Sa, 16. Dezember 2017

Wurde 93 Jahre alt

18.09.2013 16:34

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist tot

Der berühmteste Kritiker der deutschsprachigen Literatur ist tot. Marcel Reich-Ranicki starb am Mittwoch in Frankfurt im Alter von 93 Jahren. Dies teilte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" mit, für die er lange arbeitete. Im März 2013 hatte der seit längerem gesundheitlich angeschlagene Reich-Ranicki seine Krebserkrankung öffentlich gemacht.

Den Höhepunkt seiner Popularität im deutschen Sprachraum erreichte Reich-Ranicki ab 1988 als Moderator der ZDF-Literatursendung "Das Literarische Quartett" an der Seite von Hellmuth Karasek und der Wiener Kritikerin Sigrid Löffler. Die Sendung war bis 2001 regelmäßig zu sehen.

Neben zahlreichen anderen Büchern veröffentlichte "MRR" 1999 seine Autobiografie "Mein Leben", die zum Bestseller wurde. Das Buch wurde nach Verlagsangaben mehr als 1,2 Millionen Mal verkauft. Für seine Arbeit wurde Reich-Ranicki außerdem mit zahlreichen Ehrungen überhäuft.

Noch bis ins hohe Alter gab der wortgewaltige Kritiker in der Literaturszene den Ton an. Bis zuletzt veröffentlichte er Kolumnen in der "FAZ". Legendär wurden seine öffentlichen Kontroversen mit prominenten Schriftstellern wie Günter Grass oder Martin Walser. Im Oktober 2008 entfachte er eine Debatte über das Niveau im deutschen Fernsehen, als er im ZDF vor laufenden Kameras den Deutschen Fernsehpreis ablehnte und den "täglichen Blödsinn" im TV kritisierte.

1920 in Polen geboren
Marcel Reich wurde am 2. Juni 1920 in Wloclawek an der Weichsel geboren. Sein Vater David war Kaufmann und polnischer Jude, seine Mutter Helene war deutsche Jüdin. Reich ging 1929 nach dem Konkurs der väterlichen Fabrik mit der Familie nach Berlin. Nach dem Abitur wurde er 1938 nach Polen ausgewiesen. Aus dem Warschauer Ghetto konnte er 1943 zusammen mit seiner Frau Teofila fliehen. Beide überlebten den Holocaust im Untergrund.

Nach dem Krieg war Reich Mitglied des polnischen Geheimdienstes und zeitweise polnischer Generalkonsul in London, wo er auch den Namen "Ranicki" zusätzlich annahm. Er kehrte im Herbst 1949 nach Warschau zurück. Wenig später wurde er aus der Kommunistischen Partei wegen "ideologischer Fremdheit" ausgeschlossen.

Im Jahr 1958 ließ sich Reich-Ranicki schließlich für immer in Deutschland nieder. In Hamburg war er von 1960 an Literaturkritiker der Wochenzeitung "Die Zeit". 1973 ging er mit Joachim Fest zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und leitete dort bis 1988 die Literatur-Redaktion. Bis zuletzt arbeitete er jedoch weiter für die "FAZ" als Kritiker und Redakteur der "Frankfurter Anthologie".

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