht. In der kommenden Woche reist Rohani nach New York, um an der Generaldebatte der UN-Vollversammlung teilzunehmen.

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