Mo, 20. November 2017

Bunker und Mausoleum

18.09.2013 17:57

So lebte der Amokläufer aus Großpriel

Das Haus ist ein Abbild seiner selbst: Von außen gesehen makellos, doch im Inneren verwinkelt, mit einer Vielzahl an dunklen Ecken und geheimen Kammern. Wenn Alois Huber - jener Mann, der bei seinem Amoklauf bei Annaberg vier Menschen tötete - nach Hause kam, betrat er ein Gebäude, das viele Geheimnisse beinhaltet - wie einen geheimen Bunker, eine äußerst gut bestückte Sammlung an Waffen und ein Mausoleum zu Ehren seiner verstorbenen Ehefrau.

Es ist eines der schönsten Häuser in Großpriel. Im Zentrum ein Vierkanthof, rechts davon die Bauern- und Wohnstube des Wilderers, weiter entfernt die Arbeitsstätte mit meterhoch gestapelten Holzlatten. Wer an dem schlossähnlichen Anwesen mit Erker und Turm vorbeifährt, lässt vermutlich seine Fantasie schweifen, wie es drinnen wohl aussehen könnte: sauber, gemütlich, vielleicht ein Kamin, an dem man sich an bitterkalten Wintertagen wärmen kann, alte Holzböden und rustikale Schränke.

Von Galerie alles überblickbar
Doch an diesen Vorstellungen ist nichts Wahres dran. Denn das Zuhause des 55-Jährigen ähnelt vielmehr einer gut geschützten und mit zahlreichen Waffen bestückten Festung. Das ausladende Wohnzimmer des Hauses mit seinen etwa hundert Quadratmetern erstreckt sich über die gesamte Etage und beherbergt auf der linken Seite eine offene Küche.

Darüber findet sich eine Galerie, auf der man, wie auf einer Aussichtsplattform, alles überblicken kann. Schon hier zeigt sich die Obsession des Alois Huber: überall Waffen. Mehr als hundert sind es im gesamten Gebäude, vom Kleinkaliber bis zum Elefantentöter, auf Kleiderständern und Sesseln - allerorts hängen oder liegen die todbringenden Utensilien eines Waffennarren.

Nach Tod der Ehefrau blieb alles an seinem Platz
Fünf Räume liegen im oberen Stock des Gebäudes, darunter ein Schlafzimmer und ein Bad. Verändert hat Alois Huber nach dem Tod seiner geliebten Frau vor vielen Jahren nichts. Ihre Kleidung, ihr Schmuck - alles blieb an seinem Platz, als würde die Gattin jeden Moment das Haus betreten. Der 55-Jährige lebte wie in einem Museum, gespickt mit Erinnerungen.

Auf derselben Etage befindet sich allerdings auch das Zimmer, in dem der Wilderer seine Trophäen aufbewahrte: zahlreiche Geweihe der Hirsche, die Huber erschoss und deren Köpfe er sauber vom Torso abgetrennt hatte.

Luftschutzbunker hinter Geheimtür versteckt
Doch besonders der Keller verlangte den Beamten der Cobra bei ihrer Suche nach dem Schützen einiges ab: So hatte sich der 55-jährige Transportunternehmer ein unterirdisches Bunkersystem aufgebaut, versteckt hinter einer Stellage und einer Geheimtür.

Hier befindet sich ein ehemaliger Luftschutzbunker, in dem schließlich auch die Leiche des Wilderers gefunden wurde - ausgestattet mit Betten, Sanitäranlagen, Wasser, Nahrung und erneut einer Vielzahl an Waffen. Der Keller mit fünf Räumen ist verschachtelt, hinter jeder Wand und jeder Ecke (sei es durch den Wilderer selbst oder durch Sprengfallen) mussten die Beamten eine neuerliche Attacke des Mannes fürchten.

Mausoleum als Ort der Trauer und des Gebets
Neben dem Haupthaus im Freien findet sich das Mausoleum - eine Kapelle mit Laterne, um auch nachts beten zu können. Hier trauerte Huber um seine Frau, die den Kampf gegen den Krebs verlor. Seither, sagen Freunde, war er nicht mehr der Alte. Er wurde seltsam, dann gefährlich.

Anrainer und auch Neugierige aus anderen Dörfern kommen nun, um das Gebäude jenes Mannes zu sehen, der drei Polizisten und einen Sanitäter tötete. Ein Nachbar spricht aus, was viele denken: "Am besten, man brennt das Haus nieder!"

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